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HTC widerspricht Analysten: VR ist alles andere als tot

HTC hat mit der Vive und der Vive Pro gleich zwei High End-VR-Eisen im Feuer. © HTC

Immer wieder äußern sich Analysten zur Zukunft von Virtual Reality – nicht selten verheißen die Prognosen Finsteres. Mit HTC hat sich nun ein Big Player der Industrie zu Wort gemeldet und eine interessante Gegendarstellung veröffentlicht.

HTC hat mit der HTC Vive das neben der Oculus Rift erfolgreichste PC-VR-Headset im Portfolio. Mit der HTC Vive Pro machen die Taiwaner zudem vor der Konkurrenz den ersten Schritt Richtung Next Gen-VR.

Da überrascht es nicht, dass HTC nicht besonders viel von Marktanalysen hält, die Virtual Reality auf dem besten Weg ins Technik-Grab (gleich neben dem 3D-Fernseher) sehen. Um welche Analyse handelt es sich, wie sieht HTCs Antwort aus und was ist von beiden Darstellungen jeweils zu halten?

Was sagen die Marktforscher?

Stein des Anstoßes ist ein Artikel des US-Technikportals Digital Trends mit dem Titel „VR ist ins Schleudern geraten und die Verkaufszahlen beweisen es“.

Bei diesen Zahlen handelt es sich allerdings nicht um handfeste Stückzahlen, sondern um die Verkaufsrang-Platzierung verschiedener VR-Produkte im Bereich Videospielprodukte bei Amazon (USA). Zusammengestellt hat die Daten, die der US-Onlinehändler zur freien Verfügung bereitstellt, die US-Marktforschungsseite Thinknum.

HTC Vive: Auf dem absteigenden Ast? © Thinknum via Digital Trends

HTC Vive: Auf dem absteigenden Ast? © Thinknum via Digital Trends

Hier zeigt sich – nicht nur bei der HTC Vive, sondern auch bei Samsung Gear VR, Oculus Go sowie dem SkyrimPlayStation VR-Bundle eine einheitliches Bild. Alle genannten Produkte notieren heute einen Stand weit unterhalb ihrer Top-Platzierung im Verkaufsranking. Digital Trends zieht daraus folgenden Schluss:

Um Die Wahrheit zu sagen: Die Konsumenten sind fertig mit VR.

Das sind ziemlich drastische Worte – HTC wollte diese offensichtlich nicht unkommentiert im Raum stehen lassen.

Was sagt HTC?

In einem Post auf dem offiziellen HTC Vive-Blog nimmt der Hersteller direkt Bezug auf den Digital Trends-Artikel und zeichnet ein ganz anderes Bild der (konzerneigenen) VR-Zukunft. Premium-VR (jener Bereich, in dem sich HTC selbst als Vorreiter sieht) sei auf dem Vormarsch, außerdem habe keiner der Big Player aus dem VR-Bereich bisher jemals offizielle Verkaufszahlen veröffentlicht.

Des weiteren liege die abrupte Talfahrt im Verkaufsranking bei der Vive daran, dass die VR-Brille sich zu schnell verkauft habe und deshalb wochenlang nicht erhältlich gewesen sei. HTC habe aber die Produktion hochgefahren und wolle in den kommenden Wochen die Auslieferungszahlen an Einzel- und Onlinehändler erhöhen.

Wie gut HTC im Vergleich zur Konkurrenz dasteht, sollen derweil andere Zahlen belegen, die das Unternehmen mit einem genüsslichen Seitenhieb Richtung Thinknum / Digital Trends einleitet:

[…] Deswegen freut es uns, zu sehen, dass Marktanalysten wie International Data Corporation [die  Sachlage] richtig darstellen.

Es folgt ein Diagramm, in dem die Umsatzanteile der VR-Marktteilnehmer am Gesamtmarkt im 1. Quartal 2018 dargestellt werden. Hier liegt HTC laut IDC im Vergleich zur Konkurrenz deutlich vorn.

HTC geht es super - sagen HTC und IDC. © International Data Corporation

HTC geht es super – sagen HTC und IDC. © International Data Corporation

Als Grund nennt HTC den hauseigenen Fokus auf den Business-Bereich, der außerdem aktuell stark wachse. Außerdem sei die HTC Vive Focus die Nr. 1 bei den autarken VR-Brillen im chinesischen Raum.

Wer hat Recht?

Die Analysten sagen also „VR ist so gut wie am Ende“, HTC sagt „VR (und uns) geht es super“. Beide präsentieren Zahlen, die die eigene Version des Status Quo zu bestätigen scheinen. Wie kann das sein?

Wie aussagekräftig sind die Thinknum-Zahlen?

Die von Thinknum erhobenen Zahlen sehen auf den ersten Blick desaströs aus. Allerdings eignen diese sich nicht unbedingt dafür, eine verlässliche Zukunftsprognose zu erstellen. Denn zum einen hier werden viele verschiedene Produktkategorien in einen Topf geworfen und miteinander verglichen.

Ist es wirklich ein schlechtes Zeichen für die Zukunft von VR, wenn sich ein neues Xbox One-Spiel plötzlich besser verkauft als das mehrere Monate alte Skyrim VR-PSVR-Bundle?

Zum anderen liefert die Rangliste keinen Einblick in die tatsächlichen Verkaufszahlen, und wir dürfen noch etwas nicht vergessen: Es handelt sich hier um Daten, die lediglich bei einem einzigen Anbieter in einem einzigen Land erhoben wurden. Belastbare Zahlen für die Gesamtsituation sehen anders aus.

Steht HTC wirklich so gut da?

Wir stellen fest: Die Thinknum-Zahlen mögen zwar stimmen, einen wirklichen Trend daraus ablesen zu wollen, ist dann aber doch eine reichlich steile These. HTC schwingt sich allerdings im Gegenzug zu einem Äpfel-Birnen-Vergleich erster Güte auf.

Der konzerneigene Anteil am Marktumsatz kann noch so hoch sein – dieser bringt aber wenig, wenn der Markt selbst schrumpft. Einen Beweis dafür, dass das Gegenteil der Fall ist, bleibt HTC aber schuldig.

Um Zweifler umzustimmen, wäre ein Verzicht auf die „Wir sind die besten“-Grafik und eine Konzentration auf die guten und schlüssigen Gegenargumente, die die Taiwaner liefern, sicher wirkungsvoller gewesen.

Die Vive Focus: Laut HTC ein echter HIt in China. © HTC

Die Vive Focus: Laut HTC ein echter HIt in China. © HTC

Andererseits blickt nicht nur HTC positiv in die Zukunft: Facebook zeigt sich zufrieden mit den Oculus Go-Verkäufen, Sony mit dem Absatz der Playstation VR-Headsets. Allerdings sehen die Japaner den VR-Gesamtmarkt unter den Erwartungen.

Und hey – wenn doch alles überall so toll läuft, warum erbarmt sich keiner der Hersteller, endlich einmal offizielle Verkaufszahlen auf den Tisch zu legen?

Sei es wie es sei: Dass Marktforscher bzw. Analysten und Industrievertreter häufig nicht auf einer Wellenlänge sind, was Zahlen und Prognosen betrifft, ist ein alter Hut. In Sachen Virtual Reality äußerte sich das zum Beispiel, als Superdata im Februar 2018 eine VR-Marktanalyse veröffentlichte und Oculus-Pionier Palmer Luckey vehement dazwischengrätschte.

Wie bewertet ihr den Digital Trends-Artikel und HTCs Gegendarstellung? Diskutiert mit uns in den Kommentaren!

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