So macht ihr euren PC fit für Virtual Reality

VR Hardware
So macht ihr euren PC fit für Virtual Reality

Du planst, dir ein VR-Headset zu kaufen und musst aber erst deinen Computer aufrüsten? In unserem Ratgeber erklären wir, mit welchen Upgrades du deinen Computer VR-ready machst oder ob es nicht doch Zeit für einen neuen Computer wäre.

Wie finde ich heraus, ob mein PC VR-ready ist?

Der erste Schritt besteht darin, herauszufinden, welche Hardware du bereits unter deinem Schreibtisch stehen hast. Oculus und HTC/Valve stellen dazu kleine Programme zur Verfügung, die dir schnell und unkompliziert deine Hardwarekonfiguration auslesen und gleichzeitig aufzeigen, wo Bedarf zum Aufrüsten besteht.

Wenn du deine Komponenten in- und auswendig kennst, dann kannst du diese einfach mit den minimalen Spezifikationen der Oculus Rift und der HTC Vive vergleichen.

HTC Vive Voraussetzungen

CPUIntel Core i5-4590 oder AMD FX 8350
GPUNVIDIA GeForce GTX970 oder AMD Radeon R9 290
RAM4 GB
VideoausgangHDMI 1.4 oder DisplayPort 1.2
USB-Anschluss1x USB 2.0
Betriebssystemab Windows 7 SP1

CPUIntel i3-6100 oder AMD FX4350
GPUNvidia GeForce GTX 960
RAM8 GB
VideoausgangHDMI 1.3
USB-Anschluss1x USB 3.0, 2x USB 2.0
Betriebssystemab Windows 7 SP1
Screenshot des SteamVR Performance Tests.

Der SteamVR Performance Test funktioniert auch ohne VR-Headset. / © VR-World

Valves Distributionsplattform Steam bietet dir mit dem SteamVR Performance Test die Möglichkeit, dein System einem Benchmark zu unterziehen. Das knapp fünf Gigabyte schwere Programm führt neben dem oberflächlichen Kompatibilitätstest einen Grafik-Benchmark durch, der dir zeigt, ob dein System genügend Grafikpower besitzt. Die CPU-Auslastung, die durch das Tracking des Headsets und der Controller anfällt, wird indes leider nicht überprüft. Ein ähnliches Grafik-Benchmark erlaubt dir die kostenlose Version von VRMark der Benchmarkspezialisten von Futuremark.

Das kleinste Übel: USB aufrüsten

Wer viele Peripheriegeräte am Computer verwendet, kommt gerade bei der Oculus Rift (mit Touch-Controllern und drittem Sensor braucht die Rift vier USB-Plätze) in Bedrängnis. Auch wer wenig Lust auf wildes Umgestöpsel hat oder das VR-Headset dauerhaft anschließen möchte, braucht freie USB-Buchsen. Wir raten hier zu einer internen Erweiterungskarte, die euch weitere USB-Anschlüsse beschert. Ein externes USB-Hub wäre eine weitere Möglichkeit, allerdings reicht hier die Bandbreite nicht aus.

Eine USB Erweiterungskarte.

Die USB 3.0-Erweiterungskarte von Fantec. / © MediaMarkt.de

Für zwei weitere USB 3.1 Anschlüsse kommt die PCI Express-Erweiterungskarte von Fantec in Frage. Damit fügt ihr eurem System nicht nur zwei wertvolle USB-Steckplätze hinzu, sondern rüstet ihn für die Zukunft aus. Wer grundsätzlich genügend schnelle USB 3.0-Anschlüsse am Mainboard zur Verfügung hat, diese aber mit langsameren USB 2.0- oder gar USB 1.1-Geräten belegt hat, kann zu einer USB 2.0-Erweiterungskarte greifen. Mit dem Modell von Belkin bekommt ihr vier weitere USB 2.0-Buchsen (plus einen internen USB-Anschluss) und befreit damit eure USB 3.0-Anschlüsse.

Worauf muss ich achten?

  • Brauche ich weitere USB 3.1-Anschlüsse oder reichen mir USB 2.0-Steckplätze?
  • Habe ich einen freien PCI Express x1-Slot in meinem Rechner? (Für die USB 3.1-Karte)
  • Habe ich einen freien PCI-Slot in meinem Rechner? (Für die USB 2.0-Karte)

Etwas komplizierter: Arbeitsspeicher aufrüsten

Meldet der Kompatibilitätstest, dass dein Arbeitsspeicher nicht ausreicht, wird es ein wenig komplizierter. Um herauszufinden, welche RAM-Riegel in deinem Desktop stecken, brauchst du noch ein kleines Hilfsprogramm. Am besten eignet sich hier das kostenlose RAMMon von PassMark Software. RAMMon zeigt dir auf einen Blick alles Wissenswerte über deinen Arbeitsspeicher. Am wichtigsten sind dabei die von uns im Screenshot rot markierten Angaben Ram Type, Maximum Clock Speed (Taktfrequenz), Maximum Transfer Speed (Übertragungsgeschwindigkeit) und Timings (Latenzzeiten).

Screenshot von RAMMon.

Die roten Pfeile zeigen dir, wo die benötigten Informationen stehen. / © VR-World

Mit diesen Angaben im Gepäck kannst du dich beispielsweise hier auf die Suche machen. Im Idealfall kaufst du dir die exakt gleichen Riegel vom selben Hersteller, die schon in deinem Computer verbaut sind. Wichtig ist auf jeden Fall, dass du auf die Typenbezeichnung achtest und nicht DDR3-RAM mit DDR4-RAM mischst. Die Taktfrequenz, Übertragungsgeschwindigkeit und Latenzzeiten sollten übereinstimmen, da sich das System sonst am langsameren RAM orientiert. Grundsätzlich besteht die Möglichkeit, RAM-Riegel von unterschiedlichen Herstellern zu verwenden. Es kann aber nicht ausgeschlossen werden, dass nicht doch Probleme auftreten.

Exemplarische Abbildung von Arbeitsspeicherriegeln.

So sehen DDR-Arbeitsspeicherriegel aus. / © MediaMarkt.de

Wir empfehlen, generell auf acht Gigabyte Arbeitsspeicher aufzurüsten. Laut HTC und Valve begnügt sich die Vive zwar mit vier Gigabyte, aber angesichts der anspruchsvollen Spiele und Anwendungen, sind acht Gigabyte angemessener. Wer auf Nummer sichergehen möchte, der ersetzt seine »alten« RAM-Riegel komplett, achtet beim Kauf lediglich auf den Typ und die Übertragungsgeschwindigkeit und greift zu einem sogenannten »Kit«, das zwei Riegel enthält. Denn beim Aufrüsten wie auch beim Ersetzen von Double Data Rate RAM (DDR-RAM) gilt: Die volle Leistung erzielt der Arbeitsspeicher nur im Verbund.

Worauf muss ich achten?

  • RAMMon runterladen, um mehr über deinen RAM herauszufinden.
  • Die im Screenshot markierten Angaben suchen.
  • Passende, im Idealfall identische, Arbeitsspeicherriegel finden.
  • DDR-RAM immer im Doppelpack ersetzen oder aufrüsten.

Einfach, aber teuer: Grafikkarte aufrüsten

Die richtige Grafikkarte für dein VR-System zu finden, gestaltet sich recht einfach. Neben der Auswahl eines vertrauenswürdigen Herstellers und dem verwendeten Grafikchip musst du nur klären, ob dein Mainboard einen PCI Express 3.0-Slot besitzt. Dazu lädst du dir am besten das kleine Programm CPU-Z von CPUID herunter.

Nachdem CPU-Z deine Komponenten ausgelesen hat, kannst du über die Karteikarte »Mainboard« herausfinden, welches Mainboard in deinem Rechner steckt. Auf dem Screenshot haben wir die benötigten Felder mit einem roten Pfeil markiert. Diese Informationen, Hersteller und Typenbezeichnung, gibst du bei Google ein und landest so im Idealfall auf der Herstellerseite des Mainboards. Nach einer kurzen Suche findest du eine Sektion namens »Spezifikationen«, die dir Aufschluss über deinen PCI Express-Slot gibt.

Screenshot von CPU-Z

Die roten Pfeile zeigen dir an, wo die wichtigen Infos zu deinem Mainboard stehen. / © VR-World

Verfügt dein Computer über einen passenden PCI Express-Steckplatz, dann hast du folgende Möglichkeiten: Auf dem Einstiegsniveau, also den Mindestanforderungen, hast du noch die Wahl zwischen AMD und Nvidia. Hier kannst du entweder zu einer Grafikkarte mit AMDs RX 480-Chip oder mit Nvidias GTX 1060-Chip greifen.

Im höheren Leistungs- und Preissegment finden sich momentan nur die Nvidia Grafikkarten mit GTX 1070 und GTX 1080-Chips. Mit diesen Rechenbiestern bist du dich nicht nur für VR, sondern auch für die Blockbuster der kommenden Jahre gerüstet.

Exemplarische Abbildung einer aktuellen Grafikkarte.

Achte darauf, dass dein Mainboard einen PCI Express 3.0 Slot besitzt. / © MediaMarkt.de

Worauf muss ich achten?

  • Lade CPU-Z herunter und finde heraus, ob dein System PCI Express 3.0 unterstützt.
  • Entscheide dich für eine der genannten Grafikkarten.
  • Falls du ein unübliches Gehäuse besitzt, überprüfe vor dem Kauf, ob die Grafikkarte hineinpasst.
  • Achte beim Ausbau der alten Grafikkarte darauf, die kleine Halteklammer am PCI Express-Slot zu lösen.

(Fast) Alles muss raus: CPU und Mainboard aufrüsten

Wenn deine CPU und Mainboard nicht mehr in der VR-Liga mitspielen, dann wird es nicht nur kostspielig, sondern auch kompliziert. Denn sobald das Mainboard gewechselt wird, braucht es nicht nur eine neue CPU, sondern meist auch neuen Arbeitsspeicher. Des Weiteren warten auf ungeübte PC-Bastler nicht nur beim Zusammensetzen der Komponenten viele Fallstricke, sondern schon bei der Auswahl.

Eine wunderbare Kaufberatung findet sich bei den Kollegen der GameStar. Ab der 850 Euro-Preisklasse beinhaltet diese Komponenten, die deinen PC bereit für die virtuelle Realität machen. Für Neulinge finden sich dort ebenfalls ausführlich bebilderte Einbauanleitungen der verschiedenen Teile.

Alternative: Komplettsystem

Wer für den Eigenbau-Computer weder die Muße noch das nötige Know-How besitzt, der kauft sich alternativ ein neues Komplettsystem. Neben den für VR benötigten Komponenten bekommst du dabei noch ein Gehäuse, Netzteil und DVD-Laufwerk geboten, musst aber dementsprechend tiefer in die Tasche greifen.

Exemplarische Abbildung eines Komplettsystems.

Ein PC der Acer Predator G3 Baureihe. / © MediaMarkt.de

VR-taugliche Systeme beginnen bei knapp 1000 Euro. Für AMD-Enthusiasten kommt als Einstieg das Lenovo IdeaCentre Y710 mit einer Radeon RX480 in Frage. Nvidia-Veteranen unter den VR-Einsteigern greifen lieber zum Acer Predator G3-170 mit einer GTX 1060. Abseits der Grafikkarte unterscheiden sich die Systeme kaum in ihrer Ausstattung. Lediglich beim Lenovo IdeaCentre findet sich ein Manko im verbauten Arbeitsspeicher, der lediglich aus einem acht Gigabyte-Riegel besteht.

Für 1300 Euro bekommst du beim Acer Predator G3-710 mit dem Intel i7-6700 nicht nur mehr Rechenpower, sondern ebenfalls eine SSD mit 128 Gigabyte und eine Creative Sound Blaster Cinema für bessere Klangqualität. Bei der Grafikkarte bleibt es bei einer GTX 1060.

Wem finanziell keine Grenzen gesetzt sind, der legt sich das Lenovo IdeaCentre Y710 zu (Nicht vom Namen verwirren lassen). Für knappe 2000 Euro bekommst du mehr von allem: mehr Arbeitsspeicher, mehr Festplattenspeicher, mehr Grafikpower. Lediglich die CPU bleibt im Vergleich zum günstigeren Acer-Computer gleich.

Worauf muss ich achten?

  • Der PC deiner Wahl sollte die Mindestanforderungen der VR-Headsets erfüllen.
  • Dein Geldbeutel sollte gut gefüllt sein.

Bonus-Tipp: Auf SSD aufrüsten

Exemplarische Abbildung einer Solid State Disk.

Eine SSD verspricht wesentliche kürzere Ladezeiten. / © MediaMarkt.de

Eine Solid State Disk, also eine Festplatte ohne bewegliche Teile, wirkt sich nicht direkt auf die VR-Leistungsfähigkeit deines Systems aus. Da viele VR-Spiele speichertechnische Schwergewichte sind, lohnt sich eine SSD, um Ladezeiten zu verringern. Bewährte Modelle kommen von Samsung, tragen die Bezeichnung 750 Evo und sind in den Kapazitäten von 120, 250 und 500 Gigabyte erhältlich.

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