Virtual Reality: PSVR auf Kurs und Oculus Rift vor HTC Vive?

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Marktforscher sehen die PSVR vor der Rift, die Vive soll zurückgefallen sein.

Regelmäßig veröffentlichen Marktforscher ihre Analysen über die Verkäufe der VR-Brillen. Die neuen Zahlen zeigen vor allem eines: Diese Analysen sind maximal Anhaltspunkte.  

Bis auf die Verkaufszahlen der PlayStation VR gibt es keine verlässlichen Angaben über die Verkäufe der einzelnen VR-Brillen. Gleichwohl gibt es für solche – und natürlich auch viele andere Bereiche der Technikwelt – Marktforscher und Analysten, die Händlerdaten, Voraussagen, Umfragen, News und Reports auswerten und anhand dessen eine (Vor-) Aussage über die Verkaufszahlen der Geräte treffen.

IDC: PSVR und Gear VR stark, Oculus überholt HTC

Die aktuelle Analyse kommt von der Marktforschungsfirma IDC Research. Die bringt monatlich, vierteljährlich und halbjährlich Analysen über die Auslieferung von Geräten (beispielsweise an Händler und Entwickler) heraus. Im zweiten Quartal 2017 soll demnach – wenig überraschend – Samsungs Gear VR mit 568.000 ausgelieferten Einheiten an der Spitze stehen. Das macht einen Marktanteil von knapp 27 Prozent aus.

Dicht gefolgt wird Samsung von Sonys PlayStation VR mit 519.000 Einheiten, vor der Überraschung Oculus Rift, die mit 246.000 VR-Brillen den direkten Konkurrenten HTC Vive auf Platz 5 verweist (94.000 Geräte). Der vierte Platz wird von Alcatel / TCLs VR-Brille belegt, einer mobilen Brille die ähnlich wie Gear VR auf ein Smartphone angewiesen ist. Die Gesamtauslieferung von VR-Brillen in Q2 2017 wird mit 2,1 Millionen beziffert.

Titel wie Farpoint halten die PlayStation VR auf der Erfolgsspur.

Der Preis macht die Musik

Der Zuwachs bei der Rift, die Anfang des Jahres noch hinter der Vive rangiert haben soll, wird mit dem ersten Preisnachlass um rund 200 Euro erklärt (der zweite Preissturz während der „Summer of Rift“-Aktion fand im dritten Quartal statt und fließt nicht in die Zahlen ein). HTC soll hingegen vor allem im Business-to-Business-Bereich zugelegt haben, die Vive ist derzeit eine der wenigen Brillen, die in diesem Bereich stark vertreten ist. Die Verbilligung der HTC Vive auf 699 Euro fand erst im August statt und findet hier keine Beachtung.

Vorsicht bei Analysen: Ungenaue Zahlen bloß Anhaltspunkte

Interessante zahlen, oder? Leider sind diese Werte mit ziemlicher Vorsicht zu genießen und sie variieren auch je nach Analyse-Unternehmen. Darüber hinaus lassen sie sich nur schwer mit offiziellen Zahlen in Einklang bringen. So stellte Sony im Juni offiziell fest, dass die Verkäufe der PlayStation VR seit Verkaufsstart im Oktober 2016 nunmehr die Eine-Million-Marke überschritten hätten. Im Februar hatte Sony die Verkäufe noch mit 915.000 Stück beziffert.

Nehmen wir die Zahlen von IDC für das erste und zweite Quartal 2017, dann bekommen wir satte 948.000 ausgelieferte PSVR in sechs Monaten. Es ist kaum anzunehmen, dass diese Zahl sich am Ende bloß auf den Lagerbestand bei Händlern herunterbrechen lässt, zumal Sony in punkto VR eher für eine defensive Strategie bekannt ist.

Aber auch die Zahlen der Marktforscher unterscheiden sich teilweise deutlich. Vergleichen wir die Daten für das erste Quartal 2017. Beachtet bitte, dass IDC von ausgelieferten Geräten spricht, Superdata von verkauften Brillen.

 IDS ResearchSuperdataDifferenz
Gear VR489.000782.000293.000
PSVR429.000375.00054.000
Oculus Rift99.00064.00035.000
HTC Vive190.00095.00095.000

Natürlich ist eine Analyse eine recht vage Sache und es verlangt auch niemand, dass aufs Gerät genaue Zahlen vorliegen. Darüber hinaus ist nicht klar, wieviele der Geräte beim Kunden gelandet sind und nicht etwa in einem Händlerlager herumliegen. Hat Samsung etwa 300.000 Einheiten mehr verkauft, als geliefert wurden (vielleicht aus einem riesigen Händlervorrat)?   Hat HTC viel mehr VR-Brillen ausgeliefert, als verkauft wurden und ist damit vielleicht die aktuelle Unsicherheit des Konzerns zu erklären?

Wir möchten damit aber klar machen, dass diese Daten maximal als Anhaltspunkte verstanden werden können.

Übersicht Verkäufe von VR/AR-Geräten in den letzten zwei Jahren. Quelle: IDC Research.

Übersicht Verkäufe von VR/AR-Geräten in den letzten Quartalen. Quelle: IDC Research.

Gesundheit der VR-Branche zweifelhaft

Wie es der VR-Branche genau geht, können wir weiterhin nur spekulieren. Die starken Preissenkungen für die Oculus Rift haben ganz sicher viele neue VR-Nutzer gebracht, die Nutzung der Rift ist auch in den Steam-Daten deutlich angestiegen. Wird Oculus‘ Plan, durch proprietäre Produktpolitik und Exklusivtitel eine Art Monopolstellung für VR-Inhalte zu etablieren, aufgehen? Wie wird der Rechtsstreit mit ZeniMax ausgehen?

Wird HTC die Vive-Sparte wirklich verkaufen – und wenn ja, an wen? Und wo werden sich die Windows Mixed Reality-Headsets am Markt platzieren? Wird der Windows Store eine weitere proprietäre Plattform werden, auf der nur Windows MR-Brillen genutzt werden können?

Das Halo-Franchise wird von Microsoft für VR umgesetzt.

Das Halo-Franchise wird von Microsoft für VR umgesetzt. Wird es exklusiv für Windows MR-Brillen veröffentlicht?

Und natürlich bleibt die Frage nach den Inhalten. Werden genug hochwertige Spiele, Anwendungen und vielleicht auch Filme erscheinen, damit die VR-Community wachsen kann? Oder wird die Fragmentierung des Marktes durch Oculus (und eventuell auch Microsoft) eher dafür sorgen, dass sich die Kunden wegen des drohenden Zwangs zu mehreren teuren VR-Headsets wieder ganz von der noch jungen Technologie abwenden?

Auf diese Fragen geben die Analysen keine Antwort. Wir können nur hoffen, dass sich die VR-Branche insgesamt auf einen gemeinsamen Standard einigen wird und VR nicht in Grabenkämpfen der Hersteller versickert.

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