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HTC Vive Pro ausprobiert: Sinnvolles VR-Upgrade?

HTC hat mit der Vive und der Vive Pro gleich zwei High End-VR-Eisen im Feuer. © HTC

Die HTC Vive Pro liest sich auf dem Papier schonmal recht beeindruckend: Höhere Auflösung, höherer Komfort. Aber kann das Gerät halten, was der Preis verspricht? Wir haben die Vive Pro ausprobiert und sagen euch, ob ein Upgrade lohnt.

Die Virtual Reality der Neuzeit geht mittlerweile ins dritte Jahr. Oculus Rift und HTC Vive teilen sich den Markt der PC-basierten VR-Headsets, während Windows Mixed Reality zwar noch recht frisch ist, aber auch noch um seine Marktanteile kämpfen muss. Überstrahlt wird aber alles von der PlayStation VR, die sich nicht nur glänzend verkauft, sondern auch noch grandiose VR-Spiele liefert.

Die Entwicklung der VR-Hardware geht derweil unvermindert weiter. Während Google und LG an Super-Displays arbeiten, bringt HTC nun eine Weiterentwicklung der HTC Vive auf den Markt. Die HTC Vive Pro steigert die Auflösung von 1.080 x 1.200 auf nunmehr 1.440 x 1.600 Pixel pro Auge und zieht damit mit dem Windows Mixed Reality-Headset Samsung Odyssey gleich. Darüber hinaus soll die Pro komfortabler sein und sehr gute integrierte Kopfhörer besitzen.

Anspieltermin der HTC Vive Pro

Wir waren am 22.03.2018 in der Berliner VR Lounge zu Gast. HTC demonstrierte dort die HTC Vive Pro und wir hatten die Möglichkeit, mit Graham Wheeler zu sprechen, seines Zeichens Senior Director, Europe Regional Sales & Operations für die Vive bei HTC. Natürlich fragten wir zu allererst, was der Sinn und Zweck des Mondpreises für die HTC Vive Pro sei und wie HTC mit dem doch sehr deutlich negativen Feedback im Netz umgeht.

Zur Erinnerung: Mit 879 Euro lässt sich HTC das nackte Vive Pro-Brille vergolden. Während es auf der offiziellen Seite und im Produktshop keinerlei Hinweis darauf gibt, dass die Vive Pro nur für Profis und Geschäftskunden gedacht ist, besteht Wheeler auf diesen Punkt. Die Vive Pro sei nur für professionelle Anwender und Geschäftsleute gedacht.

HTC biete mit dem neuen Headset das beste auf dem Markt erhältliche VR-Produkt und das spiegele sich nun mal auch im Preis wieder. Wer das Beste wolle, der greife zur Vive Pro – auch für diesen Preis.

HTC: Wir liefern ein Premium-Produkt für VR

Damit folgt Wheeler dem allgemeinen PR-Pfad von HTC, die die Vive als Premiumprodukt verstehen und offenbar so etwas wie ein exklusives Markenbewusstsein bei den Kunden schaffen wollen. Ob das angesichts der gleichen Displays, die in der weit günstigeren Samsung Odyssey verbaut sind, sinnvoll ist, darf sicherlich diskutiert werden.

Und das Startup Pimax will darüber hinaus sicherlich auch noch ein Wörtchen dabei mitreden.

Die Lighthouse 2.0-Basis-Stationen wurden an Entwickler ausgeliefert - die Katze war aber wohl nicht Teil des Pakets.

Die Lighthouse 2.0-Basis-Stationen von Valve wurden schon an Entwickler ausgeliefert – die Katze war aber wohl nicht Teil des Pakets.

Größtes Argument für die HTC Vive ist derzeit sicherlich das unübertroffen gute Tracking durch Valves Lighthouse-System. Die HTC Vive Pro hat bereits die passenden Sensoren für die 2.0-Version von Lighthouse verbaut, ist aber weiterhin mit den alten Basistationen kompatibel. Auch unsere Anspielsession nutzte noch die ursprüngliche Lighthouse-Version und das Tracking war über jeden Zweifel erhaben.

Bessere Justierung, besserer Komfort

Das Headset selbst sieht etwas stylischer aus als die ursprüngliche Vive, was nicht zuletzt an der neuen Kopfhalterung liegt. Die verlagert das Gewicht weiter nach hinten, sodass die immer noch recht schwere VR-Brille nicht mehr auf die Wangenknochen drückt, sondern den Druckpunkt auf die Stirn verlagert.

Das sorgt für ein angenehmeres Tragegefühl und dürfte sich auch über längere Spielsessions positiv auswirken.

Sieht klobig aus, soll sich aber besser tragen lassen und zudem tollen Sound liefern: Die HTC Vive Pro.

Sieht klobig aus, lässt sich aber angenehmer tragen: Die HTC Vive Pro.

Die Vive Pro lässt sich bequem und schnell aufsetzen und über einen Drehknopf am Hinterkopf festziehen. Zudem scheint es etwas mehr Platz an den Innenseiten des Headsets zu geben. Auch größere Brillen passen bequem in die VR-Brille. Gleichzeitig schließt die Vive Pro etwas besser und sperrt sämtliches Licht von außen aus, auch an der Nase.

Ähnlich wie bei der PlayStation VR können wir jetzt die Brille über einen Knopf vor und zurück schieben und damit die Displays näher ran oder weiter weg stellen. Damit lassen sich die Displays (anders als bei der Standard-Vive) jetzt so nahe heranholen, dass die Displayränder sichtbar sind und die Display-Kante auf den Nasenrücken drückt. Gleichzeitig erhöht sich gefühlt das Sichtfeld, obwohl es weiterhin bei 110 Grad liegt.

Fliegengitter stark vermindert, klares Bild

Kommen wir zum wichtigsten Punkt: Der höheren Auflösung. Der Fliegengittereffekt ist durch die neue Auflösung wirklich stark minimiert worden und fällt nur noch bei größeren, einfarbigen und hellen Flächen auf. Wer sich bisher nicht vom Fliegengitter der alten Vive hat stören lassen, dem wird es nur noch bei konzentriertem Hinsehen auffallen. Für alle anderen stellt es aber auch eine signifikante Verbesserung dar.

Komplett eliminiert ist der störende Effekt aber noch nicht.

Oben: Das Bild der aktuellen HTC Vive. Unten: Das Bild der Samyung Odyssey. Die HTC Vive Pro hat die gleichen Display-Spezifikationen wie die Odyssey.

Oben: Das Bild der aktuellen HTC Vive. Unten: Das Bild der Samsung Odyssey. Die HTC Vive Pro hat die gleichen Display-Spezifikationen wie die Odyssey.

Die Bildschärfe ist natürlich besser als bei der Standard-Vive, allerdings ist der Unterschied gerade in Spielen (wir haben die Ready Player One-Erfahrung Gauntlet ausprobiert) nicht so überwältigend, wie die PR uns das glauben machen möchte. 78 Prozent mehr Pixel klingen beeindruckend, der Effekt in der Praxis ist aber nicht so signifikant, wie sich das viele VR-Enthusiasten vielleicht wünschen würden.

Wirklich deutlich wird die verbesserte Bildschärfe vor allem bei der Schrift: Ist mit der Standard-Vive die Schrift in der SteamVR-Umgebung teilweise schwer leserlich, so ist mit der HTC Vive Pro alles scharf. Auch auf größere Entfernung bleibt Schrift gut leserlich.

Auf einfarbigen hellen Flächen (wie hier in Nature Treks VR) sehen wir den Fliegengittereffekt weiterhin, aber das Bild ist durchaus klarer.

Auf einfarbigen hellen Flächen (wie etwa in Nature Treks VR) sehen wir den Fliegengittereffekt weiterhin, aber das Bild ist durchaus klarer.

Im Spiel fällt das freilich nicht so sehr auf, da die meisten Entwickler dafür sorgen, dass Texte so nah an unserem Blickfeld kleben, dass wir sie so oder so gut lesen können. Die allgemeine Klarheit des Bildes ist trotzdem besser, die Farben kommen besser zur Geltung und allgemein bietet die Vive Pro ein wirklich gutes Bild. Allerdings ist unserer Ansicht nach der Unterschied zur Standard-Vive nicht so gewaltig, wie VR-Spieler das angesichts des satten Preises erwarten würden.

Darüber hinaus ist der Sound der Kopfhörer sehr gut, allerdings für den Durchschnitts-User nicht besser oder schlechter als der des Deluxe Audio Straps.

Gutes Upgrade, aber kein technisches Wunderding

Um es auf den Punkt zu bringen: Wer anhand der reinen Zahlen – technische Spezifikationen und der dafür verlangte Preis – von einer signifikanten Weiterentwicklung ausgeht und ein neues Wunderbild in VR erwartet, der wird enttäuscht sein. Ja, es ist eine Verbesserung, unter bestimmten Bedingungen sogar durchaus deutlich.

Nein, es ist keine so signifikante Weiterentwicklung, dass sie wirklich notwendig wäre – schon gar nicht für fast tausend Euro.

Für wen ist die HTC Vive Pro denn nun gedacht? Die offizielle Webseite ist da recht eindeutig.

Für wen ist die HTC Vive Pro denn nun gedacht? Die offizielle Webseite ist da recht eindeutig.

Wir werden die HTC Vive Pro natürlich noch in einem ausführlichen Langzeittest dem direkten Vergleich mit der alten Vive unterziehen und euch detailliert über Unterschiede aufklären, sobald wir ein Testgerät erhalten haben. Unsere Anspielsession hat uns durchaus gefallen, allerdings denken wir, dass das Gerät den Erwartungen vieler VR-Enthusiasten nicht genügen wird bzw. nicht zu der Hausmarke von einem Preis passt.

Daher unser vorläufiges Fazit: Wer vom Fliegengittereffekt und der Auflösung der HTC Vive regelmäßig genervt ist und nicht aufs Geld schauen muss, der kann sich die Vive Pro ruhigen Gewissens holen. Ein gutes Upgrade bekommt er allemal. Wer mit der normalen Vive keine Probleme hat, VR auch damit regelmäßig genießt und für seine nächste VR-Brille eine wirklich deutliche, umfassende Verbesserung erwartet, der sollte die Finger davon lassen und ganz in Ruhe auf die nächste Generation VR-Brillen warten.

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