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The Invisible Hours im Test

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The Invisible Hours: Mitten in einem Krimi von Agatha Christie

Direkt zum Fazit

“Weder Spiel noch Film” – so beschreiben die Entwickler Tequila Works ihr VR-Werk The Invisible Hours. Und treffen es damit ziemlich genau auf den Punkt. Wir haben die VR-Erfahrung für euch getestet

Eigentlich ist The Invisible Hours ein Krimi klassischer Machart: Es gibt einen Mord und mehrere Verdächtige, die es natürlich alle nicht gewesen sein wollen. Ein cleverer Detektiv macht sich auf, den Fall zu lösen. Dazu mischen die Macher noch ein paar Mystery-Elemente. Kann das in VR funktionieren?

Das Theater im Theater

Es kann, sehr gut sogar. Doch bis wir in die Geschichte eintauchen dürfen, finden wir uns zunächst in einem verlassenen Theater wieder. Während wir uns durch die mit rotem Teppichboden ausgelegten Flure teleportieren und nach dem Einstieg ins Spiel suchen, wird uns die recht einfache Steuerung an mehreren Beispielen demonstriert.

The Invisible Hours ist eine klassische Krimigeschichte im Stile von Hercule Poirot oder Miss Marple. Dabei gibt es natürlich einen Mord und sieben Verdächtige. © Tequila Works

Zugegeben: Ein wenig verwirrend ist es zunächst schon. Warum sind wir überhaupt in diesem Theater? Kaum haben wir die Loge gefunden und das Spiel gestartet, wird es uns erklärt: The Invisible Hours ist ein immersives Theaterstück.

Wir, das Theaterpublikum, sind die unsichtbaren Beobachter. So können wir den Personen zwar folgen, jedoch zu keinem Zeitpunkt in die Handlung eingreifen. Was erst einmal wenig spektakulär klingt, entpuppt sich schnell als geniales dramaturgisches Konzept.

Einsam auf der Insel – mit einer Leiche

Dabei steht und fällt alles mit der Geschichte. Die beginnt mit Gustaf Gustav, einem schwedischen Detektiv, der gerade von einem Boot auf einer düsteren Insel abgesetzt wird. Der Kapitän fährt ohne ein Wort weg und wir bleiben allein zurück.

Schon bald trifft Gustaf auf Flora White. Sie ist die ehemalige Assistentin des Gastgebers und steht weinend im strömenden Regen vor einem großen Haus mitten auf den Klippen. Als Gustaf sie zur Eingangstür begleitet, entdecken sie die Leiche des Hausherren Tesla.

Screenshot aus dem Trailer von The Invisible Hours © Tequila Works

Flora und Detektiv Gustaf finden Nikola Tesla leblos in der Eingangshalle. Screenshot aus dem Trailer  © Tequila Works

Neben dem Butler lernen wir jetzt auch die anderen Hausgäste kennen, die sich allesamt um das Mordopfer versammeln: Thomas Edison, Erfinder und größter Konkurrent des Ermordeten, die Schauspielerin Sarah Bernhardt, einen verurteilten und inzwischen freigelassenen Mörder namens Victor Mundy und Augustus Vanderberg, ein Sprössling aus reichem Hause.

Sie alle sind von Tesla mit dem merkwürdigen Angebot eingeladen worden, sie könnten bei ihm den größten Fehler ihres Lebens rückgängig machen.

Spannung durch verschachtelte Handlungsstränge

Nach dem Fund der Leiche trennt sich die Gruppe wieder. Ab diesem Punkt müssen wir uns entscheiden: Folgen wir Flora, die ein wenig zu zielstrebig in den Nebenraum eilt? Oder gehen wir lieber mit Gustaf, der voller Eifer im Esszimmer die ersten Befragungen durchführen will?

Oder hängen wir uns gar an die Fersen des blinden Butlers Oliver Swan? Sämtliche Handlungen laufen parallel ab und finden in den zahlreichen Räumen des mehrgeschossigen Hauses statt.

Szene aus The Invisible Hours © Tequila Works

Wollen wir dem jungen Auguste Vanderberg folgen oder lieber den Stimmen im Nebenraum nachgehen? © Tequila Works

Je nachdem, welche Person wir uns aussuchen, werden wir Zeugen von unterschiedlichen Bruchstücken der Geschichte. Unsere Aufgabe ist es, die Fragmente in unserem Kopf zusammenzusetzen und nach und nach das ganze Bild zu verstehen.

Dafür ist es überaus nützlich, dass wir mit unserem Controllern die Zeit vor- und zurückspulen können. Auf diese Weise ist es möglich, Szenen zu sehen, die sich zeitgleich, aber an verschiedenen Orten abspielen.

Außerdem können wir jederzeit in das Theatergebäude von The Invisible Hours zurückkehren, um zwischen den vier Kapiteln hin- und her zu springen. Dort wird uns auch angezeigt, wenn wir Szenen von Personen verpasst haben. Das ist nützlich, da es gerade am Anfang schnell kompliziert wird.

Überzeugende Charaktere und umfassende Backstory

Nach und nach kriegen wir den Dreh raus. Und schnell zeigt sich, wie gut die Geschichte strukturiert ist. Die einzelnen Szenen sind zeitlich und räumlich so trickreich ineinander verwebt, dass wir ganz von selbst in die nächste Person und damit das nächste Story-Fragment stolpern.

Immer wieder ertappen wir uns dabei, wie wir es vor lauter Neugierde einfach nicht lassen können und unsere aktuelle Szene überstürzt verlassen, damit wir dem geheimnisvollen Flüstern im Nebenzimmer auf  den Grund gehen können.

Szene aus The Invisible Hours © Tequila Works

Nur, wenn man gut aufpasst und jedes Kapitel mehrmals mit aus verschiedenen Perspektiven durchlebt, erfährt man genügend Details über die einzelnen Hausbewohner.  © Tequila Works

Die Spannung wird vor allem dadurch aufgebaut und erhalten, dass sämtliche Charaktere eine überzeugende Hintergrundgeschichte haben. Was sie antreibt, offenbart sich uns erst nach und nach in Einzelszenen und kann durchaus für einige Aha-Momente sorgen. Kleiner Spoiler: Dass einige von ihnen nach historischen Personen benannt sind, hat ansonsten nichts weiter zu bedeuten.

Immer wieder finden wir auch Tagebücher des Mordopfers und andere Schriftstücke, die uns zusätzliche Erklärungen liefern. Besonders schön ist, dass wir sie uns alle auf Knopfdruck vorlesen lassen können.

Vertonung super, Bewegungssteuerung verbesserungswürdig

Neben der pointiert und exzellent eingesetzten Musik ist uns vor allem die deutsche Synchronisation sehr positiv aufgefallen. Sämtliche Szenen sind professionell ins Deutsche übersetzt und von guten Schauspielern vertont worden. Neben Deutsch bietet das Spiel auch noch weitere Sprachvarianten an.

Szene aus The Invisible Hours © Tequila Works

Thomas Edison war der größte Konkurrent des Opfers. Aber ist das schon Motiv genug? © Tequila Works

Die Grafik von The Invisible Hours erinnert ein wenig an Comicbücher. Sie ist gut, muss aber hinter großen Titeln wie Hellblade oder Moss zurückstecken. Lobenswert ist auf jeden Fall die beklemmende Atmosphäre, die die einzelnen Räume gut vermitteln, auch wenn die Ausstattung hier und da noch ein wenig mehr Details hätte vertragen können.

Immer wieder finden wir allerdings gelb markierte Objekte und Fotografien, die wir sammeln müssen – ein klares Zugeständnis an das Medium Spiel. Allerdings bleibt unklar, was wir damit tun sollen.

In Punkto Bewegungssteuerung haben wir zwei Möglichkeiten: Folgen wir einer Person, können wir das automatisiert machen und uns ähnlich einem Film mit fertig geschnittenen Szenen zurücklehnen. Ansonsten teleportieren wir uns selbstständig durch das Haus, wobei wir auch die Blickrichtung justieren können.

Das funktioniert nach ersten Anfangsschwierigkeiten zwar einwandfrei und ist sinnvoll, wenn wir schnell längere Strecken zurücklegen wollen. Befinden wir uns hingegen in einer Szene mit ein oder zwei Charakteren, wäre eine zusätzliche Option ohne Teleportieren angenehmer und würde die Immersion vertiefen.

Wer ist denn nun der Mörder?

Nach rund sieben Spielstunden haben wir endlich das Gefühl, die Geschichte vollständig verstanden zu haben. Die ersten beiden Kapitel sind dabei die kompliziertesten und müssen immer wieder aus verschiedenen Perspektiven durchlebt werden. Natürlich können wir auch deutlich schneller zum letzten Kapitel springen, doch das würde viele schöne Knobel-Momente nehmen.

Szene aus The Invisible Hours © Tequila Works

Detektiv Gustaf, so viel darf verraten werden, verdächtigt erst einmal jeden im Haus.  © Tequila Works

Die Auflösung des Plots ist überraschend und (von einem kleinen Logikfehler abgesehen) besser als wir ursprünglich erwartet hatten. Allerdings hatten wir das Pech (oder die Weisheit?),  uns gleich zu Beginn des letzten Kapitels an die Fersen der „richtigen“ Person geheftet zu haben.

Dadurch waren wir bereits im Besitz der wichtigsten Informationen, bevor wir die Nebenhandlungen erleben konnten. Auch die sind sehenswert, doch die Spannung fehlte dann leider doch. Hier wäre eine kleine Beschränkung seitens der Entwickler vielleicht besser gewesen, die verhindert, das wir zu früh erfahren, wer denn nun der Mörder ist.

Unsere Wertung

Fazit

The Invisible Hours ist ein großartig gelungenes Experiment. Es zeigt, wie ein Film in VR eine starke Geschichte erzählen kann, ohne jedoch rein passiv zu bleiben. Bis auf kleine Ausnahmen werden alle Handlungsstränge befriedigend zu Ende geführt und die Auflösung des Plots birgt gleich mehrere Überraschungen. Damit ist es für all diejenigen geeignet, die schon immer mal selbst in einem interaktiven Film sein wollten. Mit einer geschätzten Spielzeit von 5 bis 8 Stunden (je nachdem, wie akribisch eure Ermittlungen ablaufen) ist das Abenteuer zudem lang genug,  damit wir richtig in die Geschichte eintauchen können.

The Invisible Hours ist für euch geeignet, wenn….

  • ihr gerne knobelt und ein wenig Geduld mitbringt
  • Krimis euer Steckenpferd sind  und euer zweiter Vorname „Hercule“ ist
  • ihr sehen wollt, wie ein interaktiver Film funktionieren kann
  • eure Freunde von euch gern mit einer (etwas zu) detaillierten Filmanalyse beglückt werden

The Invisible Hours ist nicht für euch geeignet, wenn…

  • ihr actionreiche Spiele und Shooter vorzieht
  • ihr den Ausgang der Geschichte beeinflussen wollt
  • euch lange Dialoge ein Graus sind
  • ihr euch viel lieber prügeln  wollt
  • ausgedehnte Entdeckungstouren nicht euer Ding sind

The Invisible Hours könnt ihr hier bekommen:

  • für Oculus Rift, HTC Vive und Windows Mixed Reality: auf Steam (ihr könnt das Spiel auch ganz ohne VR-Brille im Monitor-Modus spielen)
  • für Oculus Rift: im Oculus Store
  • für PlayStation VR: im PlayStation Store

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