XING: The Land Beyond

HTC Vive Oculus Rift Spiele
6

VR-World Rating

Reise durchs Jenseits

Entwicklerstudio White Lotus Interactive möchte uns in eine fantastische Reise ins Leben nach dem Tod mitnehmen. Das gelingt aber nur teilweise.

Ein gutes VR-Puzzlespiel glänzt in der Regel durch selbsterklärende Aufgabenstellungen und eine intuitive Steuerung. XING: The Land Beyond will dazu noch wunderschöne Levels liefern und dem Spieler eine geradezu Zen-mäßige Erfahrung jenseits des (virtuellen) Todes bieten.

Enttäuschend dünne Story

Warum wir gestorben sind, wird uns nicht erklärt. Wir finden uns zu Beginn auf einem zentralen Platz wieder, in der uns eine (unvertonte) Götterfigur klarmacht, dass wir jetzt das Jenseits bereisen müssen. Vier Welten gibt es hier zu erkunden, jede thematisch anders gestaltet. Beispielsweise geraten wir zuerst in eine Südsee-Welt, später müssen wir uns durch eine Wüste schlagen.

Abwechslungsreiche Gegenden erwarten uns in insgesamt vier verschiedenen Welten.

Abwechslungsreiche Gegenden erwarten uns in insgesamt vier verschiedenen Welten.

Was das Ziel der ganzen Geschichte ist, wird nicht wirklich klar, wir wollen aber natürlich auch die ziemlich dünne Geschichte nicht weiter spoilern. Dabei haben uns die kleinen, vertonten Gedichte noch am besten gefallen, die wir auf Steinfragmenten finden und die uns versteckte Hinweise auf die Gegend und die darin befindlichen Rätsel geben. Eine klassische Geschichte mit einem roten Faden und narrativen Höhepunkten suchen wir aber vergebens.

Umgebungsrätsel mit Sprung

Die Rätsel sind fast immer Umgebungsrätsel und beinhalten beispielsweise das Betätigen von Schaltern, um Brücken richtig auszurichten, Feuerschalen, die angezündet werden müssen und häufig die Aktivierung von Säulen oder Plattformen. Über die müssen wir hüpfen, um an Orte zu gelangen, die wir sonst nicht erreichen können. Beispielsweise können wir nicht durch tiefes Wasser schwimmen und klettern geht natürlich auch nicht.

Die Puzzles sind nicht sonderlich schwer und vor allem durch aufmerksames Erkunden zu lösen. So sollen wir etwa ein Feuer machen (leider geht das nur automatisch, es gibt keine echte VR-Interaktivität), um dann mit einer brennenden Kokosnuss oder einem Ast die Ranken abzufackeln, die den Weg in einen anderen Bereich versperren. Über spezielle Siegel auf dem Boden beeinflussen wir darüber hinaus den Tag- und Nachtwechsel – einige wichtige Rätselelemente sind nämlich nur bei Nacht zu sehen.

Wer überhaupt nicht weiter weiß, der bekommt an vielen verschiedenen Stellen Hinweise angezeigt, die es oft schon wieder etwas zu leicht machen.

Wenn wir keine Treppen zur Verfügung haben, müssen wir manchmal per Geschicklichkeitseinlage hüpfen.

Das Spiel glänzt mit fantasievollen Umgebungen, in denen wir verschiedene Puzzles lösen müssen.

Wenig intuitive Steuerung

Was uns zur Steuerung bringt: Da wir häufig herumhüpfen müssen, ist Teleportation keine Option, wir haben also volle, flüssige Bewegungsfreiheit (Full Locomotion). Personen mit hoher Anfälligkeit für Motion Sickness können hier Probleme bekommen, besonders bei schneller Bewegung in die eine Richtung, während man gleichzeitig woanders hinsieht.

Gesteuert wird bei der HTC Vive über die Touchpads der Vive-Controller. Wir zeigen mit dem linken Controller in die Richtung, in die wir laufen wollen und halten das Touchpad gedrückt. Mit dem Touchpad des rechten Controllers können wir schrittweise den Blickwinkel anpassen, indem wir in die Richtung zeigen, in die wir sehen wollen und dann das Touchpad betätigen. Das kann aber auch manchmal zu Verwirrung führen, wenn wir durch wiederholtes Drücken in eine Richtung (also rechts oder links auf dem Touchpad, wie bei einem Steuerkreuz) den Blickwinkel stufenweise wechseln, dieser aber in die entgegengesetzte Richtung springt, weil der Controller gerade dorthin zeigt.

Der linke Controller lässt sich auch auf klassische Steuerkreuz-Mechanik umstellen, sehr intuitiv ist dieses Bewegungsmuster aber insgesamt nicht. Besser wäre es gewesen, wenn die Blickrichtung automatisch mit der Laufrichtung übereinstimmen würde. Der aktuelle Zwang, sich ständig neu ausrichten oder bei raumfüllendem VR herumdrehen zu müssen (wobei sich das Headset-Kabel schnell aufkordelt), fühlt sich über die gesamte Spielzeit unpraktisch an.

Manche Rätsel lassen sich nur bei Nacht lösen, den Wechsel zwischen Tag und Nacht dürfen wir selbst auslösen.

Manche Rätsel lassen sich nur bei Nacht lösen. Den Wechsel zwischen Tag und Nacht dürfen wir selbst auslösen.

Oberflächliche Interaktion und Immersion

Gegenstände heben wir über eine Art Traktorstrahl auf, wir greifen Dinge also nicht direkt. Die Bedienung von Knöpfen oder ähnlichem funktioniert ebenso. Das nimmt leider etwas Direktheit aus dem Spiel, die Interaktion fühlt sich merkwürdig distanziert an. In unserem oben erwähnten Feuer-Beispiel wäre es anstelle einer automatischen Animation besser gewesen, wenn wir selbst Feuersteine aneinanderschlagen oder Holz auf Holz reiben müssten. Identifikation mit einer VR-Welt entsteht nämlich hauptsächlich durch direkte, persönliche Interaktion.

Die Performance geht immer mal wieder etwas in die Knie. Selbst auf einem potenten Rechner (i7-4770K, GTX 1080 Ti, 32 GB RAM; maximale Grafikeinstellungen) kommt es oft zu kleinen Rucklern, gerade bei längeren, schnellen Laufbewegungen. XING: The Land Beyond ist allerdings auch wirklich hübsch und glänzt mit fantasievollen, reichhaltigen Umgebungen. Gerade die Vegetation, vor allem die sich im Wind bewegenden Bäume, ist toll gemacht. Und auch Tages- und Nachtwechsel sind stimmungsvoll umgesetzt worden. Trotzdem fanden wir uns nie so richtig in die Welt hinein versetzt.

Trotz der tollen, detaillierten Umgebungen fehlt diese gewisse Plastizität, dieser spezielle 3D-Effekt, der VR eigentlich auszeichnet.

Trotz der tollen, detaillierten Umgebungen fehlt diese gewisse Plastizität, dieser spezielle 3D-Effekt, der VR eigentlich auszeichnet.

Verglichen mit dem  VR-Puzzlespiel FORM, in dem zwar vor allem mechanische Formen und metallische Materialien etc. verwendet wurden, das aber eben durch eine tolle Schärfe und unglaubliche Plastizität der 3D-Gebilde überzeugt, erreicht XING: The Land Beyond diese grafische Präsenz nicht. Alles wirkt ganz leicht verschwommen und irgendwie nicht richtig „echt“. Vielleicht liegt das an den platten Bodenexturen, vielleicht auch dran, dass manche Dinge  wie  beispielsweise das Tag- und Nacht-Siegel wenig „natürlich“ in die Welt integriert wirken. Die sehr gute Physik, beispielsweise wenn wir Gegenstände ins Wasser werfen, ändert daran auch nichts. Trotz der fraglosen Schönheit der abwechslungsreichen Levels wurden wir nie so richtig in die Welt hineingezogen, der Wow-Effekt guter Immersion blieb einfach aus.

Xing: The Land Beyond bekommt ihr hier:

Das ist gut

  • Sehr schöne Levels
  • Ordentliche Puzzles
  • Vertonte Gedichte
  • Guter Sound

Das geht besser

  • Wenig intuitive Steuerung
  • Leicht verschwommenes Gesamtbild
  • Dünne Story
  • Oberflächliche Interaktion

Fazit

XING: The Land Beyond ist absolut kein schlechtes Spiel. Es sieht gut aus, der Sound ist ordentlich und die Musik angenehm. Die Puzzles überfordern nicht, manchmal könnten sie aber ruhig etwas herausfordernder sein. Die Story ist leider viel dünner als erwartet, es fehlt ein echter narrativer Leitfaden, eine Motivation, vielleicht auch etwas Dramatik. Die Interaktionen fühlten sich zudem durchweg distanziert an. Insgesamt wirkte XING: The Land Beyond auf mich trotz seiner schönen Aufmachung seltsam fremd, so als gehörte ich nicht wirklich dort hinein. Und gerade das sollte ja eigentlich die Stärke von VR sein.
6

VR-World Rating

Gameplay: 6
Grafik: 8
Sound: 8
Steuerung: 6
Immersion: 4
Umfang: 6

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