Detached

HTC Vive Oculus Rift Spiele
6

VR-World Rating

7.7

VR-User

Nichts für schwache Mägen

Detached warnt in seiner Beschreibung vor einem intensiven Erlebnis, das nicht für jedermann geeignet ist. Im Test stellt das sogar hartgesottene Spieler auf die Probe.

Ein häufig geäußertes Problem von VR-Spielern ist die Anfälligkeit für Motion Sickness. In einem ausführlichen Artikel sind wir diesem Phänomen bereits auf den Grund gegangen. Bislang sind wir selbst vor den Auswirkungen von Motion Sickness verschont geblieben, es sei denn, das Spiel war einfach schlecht gemacht (nachzulesen beispielsweise in unserem Test zu Ultimate Booster Experience).

Spiele, die völlig freie Bewegung und darüber hinaus weite Sprünge oder ähnliches anbieten, sind uns dagegen bisher immer gut bekommen (Windlands). Und auch freie Bewegung in der Schwerelosigkeit wie in Homebound hat bei uns keinerlei Probleme verursacht.

Steuerung mit Nachwirkungen

Detached jedoch ist ein ganz eigenes Ding. Wir starten in einem Tutorialraum, in dem uns eine weibliche Stimme die Steuerung erklärt. Dabei stecken wir in einem Raumanzug und sehen den Helm um uns herum, was normalerweise für eine gewisse „Erdung“ sorgt und somit Motion Sickness verringert. Mit dem linken Bewegungscontroller geben wir Schub (Trigger drücken), mit der Grip-Taste stoppen wir.

In Detached geht es vornehmlich um präzise Navigation und Geschwindigkeit. © Anshar Studios

In Detached geht es vornehmlich um präzise Navigation und Geschwindigkeit. © Anshar Studios

Der rechte Bewegungscontroller ist für die Drehung zuständig: Trigger halten und den Controller drehen sorgt dafür, dass wir uns um die eigene Achse (in alle Richtungen) drehen können. Und hier liegt der Hase im Pfeffer begraben: Die Mulmigkeit, das unterschwellige Schwindelgefühl scheint daran zu liegen, dass wir uns mit zwei Bewegungscontrollern gleichzeitig in unterschiedliche Richtungen steuern und dass das Bewegungsmoment nur auf Befehl (Grip-Taste) aufhört. Das bedeutet, wenn wir beispielsweise später mit Karacho gegen eine Wand rasen, werden wir physikalisch korrekt herumgeschleudert, überschlagen uns und so weiter.

Ansatzweise elegant

Grundsätzlich ist das kein Beinbruch: Warum sollten Entwickler nicht auch Spiele machen, die nur für beinharte VR-Zocker gemacht sind? Allerdings ist das unserer Meinung nach hier gar nicht notwendig. Haben wir uns an die Steuerung gewöhnt, bewegen wir uns teilweise richtig elegant durch den Weltraum.

Das wäre mit einer etwas mehr auf Komfort ausgelegten Steuerung einfach zu perfektionieren. So bleibt uns aber nur eine zwar grundsätzlich gut funktionierende Steuerung, die aber auch keinerlei Rücksicht auf körperliche Befindlichkeiten nimmt. Da wir das für unnötig halten, gibt’s dafür von uns auch keine Punkte.

Einige ganz exquisite VR-Ausblicke bietet uns Detached, das reicht aber nicht mehr für uneingeschränkte Begeisterung. © Anshar Studios

Einige ganz exquisite VR-Ausblicke bietet uns Detached, das reicht aber nicht mehr für uneingeschränkte Begeisterung. © Anshar Studios

Das mit rund zwei Stunden ziemlich kurze Spiel ist an sich sehr schön gelungen und bietet sogar eine kleine Geschichte. Unser Frachter ist verunglückt und wir müssen versuchen, irgendwie zu überleben. Dabei schlagen wir uns mit Navigations-Puzzles herum: Beispielsweise müssen wir über die Boost-Funktion unseres Raumanzugs schnell genug durch ein deaktiviertes Kraftfeld gelangen, bevor es sich wieder aktiviert.

Oder wir suchen Batterien für Türen, müssen dabei aber auch auf unsere eigenen Ressourcen aufpassen: Geht uns der Sauerstoff aus, sind wir tot – wir sollten uns also regelmäßig an Sauerstofftanks laben, um nicht zu ersticken.

Hübsch substanzlos

In wirklich beeindruckender Szenerie (ein Asteroidenfeld oberhalb eines Planeten mit verschiedenen kleinen Stationen) bewältigen wir also die Puzzles, die meistens mit unserer Fähigkeit zusammenhängen, die Steuerung zu meistern. Das es damit Probleme geben kann, haben wir schon erörtert. Grafisch kommt der Titel etwas steril, dafür aber mit scharfen Texturen und Strukturen daher. Auch der Sound ist absolut gelungen.

In der Schwerelosigkeit herumzudüsen ist ein echter Augenöffner. Wäre da nicht die unangenehme Steuerung. © Anshar Studios

In der Schwerelosigkeit herumzudüsen ist ein echter Augenöffner. Wäre da nicht die unangenehme Steuerung. © Anshar Studios

Trotzdem bleibt auch Detached am Ende jegliche Substanz schuldig. Die Story ist maximal Beiwerk, die Puzzles sind nicht sonderlich schwer und obwohl es gut aussieht, ist nach einer Runde schon die Luft raus: Warum sollen wir das zweimal spielen? Wir können uns noch mit anderen Spielern in Multiplayer-Duellen Raketen um die Ohren jagen, allerdings werden wir darauf wohl wegen der anstrengenden Steuerung verzichten.

Wie bei vielen VR-Titeln dieser Tage nimmt uns das Spiel nicht wirklich mit: Es fehlt jegliche Emotion, jegliche Tiefe. Wir bewegen uns einfach durch hübsche Levels… und das war‘s. Dabei muss es gar kein gigantisch umfangreiches Spiel sein, um uns einzufangen, wie beispielsweise Symphony of the Machine eindrucksvoll beweist.

Detached hat bei uns (obwohl wir relativ unempfindlich für Motion Sickness sind) auch nach Absetzen des Headsets für langanhaltendes, latentes Unwohlsein gesorgt. Neben der dringenden Empfehlung, das Spiel im Sitzen zu spielen, raten wir daher von Detached ab, wenn ihr nicht gerade nach Grenzerfahrungen in  kurzen und ebenso oberflächlichen VR-Spielchen sucht.

Detached erhaltet ihr hier:

Für HTC Vive und Oculus Rift: im Steam Store
Für Oculus Rift: im Oculus Store

Das ist gut

  • sehr hübsche Grafik
  • guter Sound
  • präzise Steuerung

Das geht besser

  • hohe Anfälligkeit für Motion Sickness
  • bis auf die Puzzles kein Tiefgang

Fazit

Detached ist ohne Frage hübsch und bietet diverse Staun-Momente. Darüber hinaus ist es aber ziemlich oberflächlich und bietet wenig Tiefgang. Dazu kommt, dass die Steuerung zwar gut funktioniert, aber gar keine Rücksicht auf körperliche Befindlichkeiten nimmt, was zu nachhaltiger Motion Sickness führen kann.
6

VR-World Rating

Gameplay: 4
Grafik: 8
Sound: 7
Steuerung: 5
WOW-Faktor: 6
Umfang: 3

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