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OASIS vs. Westworld: VR-Parallelwelten im Vergleich

Die OASIS und Westworld - zwei grundverschiedene virtuelle Realitäten.

Die OASIS in Ready Player One ist eine faszinierende Traumwelt. Doch muss eine überzeugende virtuelle Realität ausschließlich digital sein? Die HBO-Serie Westworld zeichnet einen interessanten Gegenentwurf. Wir vergleichen beide Parallelwelten und fragen uns: Welche Art VR ist eigentlich überzeugender? Und welcher sind wir technologisch näher?

In diesem Artikel erfahrt ihr:

  • Wie unterschiedlich Ready Player One und Westworld VR interpretieren
  • Wodurch beide Parallelwelten die perfekte Illusion schaffen wollen
  • Inwiefern beide Zukunftsvisionen bereits heute umsetzbar sind

Virtuelle Realitäten gibt es nicht nur unter dem VR-Headset, sondern in verschiedensten Versionen auch auf der großen und kleinen Leinwand. Die beiden aktuell bekanntesten sind die OASIS aus Ready Player One und der Serie Westworld. Beide haben mindestens ebenso viele Gemeinsamkeiten wie Unterschiede. Was macht diese Fantasiewelten jeweils so besonders?

OASIS & Westworld: VR ist nicht gleich VR

Zunächst zu dem, was beide virtuelle Realitäten gemein haben: Sowohl bei der OASIS als auch bei Westworld handelt es sich um Simulationen, die den Nutzern Freiheiten bieten, die sie in der realen Welt in dieser Form nicht haben.

Zwei virtuelle Realitäten, zwei verschiedene Herangehensweisen.

Zwei virtuelle Realitäten, zwei verschiedene Herangehensweisen.

In beiden Welten können Besucher nach Lust und Laune Aufgaben bewältigen – das war es dann aber auch schon mit den Gemeinsamkeiten, denn beim Sinn und Zweck dieser Aufgaben unterscheiden sich beide Parallelwelten deutlich. Dazu später mehr.

Der offensichtlichste Unterschied ist aber, wie die virtuellen Realitäten jeweils umgesetzt werden. Während die die OASIS dem heutigen Virtual Reality-Begriff sehr nahe kommt, geht Westworld einen ganz anderen Weg. In puncto Immersion muss das gar nicht unbedingt schlecht sein.

Die OASIS: unendliche Freiheit – oder?

Zunächst zur OASIS: In diese MMO-artige VR-Welt tauchen Nutzer auf eine Art und Weise ein, die Besitzern einer aktuellen High End-VR-Brille wie Oculus Rift, HTC Vive oder PlayStation VR längst vertraut ist. Ein Headset und Bewegungscontroller bzw. haptische Steuerungsgeräte reichen aus.

Die Bezeichnung „MMO“ wird der virtuellen Realität von Ready Player One aber nicht wirklich gerecht. Die OASIS ist in der dystopischen Zukunftsvision längst mehr als nur ein Spiel, es ist vielmehr der Ort, an dem ein Großteil der Menschheit mangels Alternativen ihr Leben verbringt. Ein „Game Over“ wiegt hier deutlich schwerer als in einem beliebigen aktuellen Videospiel.

Das „Spielen“ wird hier schon fast zum Selbstzweck, und trotz der theoretisch unbegrenzten Möglichkeiten kann längst nicht jeder tun und lassen, was er will. Ohne ein genügend hohes Charakterlevel und eine dick gefüllte virtuelle Brieftasche geht in der OASIS ähnlich wenig wie im echten Leben. Zu questen oder sogar richtig zu arbeiten ist in der OASIS ähnlich wichtig, wie in der heutigen Realität einer geregelten Beschäftigung nachzugehen oder sich weiterzubilden.

Wie überzeugend sind computergenerierte Welten?

Deutlich weniger lebensecht kommt die OASIS optisch daher. Gehen wir davon aus, dass Spielbergs Film die OASIS visuell so umsetzt, wie Cline sie sich vorgestellt hat, wird klar: Wirklich täuschend echt sieht VR auch im Jahre 2044 nicht aus, von Fotorealismus kann keine Rede sein.

Dass die OASIS eine Computersimulation ist, ist nicht zu übersehen. © Warner Bros. / Entertainment Weekly

Dass die OASIS eine Computersimulation ist, ist nicht zu übersehen. © Warner Bros. / Entertainment Weekly

Der stilisierte Look irgendwo zwischen Anime und Star Wars: Clone Wars ist nicht unbedingt jedermanns Sache. Ob sich unter den Milliarden OASIS-Nutzern ausschließlich Fans dieses visuellen Stils wiederfinden, darf bezweifelt werden. Und ganz davon ab – obwohl VR auch ohne hyperrealistische Grafik sehr immersiv sein kann: Im Prinzip ist immer klar, das es sich um eine Computersimulation handelt.

Westworld: Mehr Realismus, geringere Zugänglichkeit

Westworld macht nicht nur in dieser Hinsicht vieles anders. Die virtuelle Realität besteht nämlich hier nicht (nur) aus Bits und Bytes, sondern zu einem großen Teil aus handfesten Komponenten. Es handelt sich nämlich um einen gigantischen Vergnügungspark im Wild West-Stil, der von Androiden bevölkert wird.

Dieses Konzept hat aus der Nutzerperspektive sowohl Vor- als auch Nachteile. Anders als im Fall der OASIS müssen Nutzer physisch anreisen, um Westworld nutzen zu können. Folglich ist Westworld im Vergleich deutlich weniger leicht zugänglich als eine VR-Erfahrung, die von zuhause aus erlebt werden kann.

Hinzu kommt, dass die Westworld-Nutzung höchstwahrscheinlich für Ottonormalverbraucher weit jenseits erschwinglicher Sphären angesiedelt ist. Eine Armada täuschend menschenähnlicher Androiden nebst gigantischem Veranstaltungsareal zu unterhalten, dürfte für die Eigner finanziell aufwendiger sein, als ein – wenn auch weltumspannendes – MMO zu betreiben.

Narrenfreiheit im Wildwest-Korsett

Wer sich diesen teuren Spaß aber leisten kann, darf in eine virtuelle Realität der Extraklasse eintauchen, die James Hallidays OASIS in fast allen Belangen einiges voraus hat. Das vordefinierte Western-Setting ist zwar eine deutliche Einschränkung – schließlich bietet die OASIS unzählige Welten, und Nutzer können dort sogar selbst virtuelle Orte kreieren.

Mensch oder Maschine? In Westworld verschwimmen die Grenzen zwischen VR und Realität.

Mensch oder Maschine? In Westworld verschwimmen die Grenzen zwischen VR und Realität.

In Sachen Realitätsnähe hat Westworld allerdings klar die Nase vorn. Externe Tracking-Hardware? Haptische Anzüge? VR-Treadmills? Alles überflüssig. Das überragende Präsenzgefühl von Westworld ist eigentlich gar keins – schließlich sind die Besucher tatsächlich da, und zwar mit ausnahmslos allen Sinnen.

Das macht Westworld zu einer fast schon beängstigend überzeugenden virtuellen Realität, in der sich Besucher im Rahmen des vorgegebenen Settings austoben können. So gibt es zum Beispiel Quests, die sich wie ein Adventure spielen – anders als in der OASIS geht es hier nicht darum, sein Charakterlevel zu erhöhen, nach Beute zu jagen oder Geld zu verdienen, sondern ausschließlich um Unterhaltung.

Dass Westworld kein echter Ort ist, verrät eigentlich nur der Blick unter die "Motorhaube".

Dass Westworld kein echter Ort ist, verrät eigentlich nur der Blick unter die „Motorhaube“.

Letztere kann in Westworld alle erdenklichen Formen annehmen, denn Besucher dürfen mit den KI-Androiden im Park tun und lassen was sie wollen – und zwar unabhängig davon, wie moralisch verwerflich ihre Fantasien sein mögen. Eine ziemlich gruselige Vorstellung, vor allem vor dem Hintergrund der Story von Westworld, über die wir hier aber nichts weiter verraten wollen.

OASIS oder Westworld – welche Zukunftsvision ist realistischer?

So echt sich Westworld für Besucher anfühlen mag – betrachten wir die heutzutage real verfügbare Technologie, ist „realistisch“ definitiv das falsche Attribut für den immersiven VR-Western. Ja, es gibt im VR-Bereich schon erstaunliche Anwendungsmöglichkeiten für künstliche Intelligenz. Aber Androiden, die aussehen und sich verhalten wie echte Menschen? Davon sind wir (zum Glück?) noch ein gutes Stück entfernt.

Eine derart komplexe Simulation wie Westworld überzeugend zu programmieren, ist heutzutage wohl auch noch nicht möglich. Selbst, wenn alle Versatzstücke da wären – der finanzielle Aufwand wäre astronomisch, ein solcher Vergnügungspark dürfte sich trotz zahlungskräftiger Klientel kaum rechnen.

Was bringt die Zukunft? VR-User in den Straßen oder lebensechte Androiden?

Was bringt die Zukunft? VR-User in den Straßen oder lebensechte Androiden?

Ganz anders sieht es in Bezug auf die OASIS aus. Nicht nur die verwendete Technik ähnelt dem, was es heute schon gibt. Besonders hinsichtlich der hard- und softwareseitigen Bedienung sind wir bereits heute gar nicht so weit von dem entfernt, was in der OASIS möglich ist. Und: So etwas wie eine „kleine OASIS“ gibt es mit dem kostenlosen VRChat bereits – allerdings mit deutlich weniger Handlungsoptionen als in Ernest Clines Parallelwelt.

In Sachen Umsetzbarkeit schlägt die OASIS Westworld deutlich. Aber sind solch ausgeklügelte virtuelle Parallelwelten überhaupt erstrebenswert? Das ist ein ebenso spannendes Thema, mit dem wir uns in Kürze im Rahmen unserer Ready Player One-Themenwochen beschäftigen werden.

Was haltet ihr von den virtuellen Realitäten in Ready Player One bzw. Westworld? In welche würdet ihr lieber abtauchen und wie lange glaubt ihr, müssen wir noch auf vergleichbare Erfahrungen warten? Diskutiert in den Kommentaren mit uns!

4 Kommentare

  1. Interessanter Beitrag und vor allem ein Hammer Vergleich.

    Ich bin ein großer Westworld Fan und kann diese Serie jedem empfehlen.
    OASIS kannte ich noch gar nicht. Aber dieser Beitrag hat mich neugierig gemacht. Werde mir wohl dieses Game genauer anschauen.

    Antworten
  2. Oliver Schmiedchen

    Hi Wolfgang,
    jWestworld ist für mich auch eine der aktuell besten SciFi-Serien, ich freue mich schon mächtig auf die zweite Staffel! Und ja, VRChat ist schon ganz cool, gibt viel Quatsch aber auch viel richtig gut gemachte Welten dort 🙂

    Antworten
  3. Westworld? Als Kind hatte ich mal einen Film mit Yul Brunner gesehen, der so ein Szenario hatte. Man konnte aber auch in andere Welten reisen, Mittelalter zum Beispiel. Da sind die Androiden aber irgendwie durchgedreht und sind Amok gelaufen. Obwohl ich mich nicht mehr an Details erinnere, muss mich dieser Film irgendwie beeindruckt haben.
    Und davon gibt es jetzt eine Serie? Könnt Ihr mir bitte sagen, ob die irgendwo läuft oder nur auf DVD gibt?

    Gruß, Thomas

    Antworten
    • Oliver Schmiedchen

      Hi Thomas,
      genau, die Serie ist quasi eine „Neuauflage“ des 1973er Films im Serienformat (mit einigen Änderungen natürlich). Im FreeTV läuft Westworld aktuell nicht, dafür aber auf diversen Streamingportalen. Die erste Staffel gibt es auch schon auf DVD und auf Blu-ray. Die zweite Staffel erscheint auch bald (US-Start 22. April).
      Gruß,
      Oli

      Antworten

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