Ice Lakes

HTC Vive Oculus Rift Spiele
6

VR-World Rating

8.1

VR-User

Gähn! Schnarch! Oh, ein Fisch!

Mit Ice Lakes soll das Sportfischen in der virtuellen Realität ankommen. Was gut gemeint ist, führt im Test aber bloß zu unsäglicher Langeweile auf zugefrorenen Teichen.

Fischen ist ja bekanntlich nur was für harte Kerle und starke Frauen. Ich selbst habe als vierzehnjähriger Bub einmal gefischt – und zu meinem Schrecken auch gleich erfolgreich. Das war auf meinem bisher einzigen Trip in die USA, genauer gesagt bei damaligen Bekannten auf einem Teich in Louisiana.

Ich hielt die Angel bloß kurz ins Wasser – da hing auch schon die arme Forelle dran. Ich wusste gar nicht, was ich machen sollte und rannte mit dem zappelnden Tier so schnell ich konnte ins Haus. Den Fisch gab es dann zum Abendessen, da war mir der Appetit aber bereits vergangen.

Löcher im See

Ice Lakes hat mich zurück in mein Kindheitstrauma gebracht. Ich starte in der Draufsicht auf einen Wettkampfkreis voller Fischer, dann ertönt das Signal und alle Teilnehmer rennen auf den zugefrorenen See. Mit den Motion-Controllern suche ich mir ein Plätzchen aus, an dem ich ein Loch in das Eis bohre. Die Ansicht wechselt in die Egoperspektive und ich darf am Bohrer drehen. Hat der See ein Loch, halte ich die Angel rein.

Den Fishing-Spot wählen wir aus der Draufsicht aus. © Iceflake Studios

Den Fishing-Spot wählen wir aus der Draufsicht aus. © Iceflake Studios

Eine Anzeige informiert mich über die Tiefe des Wassers und wo mein Köder rumdümpelt. Ich bewege die Angel hin und her, um potentiellen Opfern ein schmackhaftes Häppchen vorzugaukeln. Ab und zu verändere ich auch die Höhe ein bisschen.

Vibrieren die Bewegungscontroller, zeigt ein Fisch offenbar Interesse. Jetzt schnell die Angel hochreißen und die Schnur auf Knopfdruck einrollen. Da zappelt das unglückliche Flossentier. Ab in den Eimer damit.

Kleine Fische, dicke Fische

Bei größeren Fischen muss ich darauf achten, den Fisch zu ermüden (das heißt immer mal wieder etwas Schnur zu geben) und kann ihn nicht einfach so aus dem Wasser reißen. Das war‘s aber schon: Meistens sitze ich einfach da, starre in den Nebel, der mich umgibt (nein, die schöne Umgebung aus der Draufsicht ist beim Angeln komplett weg!). Das hat mich innerhalb der Wettkampfzeit weit öfter zum Gähnen gebracht, als ich Fische gesehen habe.

Angel reinhalten, etwas herumrühren und bei Vibration fix die Schnur einholen. © Iceflake Studios

Bevor die Wettkampfzeit rum ist, muss ich wieder in die Draufsicht wechseln und meinen Fischer zum Wettkampfkreis zurückbeordern, sonst wird mein Ergebnis nicht gewertet.

Das Gewicht an gefangenem Fisch entscheidet über Platzierung und Lohn. Mit der verdienten Kohle kaufe ich bessere Angeln, größere Bohrer, neue Köder und so weiter. Die Palette der Gegenstände ist enorm und für Leute, denen solch extrem gechillte Spiele zusagen, ganz sicher eine wahre Pracht.

Wabernde Müdigkeit

Mich ködert das Spielprinzip aber überhaupt nicht, wahrscheinlich gehöre ich aber auch absolut nicht zur Zielgruppe. Das liegt nicht an der Thematik – der arme Fisch aus Kindertagen, den ich auf dem Gewissen habe, sucht meine Träume heute nicht mehr heim. Aber Ice Lakes versäumt es, das ziemlich langweilige Fischen irgendwie interessant zu gestalten.

Tolle Umgebungen wären eine Sache, die mich vielleicht länger bei der Stange… Pardon!… Angel gehalten hätten. Warum kann ich mir die Gegend nicht anschauen, warum sitze ich in einem grauweißen Nebelloch fest? Wozu gibt es so viele verschiedene Karten, wenn ich sie gar nicht ausgiebig betrachten kann?

Was in der Draufsicht ansprechend aussieht, wird beim Fischen einfach im Nebel versteckt. © Iceflake Studios

Fragen über Fragen – und wenn ihr Ice Lakes spielt, dann werdet ihr mehr als genug Zeit haben, eine vielleicht philosophische Antwort darauf zu finden, während ihr die Angelschnur hin und her bewegt, hoch und runterfahrt und gedankenverloren Löcher in den wabernden Nebel starrt.

Ich habe keine Antwort gefunden, außer der gewagten Theorie, dass dieses Spiel perfekt für Menschen ist, die an Schlafstörungen leiden. Mich jedenfalls verlangt es jetzt erstmal nach einem zünftigen Nickerchen…

Disclaimer: Das Review ist absichtlich aus meiner persönlichen Sicht verfasst, denn der Spielspaß hängt hier viel mehr als bei anderen Spielen von der eigenen Definition von Spielspaß ab. Wachechte Fischer und solche die es werden wollen, sollten sich von meiner Aversion fürs Angeln nicht davon abhalten lassen, dem Spiel an den Haken zu gehen.

Das ist gut

  • recht gute Angelsimulation
  • scharfe Grafik

Das geht besser

  • ziemlich ödes Spielprinzip
  • keine Betrachtung der Umgebung möglich
  • kein Tutorial

Fazit

Knallharte Fischerleute wissen die Ruhe und den Frieden zu schätzen, den dieses Spiel mit sich bringt. Alle anderen werden schnell von der Umsetzung gelangweilt sein.
6

VR-World Rating

Gameplay: 7
Grafik: 6
Sound: 6
Steuerung: 7
Immersion: 4
Umfang: 7

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