Jetzt bei MediaMarkt kaufen!

Resident Evil 7

PlayStation VR Spiele
9

VR-World Rating

9.6

VR-User

Im wahrsten Sinne eine Killer App

Nach den Action-Eskapaden der Vorgänger dürfen wir uns endlich wieder in ein waschechtes Horror-Survival-Erlebnis stürzen. Warum Resident Evil 7 aber gerade von der Sogkraft der PlayStation VR profitiert, klären wir im Test.

Entwarnung: Unser Test zu Resident Evil 7 enthält keine Spoiler!

Soviel vorweg: Mit Resident 7 erreicht uns eines der vollwertigsten Spieleerlebnisse, die es derzeit für die PlayStation VR zu haben gibt. Wenn ihr eine PSVR besitzt, solltet ihr euch unbedingt eine ausreichende Ration an Beruhigungsmitteln zulegen, eventuelle Panikattacken vorab den Nachbarn melden und spitze Gegenstände jeglicher Art außer Reichweite bringen, bevor ihr euch in der virtuellen Realität euren tiefsten Urängsten stellt. Denn seinen Untertitel Biohazard (biologisches Risiko) hat sich der sehnsüchtig erwartete 7. Teil des Resident Evil-Franchise redlich verdient.

Unsere kleine Horror-Farm

Schauplatz von Resident Evil 7 sind die ländlich geprägten USA irgendwo zwischen Redneck-Enklave und dem Blutgericht von Texas. Erstmalig in der Geschichte der Serie erleben wir das Geschehen unmittelbar aus der Ich-Perspektive unseres Helden. Dieser hört auf den Namen Ethan Winters und ist anders als etwa Jill Valentine oder Chris Redfield ein Franchise-Neuling. Somit ist Resident Evil 7 nicht nur für Veteranen geeignet, da hier eine zum großen Teil separate Story erzählt wird. Davon einmal abgesehen, versprüht der neueste Ableger jedoch jenen altbekannten Charme, der bereits vor gut zwanzig Jahren das Survival-Horror-Genre maßgeblich mitbestimmte.

Screenshot aus dem Inneren der Baker-Villa in Resident Evil 7

Resident Evil 7 spielt größtenteils in einer desolaten Südstaaten-Villa / © Capcom

Die Hintergrundgeschichte dürfte jedem, der Silent Hill kennt, ziemlich verdächtig vorkommen: Vor drei Jahren ist unsere als Reporterin arbeitende Frau namens Mia verschwunden. Aus dem Nichts erreicht uns plötzlich eine E-Mail von ihr, in der sie uns auffordert, sie von der beigefügten Adresse abzuholen. Prompt brechen wir in der Rolle von Ethan auf, was uns zu einem heruntergekommenen Anwesen mitten im Bundesstaat Louisiana führt. Und als wäre das alles nicht schon mysteriös genug, wartet dort der mörderische Baker-Clan auf uns, der Mia scheinbar in seiner Gewalt hat.

Anders als in den beiden vorangegangenen Resident Evil-Teilen sind wir also diesmal nicht mehr in aller Herren Länder unterwegs, sondern wieder an einen eng begrenzten Ort gebunden. Das passt gut zur Rückbesinnung auf alte Werte, von der Enwickler Capcom im Vorfeld vermehrt sprach. Schließlich spielte schon das erste Resident Evil in einem alten Herrenhaus.

Die Baker-Familie aus Resident Evil 7 am Esstisch

An den Tischmanieren muss Familie Baker noch arbeiten /  © Capcom

So kommt echtes Resident Evil-Feeling auf

Wer also befürchtet, dass Resident Evil 7 aufgrund der ungewohnten Perspektive wenig mit den Vorgängern gemein hat, irrt gewaltig: Schon lange hat kein Teil der Serie derart formvollendet das bewährte Resi-Feeling eingefangen. Denn die Rückkehr zu den Wurzeln des Franchise lässt sich nicht allein daran festmachen, welche Gameplay-Mechaniken oder was für eine Kameraperspektive zum Einsatz kommt, wie auch Producer Jun Takeuchi in einem Interview mit GameSpot zu verstehen gibt.

Doch wie kann man selbst abgebrühten Spielern im Jahr 2017 noch die ultimative Horror-Erfahrung liefern, die anno 1996 für Furore sorgte? Das Stichwort hierfür ist Immersion. Denn endlich kommt wieder dieselbe angstvolle Atmosphäre auf, die uns schon als Teenager machtlos an den Bildschirm fesselte. Als Normalsterblicher steckt unsere Spielfigur Ethan wahrlich in einer lebensbedrohlichen Situation, und die Egoperspektive fängt seine (und unsere eigene!) Verwundbarkeit meisterhaft ein.

Unser Protagonist Ethan Winters lädt eine Pistole durch

Horror hin oder her – auch die Action kommt in Biohazard nicht zu kurz / © Capcom

Ständig müssen wir uns Fragen stellen wie: Ist dieser Kampf mit so wenig Kugeln im Magazin noch zu gewinnen? Soll ich lieber den taktischen Rückzug antreten? Wie wäre es außerdem mal mit einer Pause, um einen Baldriantee zu kochen und die Windel zu wechseln? Gerade Entscheidungen wie diese machen das klassische Resident Evil-Feeling erst aus.

Ebenso klassisch ist der Grad der Gewaltdarstellung. Denn wie in den Vorgängern geht es wieder ziemlich drastisch zur Sache. Deshalb muss in Deutschland eine USK-18-Freigabe her, wofür Resident Evil 7 im Gegenzug aber ungeschnitten auf den Markt kommt. Das Spiel ist also definitiv nichts für zartbesaitete Gemüter.

Gameplay ohne Gnade

Wie in den alten Resi-Spielen tasten wir uns von Raum zu Raum vor, untersuchen Gegenstände und legen nach und nach die Geheimnisse des Baker-Anwesens frei. Dazu durchsuchen wir beispielsweise Regale und Schubladen nach wichtigen Hinterlassenschaften der Familienmitglieder. Wer dabei ungeduldig wird, darf dankenswerter Weise zu Tabletten greifen, die Ethans Wahrnehmung für eine begrenzte Zeit erweitern. So werden all jene Gegenstände markiert, mit denen sich interagieren lässt.

Munition ist Mangelware, was unsere Gegner jedoch nicht davon abhält, ganze Berge von Blei aufzusaugen. Gezielte Kofpschüsse erleichtern die Sache zwar etwas, dennoch sind wir immer von akuter Muntionsknappheit bedroht. Im Nahkampf kommt ein Messer zum Einsatz. Doch wir sollten lieber nicht allzu häufig darauf vertrauen, denn anders als alte Hasen wie Chris Redfield oder Leon S. Kennedy, ist Ethan eher schwach auf der Brust und hält nur wenige Treffer aus.

Neben Messer und Pistole finden wir im Spielverlauf noch weitere Waffen, darunter etwa eine Schrotflinte sowie ein improvisierter Flammenwerfer, der sich im Rahmen unseres Spieldurchgangs als besonders nützlich erwiesen hat. Zudem können wir unsere eigene Munition herstellen und wieder gute alte Heilkräuter sammeln, womit sich unsere Gesundheit auffrischen lässt. Beide Ressourcen lassen sich im Inventar noch veredeln, wenn man sie mit Chemikalien kombiniert.

Die Molded aus Resident Evil 7

Da helfen nur noch Kopftreffer / © Capcom

Eine runde Sache

Franchise-Veteranen werden zudem mit Freude erkennen, dass es in Resident Evil 7 erneut Ruheräume zu entdecken gibt. Hier können wir zwischendurch etwas aufatmen, nicht benötigte Gegenstände in Kisten ablegen und vor allem: Speichern! Anders als etwa in Resident Evil 1 kommt hierbei keine Schreibmaschine, sondern ein Tonbandgerät zum Einsatz. Außerdem müssen wir nicht für jeden Speichervorgang ein neues Tonband einlegen, ähnlich wie dies noch im ersten Teil mit den Farbbändern der Fall war. Zumindest auf den ersten beiden der drei Schwierigkeitsgrade können wir jederzeit kostenlos speichern. Als weiteres RPG-Element lassen sich in Vogelkäfigen überall im Haus versteckte Münzen einwerfen, um damit beispielsweise den Gesundheitsbalken dauerhaft zu vergrößern oder wertvolles Equipment freizuschalten.

So trefflich dieser Fokus auf Ressourcenmanagement an die alten Teile erinnert, so deplatziert muten die teilweise sehr bizarren Rätsel an. Denn leider wirken diese nicht vom Setting oder der Handlung des Spiels motiviert. So müssen wir etwa bronzene Hundeköpfe einsammeln oder einen Schlangenschlüssel in die dafür vorgesehene Öffnung stecken, was irgendwie gezwungen daherkommt. Gelegentlich frustriert zudem das Suchspiel nach diesen Gegenständen, ohne die sich das Spiel nicht weiterführen lässt.

Insgesamt bietet Resident Evil 7 jedoch ein mehr als rundes Spielerlebnis. Actionpassagen und solche, in denen der Horror dominiert, sind mit Bedacht aufeinander abgestimmt. So kommt keine Langweile auf. Für unseren ersten Durchgang haben wir im Übrigen etwa 12 Stunden gebraucht. Besonders eifrigen Fans winkt danach die Jagd auf Trophäen, womit sich die Spielzeit deutlich ausdehnen lässt.

Mehr als nur Ohrenschmaus

Das hervorragende Sound Design beweist zusätzlich, dass Capcom keine Mühen gescheut hat, sein Publikum gehörig in Angst und Schrecken zu versetzen. Die dynamisch zum Einsatz kommende Hintergrundmusik sowie der tolle Surround-Sound tragen viel zur Spannung bei. Die Geräusche sind so gelungen, dass sich sogar die Position der Gegner im Raum bestimmen lässt. Das ist gerade beim Katz-und-Maus-Spiel mit unseren unheimlichen Verfolgern besonders hilfreich. Aus den genannten Gründen empfehlen wir unbedingt das Spielen mit qualitativ hochwertigen Kopfhörern.

Die Sprecher der deutschen Fassung sind ebenfalls sehr gut getroffen, wobei die englischen Originalsprecher mit ihrem starken Südstaaten-Akzent allerdings unübertroffen bleiben. Wer also des Englischen mächtig ist, sollte aufs Original setzen.

Noch boshafter mit PlayStation VR

Wir haben Resident Evil 7: Biohazard komplett mit PlayStation VR gespielt und sind von der tadellosen Integration des VR-Modus beeindruckt. Dieser lässt sich nämlich jederzeit im Menü an- und ausschalten. Ihr braucht also keinen zusätzlichen Speicherstand erstellen oder gar das Spiel von vorne beginnen.

Auch der Schusswaffengebrauch geht mit der PSVR auf dem Kopf sehr intuitiv vonstatten. Da das Fadenkreuz immer im Zentrum des Blickfelds bleibt, zielen wir quasi mit den Bewegungen unseres Kopfes. Schon nach einer kurzen Eingewöhnungszeit stellt dies selbst in den teilweise nervenaufreibenden Bosskämpfen kein Problem mehr dar.

Was in VR aber vor allem beeindruckt, ist die vorhin bereits angesprochene Immersion. Die (mit Bedacht eingesetzten) Schockmomente wirken intensiver denn je, und manche Gegner jagen uns allein schon wegen ihrer schieren Größe einen wohligen Schauer über den Rücken.

Um Motion Sickness vorzubeugen, hat sich Capcom so einige Tricks einfallen lassen. So wird standardmäßig die Blickrichtung per Analogstick in festen 30-, 45- oder 90-Grad-Schritten verändert. Nach kurzer Eingewöhnung klappt das wunderbar und fällt im Spielfluss kaum noch auf. Auf Wunsch lässt sich aber auch ein stufenloser Modus einstellen, bei dem ihr Resi 7 dann wie einen konventionellen FPS-Ttitel spielt.

Auch Ethans Laufgeschwindigkeit lässt sich individuell anpassen. Beim stufenlosen Drehen um die eigene Achse hatten wir selbst im Stress-Test keinerlei Probleme. Zudem werden bewegungsintensive Passagen wie beispielsweise das Erklimmen einer Leiter ausgeblendet, um etwaiges Unwohlsein bei solchen Kamerafahrten zu vermeiden.

Nahkampfanimation aus Resident Evil 7

Gerade in VR ist Resident Evil 7 eine Wucht / © Capcom

Weniger schön an der VR-Fassung ist hingegen die Tatsache, dass Zwischensequenzen auf einer Art Großleinwand präsentiert werden. Sie kommen also nicht in echtem VR daher, was häufig einen merkbaren Bruch markiert. Mag dies in der Theorie eine gelungene Methode sein, Probleme mit Motion Sickness weiter zu verringern, so sind wir dennoch der Ansicht, dass es Capcom in diesem Fall zu gut mit uns gemeint hat. Allzu häufig leidet die Atmosphäre darunter, sodass wir uns auf einmal plötzlich wieder schmerzhaft bewusst sind, lediglich in einem Spiel zu stecken.

Dennoch gewinnt das Erlebnis im Verbund mit PlayStation VR nochmal deutlich an Intensivität, weshalb nicht nur Horror-Fans ernsthaft darüber nachdenken sollten, ob der Zeitpunkt für den Einstieg in die Virtual Reality nun gekommen ist. Falls ihr bisher auf eine Killer App gewartet habt, die den Kauf einer VR-Brille rechtfertigt, hier ist sie.

Resident Evil 7 ist neben der PS4 auch für den PC erhältlich. Allerdings hat Sony sich die VR-Kompatibiliät zeitlich exklusiv für ein Jahr gesichert. Eine Unterstützung von Oculus Rift und HTC Vive ist damit also frühestens in 12 Monaten zu erwarten.

Unterschiede zwischen PS4 und PS4 Pro

Den zahlreichen Trailern und Demos nach zu urteilen, hätten wir Resident Evil 7 eine derartige Grafikpracht überhaupt nicht zugetraut. Während das Spiel bereits auf der PS4 mehr als ansehnlich aussieht, profitiert es voll und ganz von der gesteigerten Power der PS4 Pro. Wobei die Wahl der Plattform auch in VR einen merklichen Unterschied macht.

Das lässt sich darauf zurückführen, dass auf der regulären PS4 eine Technik namens Foveated Rendering angewandt wird. Dabei wird nicht der komplette Bildbereich in derselben Auflösung dargestellt, was Rechenleistung einspart. Allerdings entsteht auf diese Weise ein deutlicher Balken am äußeren Bildrand, der teilweise sogar flimmert. Zwar sind die meisten Umgebungen des Spiels derart in Schatten getaucht, dass dieses Problem zu verkraften ist. Dennoch ist nicht von der Hand zu weisen, dass Resident Evil 7 auf der Pro deutlich besser aussieht und ohne Flimmern auskommt.

Mit der PlayStation VR sieht die angewandte RE Engine dann zwar nicht mehr ganz so gestochen scharf aus. Dennoch leistet die Kantenglättung einen guten Beitrag, weshalb speziell Figuren und Objekte in der virtuellen Realität besonders plastisch wirken.

Nahkampf in Resident Evil 7

Munition ist rar gesät, also sind gezielte Schüsse Pflicht / © Capcom

Resident Evil 7 biohazard findest du hier:

Das ist gut

  • einzigartiges Horror-Feeling in VR
  • unerreichte Immersion
  • hervorragendes Sound Design
  • klassisches Gameplay in modernem Gewand

Das geht besser

  • teils friemelige Rätsel
  • Zwischensequenzen nicht in echtem VR

Fazit

Was lange währt, wird mehr als gut: Mit Resident Evil 7 Biohazard ist Capcom ein weiterer Meilenstein seines beliebten Horror-Franchise gelungen. Vor allem im Verbund mit der PlayStation VR bekommen wir hier eine wahre Killer App geboten. Für mich ist es der gruseligste und zugleich modernste Resi-Teil seit Jahren, der darüber aber zum Glück nicht vergisst, was die Serie einst ausgemacht hat.
9

VR-World Rating

Gameplay: 9
Steuerung: 8
Immersion: 10
WOW-Faktor: 9
Story: 7
Grafik: 9
Sound: 9
Komfort: 8
Preis-Leistung: 8

Verfasse eine Antwort

Deine E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.Benötigte Felder sind markiert

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

*

Zeige den nächsten MediaMarkt, um Virtual Reality hautnah zu erleben

X