Virtual und Augmented Reality auf der CES 2017

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Auch in diesem Jahr gab es auf der CES in Las Vegas einige Neuheiten im Bereich VR und AR zu sehen. Allerdings blieb der ganz große Wurf aus. Wir fassen alles Wichtige zusammen.

Nachdem 2016 mit der HTC Vive und der Oculus Rift die großen Player der jungen Branche ihre Headsets und Controller auf den Markt gebracht haben, wollen in diesem Jahr andere Firmen nachziehen. Auf der Consumer Electronics Show 2017 wurden dementsprechend neue Brillen, aber auch einige interessante Prototypen vorgestellt. Während Oculus mit nahezu vollständiger Abwesenheit glänzte, stellte HTC neues Zubehör für die Vive vor.

Eine wirklich aufsehenerregende Ankündigung blieb zwar aus, aber in summa gab es auch dieses Jahr vielversprechende Dinge zu sehen. Wir haben die wichtigsten Neuigkeiten der CES 2017 rund um Virtual Reality und Augmented Reality zusammengefasst.

Intel zeigt Merged Reality

Unter Merged Reality versteht Intel die Einbindung realer Objekte und Umgebungen in die virtuelle Realität – oder umgekehrt. Eine vollmundige Zukunftsvision zeigte Intel bereits in einem Video im letzten Jahr. Auf der CES 2017 präsentierte der Technikkonzern nun eine erste Variante seiner Merged Reality. Ein Intel-Mitarbeiter setzte dafür in einer Präsentation eine Oculus-Rift auf, die mit Intels RealSense-Kamera ausgestattet war.

Auf einem Bildschirm konnten die Anwesenden das Gleiche sehen, was der Intel-Mitarbeiter sah. Als er seine Hände ins Bild bewegte, waren das keine stilisierten Controller oder virtuellen Hände: Es waren seine echten Hände, inklusive Ehering am Finger. Damit nicht genug. Nun sollte der Mann mit einigen Luftballons interagieren, die in die virtuelle Realität eingespielt wurden. Beeindruckend: Er konnte mit seinen Händen nicht nur die Ballons herumstoßen, er war auch in der Lage, kleine Ballons mit der Hand komplett zu greifen.

Laut Intel ist das bereits einer der Stützpfeiler der Merged-Reality-Technologie. Mit Intels eigener Brille (Project Alloy, dazu später mehr in diesem Artikel) sollen aber noch weitere Ziele verfolgt werden: Ein kabelloses Headset, völlige Bewegungsfreiheit, integriertes Positions-Tracking und natürliche Manipulation von virtuellen Objekten.

Zubehör für HTC Vive

Die neuen Controller für die HTC Vive waren leider kein Thema auf der CES 2017, ebenso wenig die HTC Vive 2. Man konzentrierte sich in diesem Jahr eher auf Zubehör. Unter anderem kündigte HTC eine neue Halterung für die Vive an (Deluxe Audio Strap), die den Kopf besser umschließt und für mehr Stabilität sorgt. Diese Halterung beinhaltet auch integrierte Kopfhörer.

Die neuen Tracker für die HTC Vive können an nahezu allen Objekten angebracht werden. /© HTC

Die neuen Tracker für die HTC Vive können an nahezu allen Objekten angebracht werden. / © HTC

Die nächste Ankündigung bezog sich auf die neuen Vive-Tracker, die von Entwicklern verwendet werden können, um andere Objekte und Controller in der virtuellen Realität einzubinden. Beispielsweise könnte ein Controller in Form einer Pistole für Shooter-Spiele verwendet werden, indem ein Tracker daran angebracht wird. Trainingsmöglichkeiten für Sportler (Tennis, Baseball) sind ebenfalls denkbar, vorausgesetzt es ist genug Platz vorhanden.

Wireless VR

TPCast
Mit TPCast kündigte HTC den weltweiten Verkauf einer Wireless-Lösung für die HTC Vive an. Diese soll im zweiten Quartal 2017 ausgeliefert werden und eine Latenz von unter zwei Millisekunden bieten. Erste Hands-On-Erfahrungen klingen sehr positiv. Allerdings hält die Standardbatterie nur rund anderthalb Stunden. Eine größere Batterie mit rund fünf Stunden Leistung soll im Laufe des Jahres angeboten werden. Das TPCast-Addon schlägt mit 249 Dollar zu Buche und soll Ende des ersten Quartals 2017 vorbestellt werden können.

Mit dem TPCast Addon sind die lästigen Kabel an der HTC Vive endlich Geschichte. /© HTC

Mit dem TPCast Addon sind die lästigen Kabel an der HTC Vive endlich Geschichte. / © HTC

KwikVR
Scalable Graphis bringt mit dem KwikVR Wireless Kit ein Addon für die HTC Vive und die Oculus Rift. Das Zubehör entfernt die Kabel und tauscht Daten mit einer Latenz von rund 12 Millisekunden zwischen Sender und Empfänger aus. Damit ist es deutlich langsamer als das Konkurrenzprodukt TPCast. Erste Tests konnten aber insbesondere bei der Bildaktualisierung nicht überzeugen. KwikVR kommt bereits im März 2017 für rund 300 Euro auf den Markt.

Neue VR-Headsets

Der Markt für VR-Brillen wird 2017 um viele neue Anbieter erweitert. Auf der CES 2017 wurden einige neue Brillen vorgestellt.

Lenovo
Das leichte VR-Headset von Lenovo bringt zwei 1440 x 1440 Pixel-Displays mit, was eine höhere Auflösung darstellt als derzeit bei den Marktführern HTC und Oculus. Externe Sensoren sind dank integriertem Positions-Tracking (Inside-Out) nicht nötig. Als Controller soll ein handelsüblicher Xbox One-Controller dienen. Das Headset soll zudem mit Microsoft HoloLens-Applikationen kompatibel sein. Das Headset wird voraussichtlich bis zu 400 Dollar kosten und noch in diesem Jahr veröffentlicht werden.

Der VR-Prototyp von Lenovo / © Lenovo

Der VR-Prototyp von Lenovo / © Lenovo

Pico Neo CV
Das 2015 gegründete Startup Pico bringt das Neo CV auf den Markt, ein Headset, das nicht von Basis-Stationen oder Kabeln abhängig ist. Die Brille beinhaltet eine Snapdragon 820 CPU (2,2 GHz QuadCore) und eine Adrena 530 GPU, die zwei 1,5k Displays mit einer Bildwiederholungsrate von 90Hz befeuern. Sound wird aus integrierten Lautsprechern ausgegeben, einen Anschluss für Kopfhörer gibt es nicht. Die Steuerung soll über ein beliebiges Bluetooth-Gamepad erfolgen. Angeblich erlaubt das Headset freies Positions-Tracking (6DoF – 6 Degrees of Freedom), wie das aber ohne Kameras oder externe Basis-Stationen möglich sein soll, wurde nicht erläutert.

Pimax 8K
Nachdem die chinesische Firma Pimax bereits im letzten Jahr ein 4K-Headset präsentierte, ging sie in diesem Jahr noch weiter: Die 8K-VR-Brille, die auf der CES 2017 gezeigt wurde, bringt satte 3.840 x 2.160 Pixel aufs Auge (was horizontal 8K ergibt). Damit liegen sie erheblich über den 1200 x 1080 Pixeln der Marktführer HTC und Oculus. Allerdings wird die Auflösung offenbar hochskaliert, wie Hands-On-Berichte zeigen. Vermutlich liegt das an der Software, Pimax versichert jedenfalls, dass die 4K-Displays pro Auge echt sind. Das führt auf jeden Fall zu einem Bild ohne Fliegengitter und sichtbare Pixel, allerdings stellt sich die Frage, welcher Supercomputer native 4K-Bilder pro Auge auf die Brille bringen soll.

Zusätzlich soll ein Field of View von satten 200 Grad geboten werden (zum Vergleich: Die HTC Rift bietet nur 110 Grad). Positionstracking gab es nicht (soll es aber in der Verkaufsversion geben) und das Kopftracking funktioniert derzeit nur ungenau. Zudem verursachen die LCD-Linsen einen unangenehmen Ghosting-Effekt.

Project Alloy
Intels Project Alloy-VR-Brille möchte ein Rundum-Sorglos-Paket sein: Keine Kabel, Positions-Tracking (Inside-Out) und unabhängig von weiteren Geräten, etwa einem PC. Batterie, PC und Kameratechnik sind komplett im Headset verbaut, die genauen Spezifikationen sind aber nicht bekannt, da es sich noch um einen Prototyp handelt.

Promo-Bild von Intels Project Alloy

So sieht der Prototyp von Project Alloy aus / © Intel

Auf der CES 2017 zeigte Intel einen Prototyp in Verbindung mit einer Demo. Die Brille soll über Scanning-Technologie die Umgebung vermessen können, was dann die Einbindung von realen Objekten in die Virtuelle Realität ermöglicht. In der Demo auf der CES war der Raum bereits gescannt, die Objekte (Tische und ein Sofa) wurden innerhalb der virtuellen Realität kurzerhand in Sci-Fi-Objekte umgewandelt. Besonders cool: Die Tester konnten sich hinter diesen Objekten verschanzen.

Allerdings ist noch viel zu tun, bevor Alloy serienreif werden kann. Das Headset ist recht schwer und die 3D-Umgebung schien sich in den Tests zu verschieben und nicht mehr genau den Positionen der Objekte in der realen Welt zu entsprechen. Ende 2017 soll das Headset dann in den Verkauf gehen.

Augmented Reality

Während die großen AR-Projekte wie Microsoft HoloLens sich recht bedeckt halten, gibt es neben Intels Merged Reality kleinere, aber nichtsdestotrotz sehr interessante Projekte zu bewundern.

Sketch AR
Mit dieser AR-Lösung können Künstler (oder solche, die es gern werden wollen) Bild-Vorlagen aus einer App auf eine Oberfläche (beispielsweise ein Blatt Papier) anpassen und es dann nachzeichnen. Dabei wird das Bild in der App an der vorgesehenen Stelle festgehalten und bietet so eine sehr gute Vorlage, anhand derer beispielsweise Malen gelernt werden kann.

HoloLamp
Mit dem Holo-Projektor HoloLamp sollen wir in der Lage sein, ohne Brille oder Smartphone mit Projektionen zu interagieren oder Objekte in der Realität mit zusätzlichen Effekten zu versehen. In einer Demo ist beispielsweise ein Lego-Geschütz zu sehen, das durch HoloLamp mit Laserstrahlen auf ein anderes Objekt schießt. Das jeweilige Hologramm kann derzeit nur durch einen Controller verändert werden, es ist aber geplant, dass Nutzer in Zukunft direkt auf der Projektionsfläche interagieren können.

Der Projektor soll bereits im ersten Quartal 2017 käuflich zu erwerben sein und ein AR-Schachspiel enthalten.

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