Intels Project Alloy verspricht die ultimative VR-Erfahrung zu werden

So sieht der erste Prototyp von Project Alloy aus

Project Alloy klingt fast zu gut, um wahr zu sein. Das VR-Headset von Intel kommt ohne externe Sensoren aus, bringt die nötige Rechenleistung gleich selbst mit und erfasst sogar den realen Raum in Echtzeit. Bis zur Marktreife ist es aber noch eine Weile hin. 

Keine externe Sensoren, keine Kabel, nicht einmal ein zusätzlicher Rechner ist erforderlich: Project Alloy verspricht nichts Geringeres als das ultimative VR-Erlebnis zu werden. Hersteller Intel verwendet dafür den Begriff „Merged Reality“ — also eine Kombination aus Virtual Reality und Augmented Reality. Damit können wir sowohl komplett in immersiven Erfahrungen versinken, als auch unsere eigene Realität mit computergenerierten Inhalten bereichern. Doch hält diese Vision der Wirklichkeit stand?

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Die Technik hinter Project Alloy

Bereits im August vergangenen Jahres wurde das Konzept einer breiteren Öffentlichkeit vorgestellt. Testen konnten wir Project Alloy bis vor kurzem jedoch nicht. Im Rahmen der Consumer Electronics Show 2017 in Las Vegas präsentierte Intel nun den ersten Prototypen.

Während Geräte wie Oculus Rift oder HTC Vive auf eine Verbindung zum PC angewiesen sind und externe Sensoren für die Bewegungserfassung benötigen, vereint Project Alloy all dies im Headset selbst. Von Microsofts AR-Brille Hololens wiederum unterscheidet sich Project Alloy dadurch, dass das Display undurchsichtig ist. Stattdessen sorgen zwei hochentwickelte Kameras für die Erfassung der Umgebung.

Promo-Bild von Intels Project Alloy

So sieht der Prototyp von Project Alloy aus / © Intel

Technisch ist der Prototyp von Intel auf jeden Fall beeindruckend. Neben zwei OLED-Displays, den Lagesensoren, einem Akku sowie den Kameras ist auch ein kompletter PC mit Skylake-Architektur verbaut. Das Prinzip ist so einfach wie genial: Die Kameras erzeugen ein 3D-Abbild der Umgebung des Trägers und erfassen sogar jedes einzelne Objekt im Raum. Diese dreidimensionale Repräsentation kann daraufhin mit Texturen versehen werden, was unglaublich immersive VR-Erfahrungen in den eigenen vier Wänden verspricht.

Neben Intel ist auch eine Reihe weiterer Firmen an Project Alloy beteiligt. Bisher ist allerdings nur Microsoft als offizieller Partner bestätigt. Da diese Idee einer unabhängigen VR-Lösung aber so einzigartig ist, wird es wohl nicht lange dauern, bis noch mehr Partner auf den Zug aufspringen werden.

Merged Reality macht’s möglich

Kurz gesagt bedeutet Merged Reality (zu deutsch: verschmolzene Realität), dass ihr reale Dinge selbst beim Tragen eines geschlossenen Headsets erkennen könnt. Ermöglicht wird dies durch Intels patentierte RealSense-Technik, womit die Tiefenerfassung des Raumes ebenso gelingt wie die Erkennung von Gesichtern. Die Daten aus eurer Umgebung werden von den Kameras des Headsets aufgezeichnet und innerhalb weniger Millisekunden auf die OLED-Displays gerendert. Es handelt sich also um einen bizarren Mix aus Oculus Rift und Microsoft Hololens.

Beim Tragen des Project Alloy-Headsets könnt ihr weiterhin reale Objekte und sogar Menschen erkennen, sobald diese in euer Sichtfeld treten. Außerdem könnt ihr mit der Wirklichkeit auf vielfältige Weise in VR interagieren. Wenn ihr beispielsweise einen Stift zur Hand nehmt, könnt ihr trotz Abschottung von der Wirklichkeit damit schreiben. Oder aber er kommt in VR selbst zum Einsatz, beispielsweise, indem er in einem Spiel als Schlüssel dient. Die hochauflösenden Displays sollen selbst das Lesen von Uhren oder Notizen erlauben.

In einer Zeit, in der noch darüber spekuliert wird, ob VR überhaupt irgendwann einmal den Massenmarkt erobern wird, da es angeblich noch nicht genügend überzeugende Inhalte gibt (hier beweisen wir euch das Gegenteil), blickt Project Alloy bereits zuversichtlich in die Zukunft. Zahlreiche Anwendungsgebiete sind denkbar. So will das Unternehmen mit seiner Technologie nicht nur Zeit und Geld einsparen, sondern sogar Leben retten, wie Intels CEO Brian Krzanich im Rahmen einer Pressevorführung auf der CES 2017 verkündete.

Die gezeigten VR-Szenarios umfassten eine Reiseerfahrung in Vietnam, bei der man einen entlegenen Wasserfall erkunden oder Skydiving in Utah betreiben konnte. Auch ein Basketball-Spiel ließ sich aus direkter Nähe erleben. Am meisten Eindruck schinden konnten jedoch die Aufnahmen einer Drone, welche über eine sich in alle Richtungen ausbreitende Solaranlage in der Wüste von Nevada flog. All dies beweist den immensen wirtschaftlichen Nutzen, den Intel sich von Project Alloy verspricht.

Diese Hürden muss Intel noch nehmen

Dennoch steht das Projekt noch vor einigen Herausforderungen. So waren Darstellungen realer Objekte noch sehr verpixelt und auch das Rendern von Bewegungsabläufen funktionierte nicht ohne wahrnehmbare Schlieren. Manchmal schwebten Köpfe ohne Körper durch den Raum, wenn die Person zu nahe vor einem stand. Auch wirkten die Interaktionen mit digitalisierten Menschen aufgrund der leichten Latenz irgendwie unheimlich.

Am sperrigen Design muss bis zur Markteinführung ebenfalls noch gearbeitet werden. Denn mit einem derzeitigen Gewicht von etwa 750 Gramm ist das Headset sogar schwerer als die HTC Vive, die immerhin 555 Gramm auf die Waage bringt. Die Akkulaufzeit ist mit ungefähr 30 Minuten aktuell recht kurz. Allerdings versprach Intel, noch in diesem Jahr eine überarbeitete Version des Prototypen vorzustellen, der viele der genannten Mängel beseitigen soll.

Nichtsdestotrotz hat Project Alloy viel Potenzial und muss sich selbst in diesem frühen Stadium nicht vor den derzeitigen Spitzenmodellen Oculus Rift und HTC Vive verstecken. Allein schon die Erfahrung, sich kabellos im virtuellen Raum zu bewegen, ist unvergleichlich. Bezeichnenderweise arbeitet HTC derzeit selbst zusammen mit TPCast an einer Wireless-Lösung, die noch dieses Jahr erwartet wird.

Seitenansicht des Project Alloy-Prototypen

Am Design muss noch gefeilt werden / © Intel

Ein Development Kit von Project Alloy soll Entwicklern im zweiten Quartal diesen Jahres zur Verfügung stehen. Angaben zum Preis machte Intel indes noch keine. Bis auch Endverbraucher das VR-Headset aufschnallen können, wird es wohl noch etwas länger dauern. Brian Krzanich zufolge ist die Markteinführung für das vierte Quartal diesen Jahres vorgesehen.

Alles in allem könnte Intel hier genau die richtige Balance zwischen der Bewegungsfreiheit von mobile VR und der Leistungsfähigkeit von verkabelten VR-Headsets bieten. Wenn solch eine kompromisslose Lösung zu erwarten ist, dann doch wohl vom Hardware-Giganten Intel. Immerhin handelt es sich dabei um einen der größten Chiphersteller der Welt.

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