Dear Angelica

Filme Oculus Rift
9

VR-World Rating

9.6

VR-User

Handgemachtes Meisterwerk

Mit Dear Angelica liegt der erste VR-Film vor, der mithilfe des Malprogramms Quill direkt in Virtual Reality entstand. Warum sich niemand dieses einmalige Kunststück entgehen lassen sollte, klärt unser Review. 

Filme wie Allumette oder Pearl haben bewiesen, dass sich die virtuelle Realität durchaus zum Erzählen von Geschichten eignet. Dear Angelica geht noch einen Schritt weiter und erweckt den Eindruck, sich geradezu vor den Augen des Betrachters zu entfalten. Immerhin hat Künstlerin Wesley Allsbrook alle Szenen eigenhändig innerhalb der virtuellen Realität erstellt. Statt Pinsel und Leinwand kamen dabei Oculus Touch und ein Zeichenprogramm namens Quill zum Einsatz. Das Ergebnis ist ein ebenso illustres wie nachdenklich stimmendes Kunstwerk.

Dear Angelica beginnt nahezu trist © Oculus Story Studio

Farbenfrohe Reise durch die Erinnerung

Dear Angelica beginnt in einem spärlich beleuchteten Schlafzimmer, in dem sich die junge Jessica (gesprochen von Mae Whitman) an ihre verstorbene Mutter, die Schauspielerin Angelica (Geena Davis) erinnert. Erneut schaut Jessica ihre alten Filme und lässt uns dabei teilhaben an der Beziehung zu ihrer Mutter, die offenbar eine so bedeutende Rolle im Leben der jungen Frau gespielt hat.

Während die Szenen in Jessicas Schlafzimmer noch friedlich und gedämpft wirken, ändert sich die Farbgebung dramatisch, sobald Angelica auf der Bildfläche erscheint. In pulsierenden Farben breiten sich Bilder aus Angelicas Filmkarriere vor uns auf, während sie uns fast als eine überlebensgroße Frauenfigur präsentiert wird. Fast wähnt man sich einer Göttin gegenüber. Wilde Farbbänder beginnen von allen Seiten auf unsere Sinne einzuwirken, sodass es scheint, als ob das Kunstwerk mitten um uns herum Gestalt annimmt.

Dear Angelica erzählt von der verstorbenen Mutter © Oculus Story Studio

Gleichzeitig schweben beeindruckend schöne Kalligraphien durchs Bild, sodass wir uns genötigt sehen, konstant umherzuschauen, denn überall ist Licht und Leben. Die Szenerie gerät fieberhaft in Bewegung und scheint unser Blickfeld immer mehr zu vereinnahmen. So fühlt es sich also an, ins Auge eines künstlerischen Wirbelsturms zu blicken.

Diese Szene erinnert verdächtig an Thelma and Louise © Oculus Story Studio

Ein Gemälde in Bewegung

Die gesamte Erfahrung von Dear Angelica baut darauf aus, dass wir uns wie in ein lebendiges Gemälde versetzt fühlen. Alles ist Gefühl und Bewegung, der Pinsel scheint niemals still zu stehen. So bekommen wir den Eindruck, unmittelbar der Erschaffung des Kunstwerks beizuwohnen, während all diese Emotionen noch ungefiltert durch den Kopf der in Erinnerung schwelgenden Protagonistin rasen.

Jede von Jessicas Erinnerungen wird dabei von zahlreichen Wörtern umrahmt, die ihre Gedanken an die Mutter widerspiegeln. Zugleich werden wir in einem stimmigen Monolog darüber informiert, was für ein Mensch Angelica zu Lebzeiten gewesen ist und wie Jessica ihre Kindheit empfunden hat. Auf diese Weise changiert der Film zwischen traumartigen Erinnerungsfetzen und eher mondän wirkenden Alltagsszenen. So fällt es nicht nur Jessica manchmal schwer, zwischen Fiktion und Realität zu unterscheiden.

Eine farbenfrohe Reise durch die Vergangenheit © Oculus Story Studio

Dazu gesellt sich die hervorragende musikalische Untermalung, die zwar gelegentlich mit etwas viel Pathos daherkommt, aber gerade deshalb zur starken Emotionalität von Dear Angelica passt. Damit offenbart der Film ganz nebenbei auch eine der großen Stärken von Virtual Reality: In VR werden Gefühle wie Liebe, Trauer und Schrecken derart verstärkt an uns herangetragen, dass wir unmittelbar Empathie mit Figuren empfinden, die uns vor wenigen Minuten noch völlig unbekannt waren.

Alles in allem schafft Dear Angelica es, tief in unserer Befindlichkeit zu wühlen. Die wunderschönen Illustrationen, die gelungene Sprachausgabe, die vereinnahmende Musik, die liebevolle Geschichte und die exzellente Dramaturgie fügen sich zu einem meisterhaften Diorama, das weit über die Summe seiner einzelnen Teile hinausreicht.

Dear Angelica für Oculus Rift ist kostenlos im Oculus Store verfügbar.

Das ist gut

  • wunderschöne Illustrationen
  • emotionaler Soundtrack
  • tolle Sprachausgabe
  • liebevoll erzählte Geschichte

Das geht besser

  • sehr kurz

Fazit

Eine ebenso farbenfrohe wie herzerwärmende Vision über die Möglichkeiten von Virtual Reality als erzählerisches Medium. Wie bisher kaum eine andere VR-Erfahrung verkörpert Dear Angelica die emotionale Sogkraft, die VR zu entfalten vermag.
9

VR-World Rating

Story: 8
Immersion: 9
WOW-Faktor: 10
Grafik: 10
Sound: 9
Umfang: 5

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