Lenovo Star Wars: Jedi Challenges

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Lenovo Star Wars: Jedi Challenges im Test - Die AR-Macht ist noch schwach

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Lenovo versucht mit Star Wars: Jedi Challenges auf zwei Wellen zu reiten: Die eine ist der dauerhaft große Star Wars-Hype. Die andere ist eine vermutete Augmented Reality-Welle. Allerdings setzt Lenovo damit aufs falsche Pferd, wie unser Test zeigt.

Star Wars geht immer: Es gibt wohl fast nichts, was es nicht auch mit irgendwelchen Star Wars-Motiven gibt. Bettwäsche, Unterhosen, Tassen, Schlüsselanhänger und natürlich jede Menge Videospiele und Filme. Wohl kaum jemand dürfte bislang vom Star Wars-Hype unbehelligt geblieben sein – und sei es nur durch einen Trailer zu einem Kinofilm.

Mit einem Lichtschwert lässt sich einfach alles verkaufen, oder? Dachte sich wohl auch Lenovo und verknüpfte die Geschichte um die Macht mit der Augmented Reality-Technik. Im Test wird uns klar, warum schon länger in der Entwicklung befindliche AR-Headsets wie das HoloLens von Microsoft noch nicht bei Privatanwendern angekommen sind.

Hardware & Komfort

Das Star Wars: Jedi Challenges-Set besteht aus drei Teilen:

Das AR-Headset ist ohne Smartphone 477 Gramm schwer, 209 x 83 x155 Millimeter groß und verfügt über drei Bedienbuttons (Menü, Auswahl, Abbrechen). Zwei Kameras an der Frontseite verfolgen die Bewegungen, die wir mit dem Lichtschwert machen. Das elastische Kopfband wird seitlich über Klettverschlüsse eingestellt. Der Sitz des Headsets ist gut und sicher. Allerdings wird das Headset mit einem großen Smartphone ziemlich schwer. Mit dem von uns im Test verwendeten iPhone 7 Plus kamen wir auf ein Gesamtgewicht von satten 665 Gramm.

Das AR-Headset für die Jedi Challenges von Lenovo.

Das AR-Headset für die Jedi Challenges von Lenovo.

Das Lichtschwert ist genau wie die ikonischen Star Wars-Waffen in den Filmen gebaut, 31,5 Zentimeter lang und 4,7 Zentimeter breit. An der Spitze des Griffs befindet sich eine Leuchtspitze, die den Trackingpunkt für die Kameras liefert. Der Schwertgriff besitzt eine Bedientaste, einen Rekalibrierungs-Button und einen Schalter für die Leuchtspitze. Das Schwert wird per Mikro-USB-Anschluss aufgeladen.

Der physische Lichtschwertgriff: Mehr Immersion durch eine "echte" Jedi-Waffe?

Der physische Lichtschwertgriff: Mehr Immersion durch eine „echte“ Jedi-Waffe?

Das dritte Teil des Sets ist ein kleiner Peilsender von 94 x 77 Millimeter Größe. Über einen Schalter lassen wir die Peilsender-Leuchtkugel leuchten. Der Peilsender ist für die Positionserkennung des Headsets zuständig.

Der Peilsender wird für die Positionserkennung durch das Headset benötigt.

Der Peilsender wird für die Positionserkennung durch das Headset benötigt.

Kompatible Smartphones

Damit wir das Set überhaupt nutzen können, brauchen wir eines der folgenden kompatiblen Smartphones:

iPhoneSamsungandere
iPhone XGalaxy S8Google Pixel XL
iPhone 8 PlusS7 edgeGoogle Pixel
iPhone 8S7Moto Z² Force Edition
iPhone 7 PlusLG G6
iPhone 7
iPhone 6s Plus
iPhone 6s
iPhone 6 Plus
iPhone 6

Zwischenfazit zu Headset und Lichtschwert

Headset und Lichtschwert sind gut verarbeitet und stabil. Brillenträger haben kein Problem, das Headset aufzusetzen. Das Kopfband sorgt für einen sicheren Sitz. Allerdings ist das Headset ziemlich groß und wiegt ohne Smartphone bereits genauso viel, wie eine HTC Vive oder Oculus Rift. Schon nach wenigen Minuten drückt es unangenehm auf Nase und Wangenknochen und ist damit unkomfortabler zu tragen als eines der großen VR-Headsets. Leichtere Smartphones zu nutzen, kann helfen, aber auch deren Gewicht wird frontlastig zum Headset addiert.

Das Lichtschwert liegt gut in der Hand und das Vibrationsfeedback funktioniert sehr gut. Der Rekalibrierungs-Button am Lichtschwert ist aber zu weit weg und sorgt im Spielgebrauch für nerviges Gefummel.

Installation & Spielbereich

Die Star Wars: Jedi Challenges-App führt uns Schritt für Schritt durch die Installation. Der Peilsender soll sich in 1,5 Metern Entfernung von uns befinden, der empfohlene Spielbereich liegt laut Lenovo bei 1,5 x 3 Metern. Wir schalten den Peilsender ein und stellen ihn auf den Boden. Das Headset wird flach liegend über eine Plastikschublade mit unserem Smartphone bestückt. Die Schublade selbst ist etwas fummlig zu bedienen, ansonsten ist die Hardware-Einrichtung kein Problem.

Sobald wir das Headset aufgesetzt haben, sehen wir die Projektion unserer Jedi-Lehrmeisterin vor uns im Raum. Das Bild des Smartphones wird über Spiegellinsen und eine Plexiglas-Konstruktion so umgeleitet, dass wir die Hologramm-Grafiken in unserem Zimmer sehen. Unsere Holo-Lehrmeisterin zeigt uns als nächstes, wie wir das Lichtschwert aktivieren und benutzen. Danach geht es bereits an das erste kleinere Spiel.

Zwischenfazit zu Installation & Spielbereich

Die Installation ist in höchstens zehn Minuten erledigt, wenn man sich viel Zeit lässt. Die Installationsanleitung per App ist vorbildlich und absolut narrensicher. Allerdings muss die Installation durch die Smartphone-basierte Anwendung jedes Mal durchgeführt werden, wenn wir ein bisschen mit dem Lichtschwert fuchteln wollen. Komfortabler oder einfacher als ein gängiges VR-Headset aufzusetzen, ist die Installation nicht.

Der Spielbereich ist eines der größten Mankos von Star Wars: Jedi Challenges. Wer nicht gerade eine Fabrikhalle sein Eigen nennt (wir haben auf 2,5 x 3 Metern getestet), bei dem kommen die Hologramme aus Tischen, Betten, Schränken oder sogar von außerhalb der Bude durchs Fenster. Das stört die Immersion erheblich. Wenn irgendwelche Androiden durch die Vorhänge kommen oder in der Couch stecken, dann hat das maximal den Charme einer Tech-Demo.

Optik & Bildstabilität

Die grundsätzliche grafische Darstellung ist über jeden Zweifel erhaben: Scharfe, leicht bläuliche Hologramme mit tollen Animationen sorgen für glaubhafte Figuren. Wenn wir etwa Darth Maul entgegentreten, dann sieht das auch so aus: Der Sith ist schnell, seine Bewegungen flüssig und glaubwürdig – wir fühlen uns durchaus ein bisschen bedroht!

Die Hologramme sehen super aus und ihre Animationen sind absolut überzeugend.

Die Hologramme sehen super aus und ihre Animationen sind absolut überzeugend.

Das Problem ist hier das Sichtfeld. Wenn die Hologramme nicht gerade mindestens zwei Meter von uns entfernt sind, passen sie nicht in das 33 Grad vertikale und 60 Grad horizontale Sichtfeld. Richtig übel wird das, wenn eine wildgewordene Sith-Assassine mit uns im Nahkampf auf Tuchfühlung geht: Wir sehen nur noch einen viel zu kleinen Ausschnitt und selbst die Indikatoren für unsere Abwehrbewegungen sind oft nur noch teilweise sichtbar.

Dazu kommt eine suboptimale Bildstabilität, die mit unseren Kopfbewegungen korrespondiert. Sobald wir unsere Position verändern, zittern und wackeln die Hologramme. Das wird beispielsweise von Googles ARCore -Anwendungen besser gemacht.

Zwischenfazit zu Holgramm-Grafik & Sichtfeld

Während die Hologramme und ihre Darstellung wirklich toll sind, stört das Mini-Sichtfeld den Spaß am Lichtschwertkampf mit schöner Regelmäßigkeit. Solange Gegner weit entfernt sind und nur auf uns schießen, ist alles okay – aber selbst da finden sich oft ein paar der feindlichen Schergen außerhalb des horizontalen Blickfelds. Wenn wir getroffen werden, ohne dass wir ein Projektil auf uns zufliegen gesehen haben, fangen wir hektisch an, rechts und links alles abzusuchen.

Im Nahkampf sehen nur oft nur noch einen Teil des bösen Sith, der gerade mit seinem Doppellichtschwert auf uns eindrischt. Seine coolen Moves und Animationen nehmen wir dann nur noch teilweise wahr. So geht viel von der Magie der AR-Technik verloren.

Spiel-Modi

Drei Spielmodi gibt es: Strategischer Kampf lässt uns Star Wars-Figuren wie in einem Strategiespiel positionieren, die dann von selbst kämpfen. Wir führen dabei Rebellentruppen gegen das Imperium. Spielerisch eher simpel, ist der Zuschau-Faktor besonders hoch, wenn sich die kleinen Hologramme eine Schlacht liefern, Blasterprojektile durch die Gegend fliegen und Lichtschwertkämpfer selbige abwehren.

Mit Holoschach (bekannt aus den Star Wars-Filmen A New Hope oder The Force Awakens) bekommen wir ein rundes Spielfeld, auf dem wir verschiedene Figuren mit verschiedenen Fähigkeiten und Bewegungspunkten gegen unseren Gegenspieler ziehen. Die Bedienung mittels Headset-Zielcursor und Bedienbutton des Lichtschwerts funktioniert hier noch am besten.

Die dritte Variante ist das Kämpfen mit dem Lichtschwert. Wir dürfen uns auf mehreren Planeten bis zum jeweiligen Sith-Boss durchprügeln. Auf dem Weg zum Boss machen wir Wellen von Gegnern kalt, die oft mit Fernkampfwaffen auf uns ballern. Mit dem Lichtschwert wehren wir die Schüsse ab uns schicken sie zum Absender zurück. Kommen Gegner in Reichweite, hacken wir sie im Stücke.

Höhepunkt dieses Spielmodus ist der Kampf gegen einen Sith-Lord oder ähnlich starke und ikonische Star Wars-Charaktere (unter anderem auch Darth Vader). Sie haben verschiedene Angriffsmechaniken, denen wir mit unserem Lichtschwert begegnen müssen. Dazu erscheinen gelbe Markierungen, die anzeigen, wie wir das Schwert halten müssen, damit der nächste Angriff abgewehrt wird.

Auf jedem Planeten finden wir mehrere Herausforderungen für unsere Lichtschwertkünste.

Auf jedem Planeten finden wir mehrere Herausforderungen für unsere Lichtschwertkünste.

Hier blitzt die Stärke des Systems mit dem physischen Lichtschwert(griff) auf: Wenn uns die Sith-Lady mit dem Doppelschwert nacheinander ein Dutzend Angriffe reindrückt und wir unser Schwert im Uhrzeigersinn mit den Angriffen mitdrehen, dann kommt dieses gewisse Star Wars-Kampffeeling auf. Das ist befriedigend, vor allem wenn wir mit einem Konter im richtigen Moment den (ebenfalls durch einen grafischen Marker) angezeigten Gegenschlag setzen. Der satte Sound (mit Abstrichen, schließlich hören wir über die Smartphone-Lautsprecher) und die gute Vertonung untermalen das Kampfgeschehen passend.

Zwischenfazit zu den AR-Spielen

Wir können uns mehrere Stunden mit den Inhalten des Spiels auseinandersetzen. Es gibt viele verschiedene Kämpfe und vor kurzem gab es sogar ein Update, dass neue Level, neue Charaktere und die Möglichkeit, sich mit zwei Gegnern gleichzeitig zu kloppen, einführte. Die Kämpfe sind  grundsätzlich super gedacht, die beiden anderen Spielmodi eine willkommene Abwechslung.

Aber die Lichtschwertkämpfe leiden unter dem kleinen Sichtfeld und dem Tracking. Wir sind die gesamte Testzeit das deutliche Gefühl nicht losgeworden, dass dieses Spiel in VR sehr viel besser aufgehoben gewesen wäre.

Tracking

Kurz: Das Tracking ist abgesehen vom Headset nicht überzeugend. Mit Kopfdrehung und -neigung können wir uns zuverlässig umsehen, aber das wichtigste Teil des gesamten Sets, das Lichtschwert, ist häufig ein Totalausfall.

Was nützt uns der tolle physische Griff, wenn die holografische Klinge ausschließlich mehrere Zentimeter hinter dem Lichtschwert-Trackpoint auftaucht? Dazu kommt, dass die Lichtklinge kaum mit unseren Bewegungen mithalten konnte. Das Nachziehen des Lichtschwerts fühlt sich an, als würden wir mit einer Gummilatte schlagen. Und mit jedem Hieb verzieht sich die virtuelle Lichtklinge ein Stück mehr, bis wir rekalibrieren müssen, weil das Ding sich langsam aber sicher auf einen 90°-Winkel zum Griff zubewegt.

Ein Update hat kürzlich weitere Inhalte hinzugefügt. Unter anderem dürfen wir jetzt gegen zwei Gegner gleichzeitig kämpfen.

Ein Update hat kürzlich weitere Inhalte hinzugefügt. Unter anderem dürfen wir jetzt gegen zwei Gegner gleichzeitig kämpfen.

Das üble Tracking führt auch dazu, dass wir bei Feindbeschuss nicht mehr gezielt Blasterschüsse zurückwerfen, sondern das Lichtschwert wie einen Staubwedel auf Crack einsetzten. Das zeitigte die besten Ergebnisse, machte aber ungefähr so viel Spaß wie… Staubwedeln ohne Drogen.

Zwischenfazit zum suboptimalen Tracking

In VR mit dem Tracking des Lighthouse-Systems könnte Star Wars: Jedi Challenges eine echte Wucht sein. Das Problem: Es ist nicht in VR und es hat ein ziemlich schlechtesTracking.  Die Lösungsansätze, die Lenovo für schlechtes Tracking mitgeliefert hat, halfen in unserem Test nicht.

Gesamtfazit: Inhalt gut, Technik unausgereift

Lenovos Star Wars: Jedi Challenges ist gut gedacht, scheitert aber an drei Dingen. Erstens: Die Hardware ist offenbar noch nicht in der Lage, so ein Spiel wirklich befriedigend umzusetzen. Zweitens: Das Tracking muss bei solch einem speziellen Spiel stimmen. Das tut es aber nicht. Drittens: Es ist für das, was es bietet, zu teuer und zu spezialisiert.

Natürlich kann es sein, dass zukünftig noch andere Anwendungen für das satte 300 Euro teure Set geben wird. Aber derzeit gibt’s ausschließlich Star Wars und die technischen Probleme sind wahrscheinlich nur von wirklichen Star Wars-Enthusiasten langfristig zu verschmerzen. Warum sollen wir den Installationsprozess mehrfach vornehmen, wenn unser Lichtschwert nicht hinterherkommt? Warum sollen wir uns die wirklich hervorragenden Hologramme mehrfach anschauen, wenn wir für ein immersives Erlebnis eine Turnhalle mieten müssen? Androiden, die uns aus meinem Schreibtisch heraus beschießen sind nicht sehr überzeugend, selbst wenn sie grafisch super aussehen und perfekt animiert sind.

Das ist gut

  • Tolle Hologramme
  • Hervorragende Animationen
  • In den besten Momenten Star Wars-Kampffeeling
  • Gute Verarbeitung
  • Guter Sound & Vertonung

Das geht besser

  • Zu kleines Sichtfeld
  • Spielfeld muss ziemlich groß sein
  • Tracking oft schlecht

Fazit

Star Wars: Jedi Challenges von Lenovo hat mich noch nicht überzeugt. Das Set ist auf Dauer unbequem, das Sichtfeld zu klein und das Tracking des Lichtschwerts ist zu oft zu schlecht. Die Immersion geht zwischen "Rattan-Sitzecke und Biedermeier-Kommode" völlig flöten. Vielleicht hätte sich Lenovo mehr um seine VR-Brille Explorer kümmern und die Jedi Challenges dafür umsetzen sollen. Denn in der Virtuellen Realität könnten die Lichtschwertkämpfe eine großartige Erfahrung sein. Das teure AR-Set kann ich nur beinharten Star Wars-Fans empfehlen, denen die technischen Unzulänglichkeiten der noch sehr frühen AR-Technologie keine Kopfschmerzen bereiten.
7

VR-World Rating

Verarbeitung: 9
Installation: 8
Bedienung: 8
Controller: 8
Tracking: 3
Komfort: 5
Inhalte: 8
Preis: 4
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