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Oculus Go: Facebooks Volks-VR-Brille?

Einfach sauber zu halten: Oculus Go.

Oculus schickt mit der Oculus Go auf der Oculus Connect 4 ein autarkes Headset für das kommende Jahr ins Rennen. Doch warum? Unser Autor Benjamin Schäfer versucht abzuwägen, für wen Oculus Go gedacht ist.

Viel wissen wir noch nicht über das frisch angekündigte, autonome VR-Headset Oculus Go. Es wird kein Inside-Out-Tracking besitzen, dafür aber verbesserte Fresnellinsen, die selbst den Linsen im Oculus Rift-Headset den Rang ablaufen. Beim Display setzt Oculus auf ein LCD-Modul mit WQHD-Auflösung (2.560 x 1.440 Pixeln), um eine gute Farbabdeckung zu erhalten. Ein 3DoF-Controller und Rechenleistung im Bereich aktueller Smartphones runden das All-In-One-Paket ab.

Ohne Hindernisse in die virtuelle Realität

Auf der einen Seite ist die Oculus Go damit nicht mehr als ein mobiles VR-Headset mit eingebautem Smartphone. Auf der anderen Seite ist es aber genau das, ein Gerät mit nur einer Aufgabe: virtuelle Realität erleben. Kein Telefon in ein Headset reinklemmen oder starten von speziellen Apps, um dann VR-Apps starten zu können, kein Schnick Schnack, sondern einfach nur anschalten, aufsetzen, VR. Also ganz ähnlich wie das Konkurrenzprodukt Pico Goblin.

Für Oculus CTO und Entwicklerlegende John Carmack stellt dieser Hürdenabbau den Hauptgrund für die Oculus Go dar. Obendrein emanzipiert sich Oculus somit auch von Samsung, da Software-Updates nicht mehr von den Koreanern abgesegnet werden müssen. Mehr Kontrolle und gleichzeitig weitreichende Kompatibilität zu vielen existierenden Gear VR-Anwendungen.

Oculus Go als Upgrade für iPhone-Nutzer

Das ist natürlich großartig für Oculus, doch wen möchte Oculus mit der Go eigentlich ansprechen? Die bereits existierende Zielgruppe von VR-Interessierten und Technikenthusiasten besitzt wahrscheinlich bereits eine mobile Lösung wie Samsung Gear VR oder Google Daydream. Solche Nutzer scheuen ebenfalls nicht davor zurück, eine extra App für VR zu starten. Gerade für Gear VR-Besitzer wäre die Oculus Go unnötiger Luxus, da sie im Vergleich nichts Neues bietet.

Klein, leicht und komfortabel soll die Oculus Go sein.

Google Daydream Nutzer würden beim Wechsel von der App-Vielfalt des Oculus Stores und den Gear VR-Apps profitieren. Den größten Sprung im Bereich der technikaffinen Menschen würden iPhone-Nutzer machen, die sich beispielsweise immer noch mit Google Cardboard-Apps im Papp-Viewer zufriedengeben, obwohl sie recht potente Hardware besitzen.

Offensiver Preis und defensives Marketing

Doch auf Mark Zuckerbergs Weg zu einer Milliarde VR-Nutzern stellt das mickrige Lager der Technikfreaks nur die erste Stufe dar. Die breite Masse ohne passendes Smartphone muss als neue, weitere Zielgruppe mobilisiert werden. Dafür müssen Facebook und Oculus diese Zielgruppe erst einmal von ihrem Glück, Zielgruppe zu sein und von VR im Allgemeinen in Kenntnis setzen.

Gemütlich auf der Couch in virtuelle Welten abtauchen, dafür ist die Oculus Go gedacht.

Um dem gesteckten Ziel näher zu kommen, reicht es nicht, einen aggressiven und kompetitiven Preis zu haben. Facebook muss eine überzeugende und umfangreiche Marketingoffensive starten, um die potentielle Käuferschaft zu erreichen, die für VR noch keinen Platz und Nutzen in ihrem Leben haben. Ein autarkes Headset zu entwickeln, ist gerade so die halbe Miete.

Eine solche Marketingkampagne ist aber laut John Carmack nicht geplant ist. Zumindest nicht in einem Ausmaß, wie beispielsweise Samsung ihr Gear VR-Headset und die Galaxy-Smartphones bewirbt. Der Kampfpreis, der die psychologisch wichtige Grenze von 200 US-Dollar unterschreitet soll die Käufer hauptsächlich überzeugen.

Ist die Oculus Go die neue Nintendo Wii?

Für 199 US-Dollar ist die Oculus Go natürlich ein sehr gutes Angebot. Wer aber nicht weiß, was VR ist und was VR bietet, der wird nicht auf die Idee kommen, die Oculus Go zu kaufen. Dabei ist die Erschließung einer komplett neuen Zielgruppe kein Neuland. Apples iPad und Nintendos Wii haben es geschafft, Menschen als Nutzer zu gewinnen, die beinahe keine Gemeinsamkeiten mit der eigentlichen Zielgruppe hatten.

Der Controller der Oculus Go funktioniert wie der Gear VR-Controller oder der Daydream View-Controller.

Ob Facebook mit der Oculus Go die bowlenden Rentner und die WiiFit-Yoga-Mütter für sich gewinnen kann, steht momentan noch in den Sternen. Social VR zu vermarkten, gestaltet sich wesentlich schwieriger als Käufer von gesunder Bewegung in der guten Stube zu überzeugen. Egal wie oft Mark Zuckerberg beteuert, dass VR nicht isolierend ist und Facebook Spaces Menschen zusammenbringt.

Inside-Out-Headsets zu teuer und kompliziert

Die Oculus Go ist mit Sicherheit das richtige VR-Headset für die Zielgruppe der breiten Masse. Autarke Headsets mit Inside-Out-Tracking (beispielsweise für Windows Mixed Reality) werden die eingangs erwähnten Enthusiasten ansprechen und durch ihren hohen Preis auf VR-Neulinge eher abschreckend wirken. Das Argument, die Oculus Go nicht zu kaufen oder als unnötig abzustempeln, weil die autarken 6DoF-Headsets bald erscheinen, lasse ich nicht gelten.

Oculus stellte für das autarke VR-Headset Santa Cruz neue Controller vor.

Autarke Inside-Out-Headsets sprechen durch ihre Ausrichtung und ihren höhere Preis eine andere Zielgruppe an.

Oculus Go bietet mit seinem 3DoF-Controller und der Ausrichtung auf Filme, Social VR und einfache Spiele eine grundlegend andere Erfahrung als die 6DoF-Headset vom Schlage des Santa Cruz-Prototyp. Der Laserpointer-Controller bedient sich wesentlich intuitiver als die Motion Controller mit Handpräsenz. Wer mit einer TV-Fernbedienung umgehen kann, versteht problemlos, wie 3DoF-Controller funktionieren.

Carmack: „Der Markt entscheidet“

Ein weitere, wenn auch nicht ganz entscheidende Sache ist die Hardware. Wenn die Oculus Go 2018 auf den Markt kommt, könnte die verwendete Hardware schon veraltet sein. Durch die bessere Anpassung der Software an die Hardware kann Oculus hier ein wenig Zeit gewinnen, aber grundsätzlich ist die Oculus Go kein Gerät für die Ewigkeit. Dann habe ich neben meinem Smartphone ein weiteres Gerät, dass ich regelmäßig erneuern muss, um Schritt zu halten.

In ihren Grundzügen ist die Oculus Go nicht mehr als eine Gear VR mit eingebautem Smartphone.

Fest steht, dass die Oculus Go ein nachvollziehbarer Vorstoß von Oculus und Facebook darstellt, um eine Milliarde Menschen mit VR zu verbinden. Allerdings muss Facebook dazu die Marketingzügel straff in der Hand halten, um die breite Masse als neue, noch nicht existierende Zielgruppe zu erreichen.

Nutzer, die bereits in virtuellen Welten unterwegs sind, finden indes keine großen Vorteile bei der Oculus Go. Im Endeffekt – hier spricht wieder John Carmack – entscheidet der Markt, ob die Oculus Go das richtige Produkt für die allgegenwärtige Verbreitung von VR oder doch nur ein Ladenhüter ist.

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