Through You

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6

VR-World Rating

Expressionistische Collage

Direkt zum Fazit

Der experimentelle Virtual Reality-Film Through You versucht das Phänomen Liebe durch Choreographie und Tanz expressionistisch aufzuarbeiten.

Für eine Sache eignet sich Virtual Reality perfekt: Geschichten zu erzählen. Sogar 360°-Filme (die eigentlich kein hundertprozentiges VR darstellen, da sie kein Tiefen-3D beherrschen) können uns so nahe, so direkt an das Geschehen und die handelnden Personen heranbringen, dass eine neue Dimension des Storytellings erreicht wird.

Das gilt für Filme (Mr. Robot VR Experience) ebenso wie für reale Geschichten und Dokumentationen (Step to the Line).

Brutale Intimität in der Virtual Reality-Choreographie

Through you versucht, seine Geschichte über die Liebe – von ihrer Entstehung bis zu ihrem Ende – in einer expressionistischen Tanz-Choreographie zu zeigen. Vom „Sex mit dem Zuschauer“, der die Rolle des Lovers einnimmt, über das Verlassen werden, das erneute Verlieben, Zusammenleben und den Tod in Einsamkeit, wird ein ganzes Leben thematisiert.

Joanna Kotze and Amari Cheatom. Photo by Cameron Bertron. © Fictionless, Oculus

Joanna Kotze and Amari Cheatom. Photo by Cameron Bertron. © Fictionless, Oculus

Die Bilder sind für den Zuschauer unter der VR-Brille eindrücklich und teilweise von einer geradezu unangenehmen Intimität. Ob man die Narration durch Ausdruckstanz mag oder nicht, die Nähe durch VR regt an – oder stößt ab. Wenn zu Beginn die nackte junge Frau in einer kunstvollen Installation nach uns – dem Zuschauer – greift, kann das durchaus anregend wirken.

Aber wie fühlt es sich an, wenn die junge Frau altert, wenn die greise Frau im Negligé nicht einmal einen halben Meter vor uns tanzt?

Fragmentierter Eindruck

Während die Bilder teilweise deutlich, teilweise merkwürdig, teilweise extrem intim sind, schien uns der rote Faden des Films, sein Thema, manchmal ein bisschen abhanden zu kommen. Zu sehr ergehen sich manche Szenen im Selbstzweck der Choreographie und zu oft zerstören etwas zu schnelle Schnitte den Aufbau einer nachhaltigen Atmosphäre. Das führt dazu, dass der Film insgesamt etwas zerstückelt wirkt.

Amari Cheatom and Marni Wood. Photo by Cameron Bertron. © Fictionless, Oculus

Amari Cheatom and Marni Wood. Photo by Cameron Bertron. © Fictionless, Oculus

Gleiches gilt auch für die Technik, in der sich manche Bildteile (bei uns vor allem im oberen Bereich, wenn wir unter der HTC Vive nach oben schauten) nicht richtig zusammenfügten und zu teils großem Versatz führten. Auch einige der bereits angesprochenen schnellen Schnitte sorgen eher für Orientierungslosigkeit, anstatt den Fokus auf wichtige Bildelemente zu lenken. Davon abgesehen ist der Film handwerklich wirklich interessant gestaltet, besonders der dreidimensionale Sound ist gelungen.

Wer einen etwas anderen VR-Film mit sehr viel Interpretationsspielraum sucht, der wird hier bestens bedient. Besonders gut ist das Eindringen in eine fremde (oder die eigene?) Intimsphäre getroffen worden, zumindest in manchen Einstellungen. Wer aber eine geradlinige, klare Geschichte sucht, der wird mit Through You nicht glücklich.

Den Virtual Reality-Film Through You bekommt ihr kostenlos durch folgende Apps:

Das ist gut

  • Interessante Film-Variante
  • Gutes Spiel mit Nähe und Distanz
  • Teilweise eindrückliche Bilder

Das geht besser

  • Technische Macken
  • Wirkt etwas zerstückelt
  • Keine klare narrative Linie

Fazit

Through You ist definitiv interessant, auch wenn ich damit eigentlich nur wenig anfangen kann. Als Experiment zeigt der Film, dass auch alternative Film- und Kunstformen ihren Platz in VR finden und dabei eine geradezu extreme Nähe aufbauen können. Als Gesamtwerk hat mich der Film nicht richtig überzeugt, er erschien mir doch zu fragmentiert und zu wenig aus einem (narrativen) Guss. Um den Horizont zu erweitern, taugt Through You aber allemal.
6

VR-World Rating

Story: 4
Sound: 9
Grafik / Bild: 7
Immersion: 5
Umfang: 7
Zum Anfang

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