Facebook Spaces: Privatsphäre und Datenschutz in Gefahr?

HTC Vive Oculus Rift
© Facebook

Facebook ist eine sammelwütige Datenkrake, das ist bekannt. Gilt das auch für die soziale VR-Variante, Spaces? Wir haben nachgeforscht.

Das Sammeln von Daten ist heutzutage ein Milliardengeschäft. Überall im Internet, teilweise auch im realen Leben (durch Nutzung von Payback-Karten o. ä.) werden wir getrackt, beobachtet, überwacht. Die gesammelten Daten werden (oft automatisch) analysiert und wir bekommen im harmlosesten Fall auf uns zugeschnittene Werbung angezeigt. Datenschützer warnen in einigen Fällen aber auch vor dem „gläsernen Bürger“, dessen Gewohnheiten und Standorte, teilweise sogar dessen Meinungen, gespeichert und zu undurchsichtigen Zwecken verwendet werden können.

Auf Treu und Glauben

In vielen Nutzungsbedingungen, denen wir vor Inanspruchnahme eines Service (bspw. dem von Facebook) zustimmen, steht explizit, dass die Weitergabe entpersonalisierter Daten (also Daten ohne Name, Adresse, Kontonummern etc.) regelmäßig zum Zwecke der Marktforschung oder für Werbeaktionen erfolgt. Welche Daten aber wirklich weitergegeben werden, das wissen nur die Konzerne selbst, der Nutzer muss darauf hoffen, dass verantwortungsbewusst damit umgegangen wird.

Durch Abnicken der Nutzungsbedingungen von HTC  und der Oculus Rift geben wir auch im Bereich der virtuellen Realität unsere Daten zur Weiterverwertung an die jeweiligen Unternehmen frei. Beide Konzerne nehmen sich diesbezüglich auf den ersten Blick nicht viel, beide sammeln Daten von uns und behalten sich das Recht vor, diese zu verwenden oder weiterzuverkaufen. Darüber hinaus lassen die Formulierungen in gewissem Rahmen aber auch die Weitergabe von Daten inklusive Namen, Adresse etc. zu, beispielsweise an Firmen, die zum jeweiligen Unternehmensnetzwerk gehören.

Intimsphäre VR

Nun ist die Lage bezüglich der virtuellen Realität nochmal eine andere, denn unsere Bewegungen, ja sogar unsere Gespräche können durch Trackingsysteme und Mikrofone aufgezeichnet werden. Wir gehen die Konzerne damit um? Und was bedeutet die Datensammelwut von Facebook in Verbindung mit der neuen Social-Media-Plattform Spaces für uns?

Auf Anfrage des US-Senators Al Franken beteuerte Oculus, dass die Privatsphäre und Sicherheit der Nutzer höchste Priorität habe. „Privatsphäre und Sicherheit sind ein Kernelement unserer Produkt- und Firmenprinzipien“, heißt es im Antwortschreiben von Oculus. In einem Interview mit dem englischen Magazin Road to VR bekräftigt Oculus diesen Standpunkt nochmal: „Wir haben uns dem Schutz der Privatsphäre unserer Nutzer verpflichtet. Das ist eines unserer Top-Anliegen, weshalb wir auch superdetaillierte Nutzungsbedingungen haben.“

Blankovollmacht für Datensammlung

Allerdings sagen die Nutzungsbedingungen eigentlich nur aus, dass Oculus (ähnlich wie HTC) exzessiv Daten über verwendete Software, Hardware, Standorte, Bewegungsmuster und vieles mehr sammelt – und wir dem zustimmen müssen, wollen wir die Rift benutzen. In den Nutzungsbedingungen heißt es: „Wenn du auf unseren Diensten etwas postest oder teilst bzw. mit anderen Oculus-Nutzern kommunizierst, erhalten und speichern wir diese Kommunikationen und damit verbundene Informationen; wie z. B. das Datum, an dem ein Beitrag erstellt wurde.“

Beinhaltet das auch die Speicherung unserer Gespräche, beispielsweise wenn wir in Facebook Spaces mit anderen Nutzern sprechen, Bilder teilen oder über den Messenger Videochats abhalten? Oculus verneint das: „VoIP- [Voice over IP] Kommunikation wird nicht aufgenommen. Wir speichern die Inhalte dieser Kommunikationen nicht über das zeitweise notwendige Caching hinaus, das notwendig ist, um diese Kommunikation an Leute weiterzuleiten, die sich in anderen Teilen der Welt befinden“, schreibt Oculus im Brief an den US- Senat. Im Interview mit Road to VR konstatiert Oculus aber auch: „Es hat nie eine Technologie gegeben, die so viel von dir in die Erfahrung einbezieht, was ein zweischneidiges Schwert darstellt […]. Aber ja, falsch verwendet oder in den falschen Händen, kannst du vielleicht mehr getrackt werden, als du normalerweise erwarten würdest.“

Facebook steckt dahinter

Oculus speichert also all diese Daten (oder kann das jederzeit tun), auch wenn sie vehement beteuern, diese Daten nicht weiterzugeben. Im Schreiben an den US-Senat gibt Oculus weiterhin an, aktuell noch keine Daten an Dritte weiterzugeben und auch das Tracking nur zu technischen Diagnosezwecken und nur über kurze Zeit zu speichern. Das schließt dem Wortlaut nach Facebook ein, ist aber gleichzeitig nur auf den Moment bezogen. Das heißt, es lässt sich jederzeit ändern, die Nutzungsbedingungen sind hierfür der Freibrief.

Facebook, als Besitzer von Oculus, wird diese Goldgrube sicher nicht unangetastet lassen. Während Oculus den Schutz der Privatsphäre beteuert, hält Facebook bekanntermaßen nichts von Datenschutz. Und wer berät Oculus, die sich vor allem auf den technischen Aspekt von VR, auf die Hardware konzentrieren, in Fragen von Privatsphäre und Datenschutz? „Wir genießen außerdem den Vorteil von Facebook’s Expertise auf anderen Gebieten. Das schließt das große Team von Profis auf dem Gebiet der Privatsphäre und Sicherheit ein, das uns hilft, Privatsphäre und Sicherheit für unsere Produkte zu entwerfen und zu pflegen.“

Goldgrube Spaces

Facebooks neue VR-Plattform Spaces ist so etwas wie eine Goldgrube für Datensammler. Denn hier kommen zu den reinen Daten über Postings und Bilder, die auch auf der normalen Facebook-Plattform gesammelt werden, potentiell Bewegungs- und Gesprächsdaten hinzu. In Zukunft werden mit fortschreitender Technik emotionale Reaktionen hinzukommen sowie das Augentracking, wodurch noch viel sensiblere Daten (beispielsweise die Identität des Nutzers) ausgelesen werden können. Es stellt sich darüber hinaus die Frage, was mit all diesen sensiblen Daten angestellt werden kann, wenn sie in die falschen Hände gelangen.

Dass Facebook diese Daten nicht verwenden wird, ist unwahrscheinlich. Dessen sollte sich jeder bewusst sein, der Spaces nutzt. Natürlich gilt das gleiche auch für andere Anwendungen und VR-Brillen, wie etwa der HTC Vive. HTC verkauft ebenfalls die gesammelten Daten an dritte Parteien weiter (vornehmlich Werbeagenturen). Und wenn Branchenriese Microsoft mit den ersten Headsets in den Markt einsteigt, können wir sicher sein, dass unsere Daten ausgelesen und verwendet werden. Allerdings – und das ist ein wichtiger Unterschied – ist bei keiner dieser Firmen das Geschäftsmodell so existentiell auf Datensammelei zugeschnitten wie bei Facebook.

Vorsicht ist angebracht

Die Nutzungsbedingungen von Oculus oder HTC sind insgesamt nicht schlimmer oder gefährlicher als andere Nutzungsbedingungen. Im Prinzip sind sie heute bereits Standard. Doch mit der virtuellen Realität kommen immer mehr persönliche Komponenten hinzu, die eine Neubewertung des Datenschutzes in Verbindung mit VR-Brillen notwendig machen. Facebook wird diese Quelle mit Spaces ganz sicher anzapfen. Deshalb gilt: Vorsicht bei der Nutzung einer VR-Brille (nicht bloß der Oculus Rift) in Verbindung mit sozialen Apps (nicht nur Spaces). Achtet besonders darauf, welche Informationen ihr in virtuellen, sozialen Netzwerken über euch preisgebt und minimiert die Daten, die von euch erhoben werden können, soweit wie möglich.

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