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Was hat Facebook mit VR-Brillen-Hersteller Oculus vor?

Mark Zuckerberg auf einer Samsung Gear VR Konferenz

Seit Facebook den Rift-Hersteller Oculus VR aufgekauft hat, scheint der Social Media-Gigant an Aufstellung und Ausrichtung des Unternehmens zu feilen. Welche langfristige Strategie steckt dahinter?

In diesem Artikel setzen wir uns mit folgenden Fragen zu VR-Brillen-Hersteller Oculus auseinander:

  • Wie steht es aktuell um Oculus VR?
  • Was ist mit der Oculus Rift 2 passiert?
  • Was bedeutet der Abgang von CEO Brendan Iribe?
  • Wie sieht die zukünftige Strategie des VR-Headset-Herstellers aus?
  • Was bedeuten die Umstrukturierungen beim Mutterkonzern Facebook?
  • Ist Oculus VR überhaupt noch ein eigenständiges Unternehmen?

Ohne das im Jahr 2012 gegründete Tech-Startup Oculus VR wäre der heutige Virtual Reality-Zug wohl nie ins Rollen gekommen. Doch inzwischen ist viel passiert. Facebook hat das Unternehmen für einen Milliardenbetrag aufgekauft, Gründer wie Palmer Luckey oder Brendan Iribe haben die Firma zudem inzwischen verlassen.

Doch die größte Veränderung steht Oculus vielleicht noch bevor. In diesem Artikel versuchen wir die Ereignisse der vergangenen Monate und Wochen zu deuten und wagen einen Blick in die Zukunft von Virtual und Augmented Reality.

Vom Kickstarter-Traum zur milliardenschweren Facebook-Tochter

Im März 2016 – rund zwei Jahre nachdem Oculus VR von Facebook aufgekauft wurde – erschien die VR-Brille Oculus Rift und läutete damit noch vor HTC Vive und PlayStation VR das aktuelle VR-Zeitalter ein. Palmer Luckey, Gründer von Oculus und Erfinder der Rift-Brille, dominierte Schlagzeilen und Pressebilder und versprach, dass sein Unternehmen auch unter den Fittichen von Facebook seinen eigenen Weg gehen werde.

© Oculus / VR-World

Das Gesicht von Gründer Palmer Luckey war in den ersten Jahren fest mit Oculus VR verbunden. © Oculus / VR-World

Doch schon ein Jahr später sah alles ganz anders aus. Im März 2017 verließ Luckey Oculus VR aus offiziell unbekannten Gründen – inoffizielle Gründe gab es allerdings genug. Einerseits war das Image des einstigen Tech-Stars durch fragwürdige Aktivitäten im US-Wahlkampf und einer Klage von Bethesda-Mutter ZeniMax angekratzt. Anderseits schien es um die versprochene Selbstständigkeit innerhalb des Social Media-Imperiums dann doch nicht so gut zu stehen.

Bereits Ende 2016 trat Oculus‘ Co-Gründer Brendan Iribe von seinem CEO-Posten zurück, um wieder „zurück in die Produktentwicklung zu tauchen“. Ebenso fehlte von Luckey bereits bei der dritten Oculus Connect-Konferenz im Oktober 2016 auf der Bühne jede Spur. Stattdessen steht seit diesem Zeitpunkt und bis zum heutigen Tag ein anderes Gesicht im Mittelpunkt von Oculus: Das von Facebook-Gründer und -Chef Mark Zuckerberg.

Diese Veränderungen bei Oculus haben für Schlagzeilen gesorgt

Während Facebook-Tochterunternehmen wie WhatsApp oder Instagram praktisch bis heute völlig losgelöst vom Mutterkonzern stehen – sowohl in der öffentlichen Wahrnehmung als auch beim operativen Geschäft – begann bei Oculus bereits im Launch-Jahr der Rift-Brille ein langsames Nachjustieren und Umgestalten. Die Marken Facebook und Oculus schienen insbesondere bei PR-wirksamen Events kontinuierlich weiter zusammenzurücken.

Mit der Oculus Rift legten die Kalifornier einer wichtigen Grundstein für den heutigen VR-Markt. © Oculus

Mit der Oculus Rift legten die Kalifornier einer wichtigen Grundstein für den heutigen VR-Markt. © Oculus

Im Mai 2018 folgte als weiterer Schritt die Umbenennung von Oculus‘ eigener Forschungs- und Entwicklungsabteilung in Facebook Reality Labs – inklusive einer engeren Verzahnung mit anderen Forschungsteams des sozialen Netzwerks. Geradezu überschlagen haben sich die Ereignisse dann im Herbst 2018.

Mit dem finalen Abgang von Ex-CEO Brendan Iribe (offiziell wieder aus unbekannten Gründen) gingen Gerüchte über die Einstellung an der Arbeit des Oculus Rift-Nachfolgers einher. Wenige Wochen danach gab Facebook bekannt, dass Oculus nicht mehr länger als eigenständige Tochtergesellschaft des Konzern existiere, sondern mit Facebook Technologies verschmolzen wurde.

Oculus Quest und Rift S: Die Strategie hinter den neuen VR-Brillen

Wer nun allerdings schlussfolgert, Facebook habe im Sinn, Oculus komplett zu demontieren, der irrt sehr wahrscheinlich gewaltig. Die Umstrukturierungen und Integration in das Herz des eigenen Konzern beweisen viel mehr, welch essentielle Rolle Virtual und Augmented Reality offenbar in Zuckerbergs Vision für sein soziales Netzwerk spielt.

Auch Co-Gründer Brendan Iribe zog sich jüngst komplett aus dem Unternehmen zurück. © Oculus

Auch Co-Gründer Brendan Iribe zog sich jüngst komplett aus dem Unternehmen zurück. © Oculus

Doch bevor wir uns allzuweit vorwagen, erst einmal ein Blick in die nahe Zukunft. Im September kündigte Facebook die neue autarke VR-Brille Oculus Quest ein. Sie soll die Einsteigerfreundlichkeit der Oculus Go mit der Attraktivität einer ganz klar auf Games zugeschnittenen VR-Hardware (wie Rift oder Vive) verbinden.

Der große Selling-Point: Keine notwendige zusätzliche Hardware, keine nervigen Kabel, kein sperriges Zubehör wie externe Sensoren. Stattdessen ein All-In-One-Sorglospaket zum sofort Loslegen. Statt technischer Brillanz und neuer VR-Horizonte setzt Facebook darauf, das, was aktuell relativ kostengünstig möglich ist, einem breiten Publikum zugänglich zu machen.

Technik-Freaks und Highend-Gamer mögen da mit der Nase rümpfen, aber wahrscheinlich ist der Versuch, die breite Masse mit durchschnittlicher – aber einfach zu handhabender – Technik zu erreichen, aktuell die klügste Strategie in Sachen Virtual Reality.

Obendrein gibt es dann ja auch noch die Gerüchte um die sogenannte Oculus Rift S. Aller Wahrscheinlichkeit verbirgt sich dahinter eine Art Kompromiss für Highend-Hardware-Nutzer, der an Stelle der womöglich eingestampfen Rift 2 treten wird.

Genauer gesagt, könnte uns mit der Rift S eine aufgebohrte Version der Quest-Brille erwarten, die das Streamen grafisch aufwendiger VR-Spiele vom Gaming-PC auf das Headset ermöglicht. Dass eine mögliche WiFi-Streaming-Option bereits im Rahmen der Quest-Brille diskutiert wurde, spricht unter anderem dafür.

Das bedeutet die Auflösung als Tochtergesellschaft von Facebook

Wie bereits erwähnt, hat Facebook die Eigenständigkeit von Oculus als eines dem Mutterkonzern unterstelltes Tochterunternehmen aufgelöst. Stattdessen ist der VR-Brillenhersteller ab jetzt eine Abteilung der Konzern-Tochter Facebook Technologies, die an hausinternen Hardware-Projekten wie dem Videocall-Display Portal arbeitet.

Laut einem offiziellen Statement von Facebook hat der Wechsel vor allem rechtliche Gründe und wird die aktuelle Brand- und Business-Politik von Oculus nicht beeinflussen. Vielleicht will sich das soziale Netzwerk aber auch einfach nicht zu tief in die Karten schauen lassen, wenn es um die Weiterentwicklungen seiner eigenen Produkte geht.

Rift-Hersteller Oculus VR existiert innerhalb des Facebook-Konzerns nicht länger als eigenständige Tochtergesellschaft. © Facebook / UploadVR

Rift-Hersteller Oculus VR existiert innerhalb des Facebook-Konzerns nicht länger als eigenständige Tochtergesellschaft. © Facebook / UploadVR

Hinter der Assimilation von Oculus steckt nämlich wahrscheinlich mehr, auch wenn sich das zunächst nicht abzeichnen mag. Wer jetzt Angst hat, Facebook könnte von heute auf morgen die Produktion von VR-Hardware einstellen, dem sei mit ziemlicher Sicherheit gesagt: Das wird nicht passieren.

Im Gegenteil: Facebook ist auf Early Adopter und Technik-Enthusiasten angewiesen, um weiterhin die hauseigene VR-Technik zu testen und zu verbessern. Da es dafür stetig neue Modelle und Systeme braucht, werden Projekte wie die Oculus Quest keine Eintagsfliege werden, sondern fortlaufend Unterstützung erfahren.

Facebook – und allen voran Mark Zuckerberg – glaubt an VR. Das hat der Konzern immer wieder beteuert. Es ist sogar wahrscheinlich, dass die immersive Technologie, die Oculus bis heute vorangetrieben hat, zukünftig eine weitaus größere Rolle für Facebooks Kerngeschäft spielen wird: Die sozialen Medien.

Oculus VR: Der Stein, auf dem sich Facebook neu erbaut?

Im Laufe dieses Sommers präsentierte Facebook diverse Features seines sozialen Netzwerks, die sich immersive Technologien zu Nutze machen. Vorgestellte Konzepte und Testballons sind beispielsweise Augmented Reality-Werbeanzeigen im eigenen Newsfeed oder in Virtual Reality rekreierte Erinnerungen.

AR-Anzeigen sollen uns etwa Sonnenbrillen und Schminke anprobieren lassen. © Facebook / WR-World

AR-Anzeigen sollen uns etwa Sonnenbrillen und Schminke anprobieren lassen. © Facebook / WR-World

Nette Gimmicks, die womöglich gerade einmal die Spitze von Facebooks zukünftigen Cross Reality-Eisberges darstellen. Der Konzern setzt auf die hausinterne Weiterentwicklung dieser Technologien, da VR und AR vielerorts als DAS Medium der Zukunft gehandelt werden.

Wenn heute Facebook – einer der mächtigsten Konzerne der Welt – noch von einer Sache abhängig ist, dann von den physischen Plattformen, die seinen Nutzern Zugriff auf das eigene Netzwerk ermöglichen: Laptops, Tablets und natürlich Smartphones. Dabei handelt es sich um Geräte, die von externen Herstellern – zum Teil ungeliebten Zweckpartnern aus der Tech-Welt – hergestellt werden.

Facebook: Der zukünftige Hersteller des Smartphone-Killers?

Wenn wir uns dagegen vorstellen, dass unsere Schnittstelle zum Facebook der Zukunft kein Handheld-Device, sondern eine VR- oder AR-Brille sein wird, die wir gleichzeitig im Alltag für sämtliche Kommunikation verwenden, hält Facebook mit Oculus einen gigantischen Trumpf in der Hand.

Dank der durch Oculus gewonnenen Expertise könnte Facebook zukünftig nicht nur weiterhin die wichtigste Kommunikations-Software stellen (soziale Netzwerke, Messenger-Dienste…), sondern auch als Produzent der Geräte auftreten, auf denen diese Software läuft.

Auch wenn es noch eine Weile dauern mag, wird irgendwann der Tag kommen, an dem eine neue Technik das allseits beliebte Smartphone ablösen wird – und vieles deutet darauf hin, dass es eine AR-Technologie sein wird.

Dank der stetigen Weiterentwicklungen über die nächsten Jahre und Jahrzehnte könnte Facebook irgendwann als der Hersteller eines Gerätszum Beispiel einer eigenen AR-Brille – auftreten, das für die nächste Generation so obligatorisch ist, wie iPhone und Android-Phone für die heutige. Somit hätte der Konzern sowohl Software- als auch Hardware-seitig Kontrolle über ein gigantisches digitales Ökosystem.

Welche Rolle VR & AR im sozialen Netzwerk der Zukunft spielen

Wie könnte ein VR- oder AR-basiertes soziales Netzwerk zukünftig aussehen? AR-Anzeigen im Newsfeed wären sicherlich nur der Anfang. Stattdessen würde sich wahrscheinlich der Newsfeed selbst irgendwann in einen virtuellen Raum verwandeln, den wir nach Belieben erkunden können.

Links von uns warten einige 360 Grad-Bilder vom Urlaub unseres besten Freundes. Rechts geht es in den virtuellen Holo-Chat mit unserem Kollegen und obendrein locken im Hintergrund die neusten Angeboten an sozialen Spielen. Obendrein gibt es das Ganze natürlich als reduziertes Interface für unterwegs.

Oculus' interaktiver Wohnraum Rift Core könnte bereits ein Vorgeschmack auf das Facebook der Zukunft sein. © Oculus

Oculus‘ interaktiver Wohnraum Rift Core könnte bereits ein Vorgeschmack auf das Facebook der Zukunft sein. © Oculus

Games werden weiterhin ein wichtiger Teil der VR-Welt sein – und ebenso der Social Media-Welt. Facebook wäre dumm, würde es sein VR- und AR-Spieleangebot nicht direkt in ihre digitale Infrakstruktur integrieren.

Diese Idee ist ja auch nicht neu. Vor ein paar Jahren sorgte der Hype um Social Games wie Farmville bereits für Schlagzeilen. Aktuell gelten hingegen Messenger Games als das nächste große Ding – natürlich stets mit dem Fokus auf das gemeinsame Spielen.

Eine Runde AR-Casual Games mit den Facebook-Freunden

Auf Facebooks Infrastruktur basierende VR- und AR-Technik könnte auch eine neue Form von Games für die breite Masse mit sich bringen. Wie wäre es mit einer Runde Augmented Reality-Jenga, bei der der Klötzchenturm auf unserem Wohnzimmertisch genauso wackelt, wie bei unserem Facebook-Freund auf der anderen Seite des Planeten? – Ein in Echtzeit berechnetes, interaktives AR-Hologramm macht es möglich.

Oder was wäre damit, mal wieder mit der gesamten Familie ein klassisches Gesellschaftspiel zu spielen – allerdings ganz unabhängig davon, wer sich gerade wo befindet. Das interaktive AR-Spielbrett bekommt natürlich jeder Mitspieler an seinen Standort projeziert.

Das komplette Eintauchen in andere Welten wird auch weiterhin viele Menschen für immersiven Technologien begeistern. Aber es wird vor allem das Verschmelzen virtueller Elemente mit der realen Welt sein, das die Zukunft dieser Technolgien darstellt.

Oculus hat als feuchter Traum einiger Gaming-Enthusiasten angefangen, die Spiele auf ein neues Erlebnis-Level hieven wollen. Für Facebook ist das ehemalige Startup langfristig allerdings wohl eher Mittel zum Zweck. Nicht nur, um Fuß ist der Welt der Videospiele zu fassen, sondern um die Evolution des eigenen Hauptprodukts zu beschleunigen. Nicht ohne Grund bezeichnet Mark Zuckerberg die Zukunft von VR gerne als „sozial“.

Unabhängig von Facebook entdecken auch andere Branchen das Potential von Virtual und Augmented Reality. So findet ihr bei uns ausführliche Specials über Anwendungsmöglichkeiten in der Automobilbranche und in der Museums- und Kulturlandschaft.

Was denkt ihr über die Veränderungen bei Facebook und Oculus? Schreibt uns eure Meinung in den Kommentaren!

Wollt ihr noch mehr VR? Dann empfehlen wir euch wärmstens unseren Facebook-Kanal, sowie den VR-World-Newsletter (Anmeldung weiter unten auf dieser Seite).

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