PC für VR aufrüsten: So macht ihr euren Computer fit für Virtual Reality

PC für VR aufrüsten: So macht ihr euren Computer fit für Virtual Reality

Unser Ratgeber erklärt euch in wenigen Schritten, wie ihr einen PC VR-fähig macht. Wir zeigen, welche Hardware ihr braucht, was beim Aufrüsten zu beachten ist und stellen passende Upgrades und Komplettsysteme vor.

Letzte Aktualisierung: 08.03.2018 durch Oliver Schmiedchen

Wie findet ihr heraus, ob euer PC VR-fähig ist?

Der erste Schritt besteht darin, herauszufinden, welche Hardware sich bereits im Rechner befindet. Oculus und HTC bzw. Valve sowie Microsoft stellen kleine Programme zur Verfügung, die euch schnell und unkompliziert aufzeigen, ob der PC bereit für VR ist oder welche Komponenten ihr aufrüsten müsst, um eine VR-Brille nutzen zu können.

Allerdings sind diese Tools recht oberflächlich – sie zeigen zum Beispiel keine genauen Informationen über Mainboard oder die Art des verbauten Arbeitsspeichers. Für ein genaueres Abbild eures Systems könnt ihr das ebenfalls kostenfreie Speccy nutzen.

Wenn ihr eure Komponenten kennt, könnt ihr sie auch direkt mit den minimalen Spezifikationen von Oculus RiftHTC Vive und Windows Mixed Reality vergleichen.

Minimale Systemvoraussetzungen Oculus Rift

CPUIntel i3-6100/AMD Ryzen 3 1200, FX4350 oder höher
GPU NVIDIA GTX 1050Ti/AMD Radeon RX 470 oder höher
RAMmind. 8 GB
VideoausgangHDMI 1.3
USB-Anschluss1x USB 3.0, 2x USB 2.0
Betriebssystemab Windows 8.1

Minimale Systemvoraussetzungen HTC Vive

CPUIntel i5-4590 oder AMD FX8350
GPU Nvidia GeForce GTX 970 oder AMD Radeon R9 290 oder besser
RAM4 GB oder mehr
VideoausgangHDMI 1.4 oder DisplayPort 1.2
USB-Anschluss1x USB 2.0
Betriebssystemab Windows 7 SP1

Minimale Systemvoraussetzungen Windows Mixed Reality

 Desktop-PC / Notebook (separate Grafikkarte)Desktop-PC / Notebook (integrierte Grafikkarte)
BetriebssystemWindows 10 Fall Creators UpdateWindows 10 Fall Creators Update
ProzessorIntel Core i5-Reihe oder AMD FX-4350 4,2 GHzIntel Core i5-Reihe
GrafikkarteNVidia GTX 965M oder AMD RX 460 oder besserIntegrated Intel HD Graphics 620 oder besser
Arbeitsspeicher8GB DDR38GB DDR3
Speicherplatz10 Gigabyte10 Gigabyte
Videoausgang1 x HDMI 1.4 oder DisplayPort 1.21 x HDMI 1.4 oder DisplayPort 1.2
USB-Anschluss1 x USB 3.0 Type-A oder Type-C1 x USB 3.0 Type-A oder Type-C
BluetoothBluetooth 4.0Bluetooth 4.0
Screenshot des SteamVR Performance Tests.

Der SteamVR Performance Test funktioniert auch ohne VR-Headset.

Valves Distributionsplattform Steam bietet dir mit dem SteamVR Performance Test die Möglichkeit, dein System einem Benchmark zu unterziehen. Das knapp fünf Gigabyte schwere Programm führt neben dem oberflächlichen Kompatibilitätstest einen Grafik-Benchmark durch, der euch zeigt, ob euer System genügend Grafikpower besitzt.

Die CPU-Last, die durch das Tracking des Headsets und der Controller anfällt, wird dabei leider nicht angezeigt. Ein ähnliches Grafik-Benchmark erlaubt euch die kostenlose Version von VRMark der Benchmarkspezialisten von Futuremark.

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Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=Giz2PrmTZvU

USB-Anschlüsse aufrüsten

Wer viele Peripheriegeräte am Computer verwendet, kommt gerade bei der Oculus Rift (mit Touch-Controllern und drittem Sensor braucht die Rift vier USB-Plätze) in Bedrängnis. Auch wer wenig Lust auf wildes Umgestöpsel hat oder das VR-Headset dauerhaft anschließen möchte, braucht freie USB-Buchsen. Wir raten hier zu einer internen Erweiterungskarte, die euch weitere USB-Anschlüsse beschert. Ein externer USB-Hub ist keine Lösung – diese Geräte verfügen nicht über die benötigte Speicherbandbreite.

Die USB 3.0-Erweiterungskarte von ultron. / © MediaMarkt.de

Die USB 3.0-Erweiterungskarte von ultron. / © MediaMarkt.de

Für vier weitere USB 3.0-Anschlüsse kommt die PCI ExpressErweiterungskarte Sedna von ultron in Frage. Damit fügt ihr eurem System nicht nur wertvolle USB-Steckplätze hinzu, sondern rüstet ihn für die Zukunft aus. Zwei Anschlüsse befinden sich an der Vorderseite der Steckkarte, mit den anderen beiden könnt ihr interne USB-Geräte anschließen.

Worauf müsst ihr achten?

  • Braucht ihr weitere USB 3.1-Anschlüsse oder reichen euch USB 2.0-Steckplätze?
  • Habt ihr einen freien PCI Express x1-Slot im Rechner? (Für die USB 3.0-Karte)

Etwas komplizierter: Arbeitsspeicher aufrüsten

Meldet der Kompatibilitätstest, dass euer Arbeitsspeicher nicht ausreicht, wird es ein wenig komplizierter. Um herauszufinden, welche RAM-Riegel in eurem PC stecken, braucht ihr noch ein kleines Hilfsprogramm. Am besten eignet sich das kostenlose RAMMon von PassMark Software. RAMMon zeigt euch auf einen Blick alles Wissenswerte über den Arbeitsspeicher. Am wichtigsten sind dabei die von uns im Screenshot rot markierten Angaben Ram Type, Maximum Clock Speed (Taktfrequenz), Maximum Transfer Speed (Übertragungsgeschwindigkeit) und Timings (Latenzzeiten).

Screenshot von RAMMon.

Die roten Pfeile zeigen dir, wo die benötigten Informationen stehen. / © VR-World

Mit diesen Angaben im Gepäck könnt ihr euch beispielsweise hier auf die Suche nach den passenden Speicherbausteinen machen. Im Idealfall kauft ihr die exakt gleichen Riegel vom selben Hersteller, die schon in deinem Computer verbaut sind. Wichtig ist auf jeden Fall, dass ihr auf die Typenbezeichnung achtet und nicht DDR3-RAM mit DDR4-RAM mischt. Die Taktfrequenz, Übertragungsgeschwindigkeit und Latenzzeiten sollten übereinstimmen, da sich das System sonst am langsameren RAM orientiert. Grundsätzlich besteht die Möglichkeit, RAM-Riegel von unterschiedlichen Herstellern zu verwenden. Das kann aber durchaus zu Konflikten führen.

Exemplarische Abbildung von Arbeitsspeicherriegeln.

So sehen DDR-Arbeitsspeicherriegel aus.

Wir empfehlen, generell auf mindestens 8 Gigabyte Arbeitsspeicher aufzurüsten. Zwar sind die Mindestvoraussetzungen bei etwa der Vive niedriger, aber angesichts des Hardwarehungers aktueller VR-Anwendungen lohnt sich die Investition definitiv. Wer auf Nummer sichergehen möchte, der ersetzt seine »alten« RAM-Riegel komplett, achtet beim Kauf lediglich auf den Typ und die Übertragungsgeschwindigkeit und greift zu einem sogenannten »Kit«, das zwei Riegel enthält. Denn beim Aufrüsten wie auch beim Ersetzen von Double Data Rate RAM (DDR-RAM) gilt: Die volle Leistung erzielt der Arbeitsspeicher nur im Verbund.

Worauf müsst ihr achten?

  • RAMMon runterladen, um mehr über den RAM herauszufinden.
  • Die im Screenshot markierten Angaben suchen.
  • Passende, im Idealfall identische, Arbeitsspeicherriegel finden.
  • DDR-RAM immer im Doppelpack ersetzen oder aufrüsten.

Einfach, aber teuer: Grafikkarte aufrüsten

Die richtige Grafikkarte für euer VR-System zu finden, gestaltet sich  einfach. Neben der Auswahl eines vertrauenswürdigen Herstellers und dem verwendeten Grafikchip müsst ihr nur klären, ob das Mainboard einen PCI Express 3.0-Slot besitzt. Dazu ladet ihr euch das kleine Programm CPU-Z von CPUID herunter.

Nachdem CPU-Z eure Komponenten ausgelesen hat, könnt ihr über die Karteikarte »Mainboard« herausfinden, welches Mainboard in eurem Rechner steckt. Auf dem Screenshot haben wir die benötigten Felder mit einem roten Pfeil markiert. Diese Informationen, Hersteller und Typenbezeichnung, gebt ihr bei Google ein und landet im Idealfall auf der Herstellerseite des Mainboards. Nach einer kurzen Suche findet ihr eine Sektion namens »Spezifikationen«, die Aufschluss über den PCI Express-Slot gibt.

Screenshot von CPU-Z

Die roten Pfeile zeigen euch an, wo die wichtigen Infos zu eurem Mainboard stehen.

Verfügt euer Computer über einen passenden PCI Express-Steckplatz, dann habt ihr folgende Möglichkeiten: Auf dem Einstiegsniveau, also den Mindestanforderungen, habt ihr noch die Wahl zwischen AMD und Nvidia. Hier könnt ihr beispielsweise zu einer Grafikkarte mit AMDs RX 570-Chip oder mit Nvidias GTX 1060-Chip greifen.

Im High End-Segment habt ihr die Wahl zwischen den NVIDIA-Karten mit GTX 1080– bzw 1080TI-Chips. Mit diesen Rechenbiestern sied ihr dann für die VR-Blockbuster der kommenden Jahre gerüstet.

Exemplarische Abbildung einer aktuellen Grafikkarte.

Achtet darauf, dass euer Mainboard einen PCI Express 3.0 Slot für so eine Grafikkarte besitzt.

Worauf müsst ihr achten?

  • Ladet CPU-Z herunter und findet heraus, ob euer System PCI Express 3.0 unterstützt.
  • Entscheidet euch für eine der genannten Grafikkarten.
  • Falls ihr ein unübliches Gehäuse besitzt, überprüft vor dem Kauf, ob die Grafikkarte hineinpasst.
  • Achtet beim Ausbau der alten Grafikkarte darauf, die kleine Halteklammer am PCI Express-Slot zu lösen.

(Fast) Alles muss raus: CPU und Mainboard aufrüsten

Wenn eure CPU und Mainboard nicht mehr in der VR-Liga mitspielen, dann wird es nicht nur kostspielig, sondern auch kompliziert. Denn sobald das Mainboard gewechselt wird, braucht es nicht nur eine neue CPU, sondern meist auch neuen Arbeitsspeicher. Des Weiteren warten auf ungeübte PC-Bastler nicht nur beim Zusammensetzen der Komponenten viele Fallstricke, sondern schon bei der Auswahl.

Alternative: Komplettsystem

Wer für den Eigenbau-Computer weder die Muße noch das nötige Know-How besitzt, der kauft sich alternativ ein neues Komplettsystem. Neben den für VR benötigten Komponenten bekommt ihr dabei noch ein Gehäuse, Netzteil und DVD-Laufwerk geboten, müsst aber dementsprechend tiefer in die Tasche greifen.

VR-taugliche Systeme beginnen bei unter 1.000 Euro. Für AMD-Enthusiasten kommt als Einstieg das Lenovo Legion Y720 mit Ryzen 5-CPU und einer Radeon RX570 in Frage. Nvidia-Veteranen unter den VR-Einsteigern greifen lieber zum HP Pavillon Power Desktop -580-107ng mit einer GTX 1060 und Intel Core-i5-Prozessor.

Der Hyrican Elegance-X 5702: Intel Core-i7, NVIDIA GeForce 1080Ti, 64 GB RAM / © MediaMarkt.de

Der Hyrican Elegance-X 5702: Intel Core-i7, NVIDIA GeForce 1080Ti, 64 GB RAM 

Für 1300 Euro bekommt ihr beim Acer Aspire T3-715 mit dem Intel i7-6700 nicht nur mehr Rechenpower, sondern ebenfalls eine SSD mit 128 Gigabyte. Bei der Grafikkarte bleibt es bei einer GTX 1060.

Wem finanziell keine Grenzen gesetzt sind, kann einen Blick auf den Hyrican Elegance-X 5702 werfen. Für etwas über 3.000 Euro bekommt ihr mehr von allem: mehr Arbeitsspeicher, mehr Festplattenspeicher, mehr Grafikpower, mehr Rechenleistung.

Worauf müsst ihr achten?

  • Der PC eurer Wahl sollte die Mindestanforderungen der VR-Headsets erfüllen.
  • Euer Geldbeutel sollte gut gefüllt sein.

Bonus-Tipp: Auf SSD aufrüsten

Exemplarische Abbildung einer Solid State Disk.

Eine SSD verspricht wesentliche kürzere Ladezeiten. 

Eine Solid State Disk, also eine Festplatte ohne bewegliche Teile, wirkt sich nicht direkt auf die VR-Leistungsfähigkeit eures Systems aus. Da viele VR-Spiele speichertechnische Schwergewichte sind, lohnt sich eine SSD, um Ladezeiten zu verringern. Bewährte Modelle kommen von Samsung und sind in Kapazitäten von 250 GB bis 2 TB erhältlich.

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