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Parallelwelten in VR: Segen oder Fluch?

Teamgeist: HUXLEY ist auf zwei bis acht Spieler ausgelegt. © EXIT Adventures GmbH

Die Oasis aus Ready Player One, VRChat oder große Spielwelten wie Fallout 4 VR oder Skyrim VR: Sie alle beschreiben parallele virtuelle Welten oder lassen sie uns bereits erleben. Ist die Entwicklung solcher Welten positiv zu bewerten oder ist VR am Ende gefährlich für uns? Redakteur Benjamin Danneberg macht sich darüber in einer ausführlichen Kolumne Gedanken.

In diesem Artikel gehe ich folgenden Fragen nach:

  • Sind Parallelwelten in VR für unsere Gesellschaft gefährlich?
  • Welche Vor- und Nachteile haben virtuelle Parallelwelten?
  • Was können wir im Umgang mit neuen Medien besser machen?

Die virtuelle Realität hat enormes Potenzial. In den verschiedensten Bereichen wie Bildung, Medizin, Tourismus und auch in der Arbeitswelt gibt es schon heute vielversprechende VR-Anwendungen. Darüber hinaus können wir uns gut vorstellen, zukünftig virtuelle Einkaufshäuser zu besuchen oder mithilfe von Augmented Reality Möbel in unserer eigenen Wohnung an Ort und Stelle anzuschauen, bevor wir sie kaufen.

Mit fortschreitender Technik werden VR-Brillen immer leistungsfähiger und komfortabler. Es ist also durchaus möglich, dass wir in Zukunft immer häufiger VR nutzen. Je größer und umfangreicher die Welt und je mehr sinnvolle Dinge wir darin tun können, desto größer ist auch die Chance, dass wir sehr viel Zeit darin verbringen.

Virtual Reality: Bedrohung für die Gesellschaft?

Das birgt Gefahren, zumindest wenn wir kritischen Stimmen glauben. Neben der ständig allgegenwärtigen Frage nach der Datensicherheit, geht es hier auch um gesellschaftliche Fragen: Entfremden wir uns als Gesellschaft noch mehr voneinander, wenn wir nur noch in digitalen Welten miteinander interagieren? Besteht die Gefahr, dass sich Menschen, die in der Realität nicht so gut zurechtkommen, in virtuelle Welten zurückziehen?

Alle Infos zum Kino-Film über Virtual Reality, Ready Player One.

Werden wir in Zukunft in VR leben und in der Realität verwahrlosen?

Zuerst einmal möchte ich festhalten, dass der technische Fortschritt meiner Meinung nach grundsätzlich zu begrüßen ist. Sowohl das Fernsehen als auch Internet und Mobilfunk haben die Welt verbessert: Wir bekommen jederzeit schnelle Informationen aus jedem Winkel der Welt, finden auf nahezu jede Frage eine schnelle Antwort und können mit wenigen Klicks nahezu alles einkaufen was wir möchten.

Auf der anderen Seite kämpfen wir mit daraus resultierenden Problemen. Die gesellschaftliche Entwicklung hält mit der rasanten Entwicklung der Technik nicht Schritt: Das Internet wird in zunehmendem Maße für Desinformationskampagnen genutzt und die Kommunikationsfähigkeit der Menschen scheint auch immer schlechter zu werden.

Wann immer ich aus dem Haus gehe, in der Straßenbahn sitze oder durch die Stadt spaziere, begegnen mir Menschen, die sogar im Gehen eifrig auf ihren tragbaren Displays herumwischen und kaum Notiz vom Leben um sie herum nehmen.

Absturz in virtuelle Welten

Wenn das bereits mit dem Smartphone so ist, wie sieht dann eine Welt aus, in der wir mittels VR-Headset in virtuelle Welten abtauchen? Was, wenn parallele Welten so umfangreich und funktional sind, dass wir eigentlich nur noch zum Essen, Trinken und Schlafen in die Realität müssen? Was geschieht dann mit uns und der menschlichen Gesellschaft?

Es gibt heutzutage schon Menschen, die in Virtual Reality (und besonders in parallelen virtuellen Welten) eine Bedrohung sehen. Auch im Kinofilm Ready Player One wird das teilweise so dargestellt: Menschen die ihrer harten Realität entfliehen und Eltern die ihre Kinder vernachlässigen, sorgen nicht unbedingt für ein positives Bild von virtueller Realität.

Auch das moralisierende Credo des Spielberg-Blockbusters (die Menschen müssen wieder in die Realität gezwungen werden, die virtuelle Welt ist eben nicht „echt“) gehört zu einem recht populären aktuellen Bild vieler Menschen von VR. „Ich möchte mich doch nicht komplett von der Welt abkapseln“, so eine beliebte Kritik an der VR-Technik.

Die VR-Technologie ist nicht das Problem

Und natürlich beinhaltet die exzessive Nutzung von VR auch negative Seiten. Das komplette Abtauchen in eine virtuelle Realität ist einem gesunden sozialen Miteinander abträglich. Dieses Phänomen finden wir allerdings auch heute schon immer wieder, etwa bei den bereits angesprochenen Smartphones. Selbst geselliges Beisammensein ist bei vielen Menschen nicht mehr ohne das allgegenwärtige Smartphone möglich.

Darüber hinaus gibt es Menschen, die an einer regelrechten Videospiel- oder Fernseh-Sucht leiden. Und natürlich wird sich auch Virtual Reality der Frage stellen müssen, wie eine komplette Isolation verhindert werden kann.

Allerdings bin ich der Meinung, dass eine Technologie an sich selten das Problem darstellt. Vielmehr ist der richtige Umgang damit entscheidend. Das hat viel mit persönlicher Sozialisation und individueller Medienkompetenz zu tun. Ähnlich wie beim Fernsehkonsum oder Videospielen ist das Vorbild der Eltern sowie die richtige Erziehung und eine umfassende Bildung extrem wichtig.

Allerdings lässt gerade die Bildung in Bezug auf Medienkompetenz stark zu wünschen übrig und manche Eltern interessieren sich schlicht nicht für das Konsumverhalten ihrer Kinder. Ich finde, eine verstärkte Präsenz des Themas an Schulen, sowie eine umfassende Begleitung aktueller und zukünftiger Technologien, könnte hier viel gute Aufklärungsarbeit leisten.

Parallele virtuelle Welten als Chance

Denn das Potenzial der VR-Technologie ist gigantisch – und das betrifft meiner Meinung nach vor allem künftige virtuelle Welten. Der Mensch ist ein Wesen, das immer schon auf Technik angewiesen war und dementsprechend viel in die technische Weiterentwicklung investiert hat.

Eine virtuelle Welt in der wir einkaufen, arbeiten, spielen oder uns mit (physisch weit entfernten) Freunden und Bekannten treffen,  bzw. neue Bekanntschaften schließen, liegt nicht nur im Interesse des Menschen, um seine individuellen Möglichkeiten zu vervielfachen: Sie ist auch längst keine Utopie mehr. Die Grundlagen finden wir heute schon vielfach in einzelnen VR-Apps.

In der Arbeitswelt wird immer häufiger auf virtuelle Realität zurückgegriffen um mit Kollegen neue Konzepte zu entwickeln, die in der physischen Realität sehr viel teuer wären oder zu denen sich die Mitarbeiter an einem speziellen Ort treffen müssten. Im Kfz-Bereich werden solche Kollaborations-Apps bereits erfolgreich eingesetzt. Verschiedene Konzerne wie Amazon, Saturn oder Ikea arbeiten zudem an Möglichkeiten, in VR oder mittels AR einkaufen zu können.

Soziale Plattformen wie Sansar oder VRChat bringen schon jetzt virtuelle Welten auf unsere VR-Brillen. Natürlich ist der Umfang relativ begrenzt, die Funktionalitäten rudimentär, die Bedienung nicht ausgefeilt und die grafische Umsetzung lässt teilweise zu wünschen übrig. Aber wenn wir etwa in VRChat in den Nachbau des Times Square reisen, wird uns das Potenzial schlagartig klar: Was wäre, wenn die ganze Neon-Reklame nicht bloß künstlerische Zwecke verfolgen, sondern aktuelle Werbung beinhalten würde?

Wenn die Gebäude nicht nur begehbar wären, sondern Verkaufsräume beinhalten würden, in denen wir Produkte aus der realen Welt begutachten und sogar kaufen könnten? Wenn echte „virtuelle“ Verkäufer uns beraten würden?

Funktionale VR-Welten sind Teil der Zukunft

Jeder der ein VR-Headset besitzt und schon einmal eine soziale App benutzt hat, weiß, dass das keine Spinnerei ist, sondern nur eine Frage der Zeit. Umso mehr Funktionalität und sinnvolle Beschäftigung parallele Welten aufweisen, desto mehr Zeit werden wir darin verbringen. Das kann vielerlei Vorteile haben: Zeitersparnis, vielleicht sogar Arbeiten in VR, neue Leute kennenlernen (gerade für Personen, die Schwierigkeiten haben, soziale Kontakte aufzubauen, kann VR sogar eine Hilfe sein) und natürlich besonders immersive Videospiele und Filme.

Die 20 besten Mods für Skyrim VR.

Fantasiewelten wie hier in Skyrim VR oder „realistischere Umgebungen“ werden zukünftig immer öfter und ausgefeilter in VR erlebbar sein.

Virtuelle Parallelwelten sind aus meiner Sicht keine Bedrohung, ganz im Gegenteil: Sie können unsere Realität enorm bereichern. Wie weit das geht, muss die Zukunft zeigen, denn die VR-Technik befindet sich noch immer in einem frühen Entwicklungsstadium. Zum Fluch wird eine solche Technologie immer erst durch Missbrauch.

Für das Individuum gilt es – wie immer – vor allem durch Vorbildfunktion und Bildung diesen Missbrauch zu verhindern. Und natürlich müssen ab einem bestimmten Punkt gesetzliche Regelungen zum Verhalten bzw. zum Schutz der Privatsphäre und der Daten des jeweiligen Nutzers her.

Spannende VR-Entwicklung

Es wird immer jemanden geben, der mit neuen technischen Möglichkeiten nicht umgehen kann oder sie zum Nachteil anderer ausnutzt. Das macht die Technik nicht automatisch schlecht: Die Vorteile die wir etwa durch Mobilfunk oder Internet haben sind gewaltig. Wahrscheinlich würden die wenigsten von uns komplett darauf verzichten wollen. Ähnlich wird es auch mit Virtual Reality sein. VR-Welten werden uns gute Unterhaltung und viele Vorteile liefern, mit all ihren Schattenseiten. Ich persönlich – als alter Nerd – freue mich sehr darauf und betrachte parallele virtuelle Welten deshalb eher als Chance, denn als Problem.

Allerdings muss für ein solches Szenario die Technik noch sehr viel besser, günstiger und vor allem komfortabler werden. Das umfangreiche virtuelle Parallelwelten möglich sind und kommen werden, scheint mir ziemlich sicher zu sein. Die nächsten Jahre werden diesbezüglich sehr spannend.

Wie seht ihr das? Könnt ihr euch vorstellen, mit entsprechend komfortabler Technik täglich mehrere Stunden in einer virtuellen Welt zu verbringen, dort einzukaufen und zu arbeiten? Welche Probleme seht ihr diesbezüglich? Diskutiert mit uns in den Kommentaren.

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