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Baldur’s Gate & The Witcher 3 in VR? Wie Moss Virtual Reality zum Hit macht

Das PSVR-Spiel Moss zeigt, dass sich Spiele wie Baldur's Gate und The Witcher 3 auch in VR super machen würden. © CDProject / Polyarc / VR-World

Virtual Reality wird vielfach als unzugänglich kritisiert, als gehypte Technologie, die wie der 3D-Fernseher floppen werde. Das VR-Spiel Moss zeigt, dass die Kritiker nicht weiter danebenliegen könnten, findet Redakteur Benjamin Danneberg.

Die Virtuelle Realität steckt noch in der ersten Generation. Zwar sind VR-Brillen wie PlayStation VR, Oculus Rift, HTC Vive und Windows Mixed Reality schon absolut beeindruckende Geräte, die uns ganz neue Welten und Möglichkeiten eröffnen, aber sie haben allesamt noch ihre Mängel.

Unter anderem ist der Komfort ein häufiger Kritikpunkt: Die VR-Headsets sind noch ganz schön schwer und das Kabel zum PC nervt auch. Das ist für viele ein Grund, VR links liegen zu lassen, ohne es je selbst ausprobiert zu haben. Darüber hinaus wird dann gern über fehlende Inhalte geschimpft und kurze VR-Spiele als „Tech-Demos“ verunglimpft.

Einstiegshürde verringert: VR-Brille & Controller reichen

Unsere Spieleliste hier auf VR-World beweist eindrucksvoll das Gegenteil: Es gibt bereits jede Menge großartige Spiele für VR. Allerdings haben die Kritiker insofern Recht, wenn sie sagen, dass eben nicht jeder Platz für raumfüllendes VR (Roomscale) hat und damit natürlich ein Teil des Zaubers der virtuellen Realität verloren gehen kann, wenn wir etwa Fallout 4 VR im Sitzen spielen müssen.

Und was bleibt dann noch übrig? Cockpit-Spiele? Da wenden sich viele Spieler (trotz einiger sehr guter Renn– und Dogfighting-Spiele in VR) gelangweilt ab.

HALT! Eine kleine Maus hat gerade erst den Beweis angetreten, dass VR-Spiele selbst Couchpotatoes mit umwerfenden neuen Erfahrungen beglücken können. Und das muss nicht einmal teuer sein: Dafür reicht eine PlayStation VR und ein Dualshock-Controller völlig aus. Moss hat gerade erst unsere erste Höchstwertung auf VR-World eingefahren. Wie ihr in meinem ausführlichen Test nachlesen könnt, ist es die Liebe zum Detail, die handwerklich saubere Arbeit der Entwickler, die herrliche Präsentation und die geschickte Einbeziehung des Spielers in die Geschichte, die eine absolut herausragende VR-Erfahrung bietet.

Dafür muss ich nicht herumlaufen und über mein Kabel stolpern. Ich muss auch keine schnelle First Person-Action mitmachen. Bewegungs-Optionen sind mir egal: Ich sitze gemütlich da, blicke auf die Levels, kann mich vorbeugen und alles aus der Nähe studieren und steuere die Maus-Protagonistin locker aus dem Handgelenk. Es ist absolut bequem, ich bin mittendrin und es scheint plötzlich alles möglich zu sein, was wir vom PC-Gaming gewohnt sind.

Isometrische Spiele sind perfekt für VR

Dieser Gedanke ist mir gekommen, als ich gestern erneut über mein Spielerlebnis mit Moss nachdachte (ja, das Spiel treibt mich auch nach Tagen noch um!). Denn das, was Moss gezeigt hat, ist absolut denkbar für alle möglichen PC-Spiele. Ich denke da zuerst an die isometrischen Rollenspiele. Baldur’s Gate, eines von sehr wenigen Spielen, die für mich den heiligen Gral des Gamings darstellen, ließe sich beispielsweise umsetzen.

Stellt euch nur mal vor: Die hervorragenden Geschichten, Levels und Welten der Baldur’s Gate Saga, in der Qualität eines Moss, für die virtuelle Realität umgesetzt.

Könnt ihr euch das altehrwürdige Baldur's Gate in einem Remake für VR vorstellen?

Könnt ihr euch das altehrwürdige Baldur’s Gate in einem Remake für VR vorstellen?

Es gibt eigentlich keinen Grund, warum das nicht möglich sein sollte. Moss zeigt ganz genau, wie es gehen kann, wie solche Levels und 3D-Charaktere für VR umgesetzt werden können. Die feinen Animationen (beispielsweise wie Quill ihr kleines Schwert zieht, benutzt und wegsteckt) machen die Geschehnisse im Spiel noch viel eindrücklicher. Cutscenes könnten so wie in Moss über ein Buch mit animierten Seiten dargestellt werden.

Kamerapositionen, Auswahlsystem & Inventar

Natürlich gäbe es bei Spielen wie Baldur’s Gate, Pillars of Eternity oder Divinity: Original Sinn in VR ein paar zusätzliche Faktoren, die Entwickler bedenken müssten: Größere Areale bräuchten beispielsweise verschiedene Kamerapunkte, zwischen denen wir springen könnten. Natürlich müsste das Spiel pausierbar sein, damit wir Befehle geben könnten.

In einer beeindruckenden Demo wurden bereits die beeindruckenden Interaktionsmöglichkeiten in VR durch die Valve Knuckles gezeigt.

Die Valve Knuckles sorgen dafür, dass wir unsere Finger und Hände ganz natürlich in VR verwenden können. Das wäre ein Segen für viele VR-Spiele.

Dann müsste ein Auswahlsystem für Charaktere und Ziele her, das kann aber auch von vergleichbaren Spielen auf Konsole oder PC kommen und sollte keine Schwierigkeit sein. Perfekt wäre natürlich eine Lösung, mit der wir unsere Hände bzw. Finger verwenden könnten: Oculus Touch, Handtracking, die Valve Knuckles oder vielleicht sogar Daten-Handschuhe.

Außerdem brauchen wir natürlich Auswahlmenüs für Fertigkeiten, sowie ein Inventar. Das könnte in verschiebbaren Fenstern geregelt werden, wie es beispielsweise das Strategiespiel Skyworld vormacht. Einheiten werden dort im Inventar sogar in 3D und animiert dargestellt!

Text oder Vertonung?

Bliebe noch das Problem der Präsentation der Geschichte – und hier wird’s teuer. Denn Text-Wüsten gehen nicht in VR, es sei denn, sie sind wirklich leicht zu lesen – aber auch dann stören sie die Immersion, wenn die sorgfältig animierten Charaktere die ganze Zeit stumm bleiben. Stattdessen sollte alles vertont sein. Wir könnten unsere Dialogauswahl als gut lesbarer Text in einem Dialogfenster gezeigt bekommen, aber jeder Satz müsste auch gesprochen werden.

The Witcher 3 ist voll vertont, was einer VR-Umsetzung sehr entgegenkommen würde.

The Witcher 3 ist voll vertont, was einer VR-Umsetzung sehr entgegenkommen würde.

Und da wir wissen, dass schon am PC die Studios die Vollvertonung oft sausen lassen, weil sie in Verbindung mit der Lokalisierung in andere Sprachen ziemlich teuer ist, liegt hier der Haken an der Sache: VR hat noch nicht die große Installationsbasis, die eine solche Investition für ein Studio rechtfertigen würde. Immerhin könnte die PSVR – und natürlich das VR-Spiel Moss – hier Wände einreißen, wenn sich das Spiel entsprechend gut verkauft. Wird Moss ein richtiger Verkaufsschlager, dann könnten andere Entwickler das gigantische Potential sehen, das in dieser Art von Virtual Reality steckt.

FIFA, Assassin’s Creed und viele Spiele mehr in VR?

Denn es sind nicht nur isometrische Rollenspiele wie Baldur’s Gate, die auf diese Weise in VR denkbar wären. Aus der Moss-Perspektive, also einer gewissen Draufsicht auf ein erweitertes Diorama (wir blicken nicht nur auf einen Schaukasten, wir sind im Schaukasten), lässt sich fast jedes Spiel vorstellen. Schon eine Weile vor Moss haben wir über ein FIFA in VR gesprochen.

Warum nicht ein Assassin’s Creed für VR umsetzen? Was spricht gegen Hitman VR? Ließe sich vielleicht sogar ein Witcher 3 in VR denken, vielleicht nicht als völlig offene Welt, aber trotzdem?

Wir unterstützen Quill, indem wir beispielsweise solche riesigen Türen für sie aufmachen.

Moss lässt uns VR-Spiele neu denken: Immersiv, aufregend, großartig – und trotzdem bequem und zugänglich.

Der hat sie nicht mehr alle, denkt ihr? Ich glaube nicht, dass meine Träume von einem Remake von Baldur’s Gate oder sogar einem Witcher 3 in VR so abwegig sind. Ich kann euch nur empfehlen, einmal Moss zu spielen und euch anhand dessen, was ihr dort seht und erlebt eine Umsetzung für andere Spiele zu überlegen. Schaut genau hin, wie Quill animiert ist, wie die Level designt sind. Und dann übertragt das auf die von mir angesprochenen Spiele (und viele andere). Doch nicht so weit hergeholt, oder?

Killer-App Moss: Türöffner für VR-Spiele

Ich selbst glaube, dass Moss eine Tür aufgestoßen hat und damit die vielbeschworene Killer-App für VR sein könnte. Dieses Spiel zeigt, wie Geschichten in Zukunft erzählt werden können. Wie Spiel und Film miteinander verschmelzen können. Wir sitzen nicht mehr nur vor einem Bildschirm und blicken auf ein 2D-Fenster in andere Welten – wir können in diese Welten hineinschlüpfen, ohne Motion Sickness, ohne viel Platz zu benötigen: Bloß mit einem bequemen Stuhl und einem Controller. Anschalten, eintauchen, alles um uns herum vergessen. Einfacher geht’s nicht.

Ja, ich bin sehr enthusiastisch was die Möglichkeiten von VR angeht. Aber spielt doch selbst mal Moss und achtet auf all das, was ich angesprochen habe – und sagt mir dann, was ihr davon haltet. Ich freue mich auf euren Input in den Kommentaren!

8 Kommentare

  1. Ich finde die angepassten Spiele besser als die VR-Only-Games. Die Touch-Steuerung hin oder her aber gegen Spieltiefe, Spieldauer und erprobte Spielmechanik kommen keine schnell gemachten „Hauptsache Touch dabei“-Titeln. „Elite: Dangerous“, „Fallout 4 VR“ und „Subnautica“ führen nicht zufällig meine VR-Bestenliste an.

    So bin ich sehr offen was die VR-Umsetzungen bekannter Marken in die VR angeht.
    Mein Wunsch-Tittel wäre „X-Com: Enemy Unknown“, schön angepasst (Brille und Controller reichen vollkommen) an die VR wäre es auf Anhieb das beste Strategie-Spiel auf dem VR-Markt.
    Ich probierte „X-Com“ im Kino-Modus aus und es funktioniert sehr gut: die Schriften sind groß und leicht lesbar, die Controller-Steuerung schon vorhanden und der Hardware-Hunger niedrig.
    Jetzt nur noch ein VR-Modus mit seinem feinsten 3D (im Kino-Modus bleibt das Spiel flach) und die Bude rockt.

    Herr Danneberg, kennen Sie niemanden der von besagten Spiel ein VR-Mod machen könnte, auf die großen Entwickler ist kein Verlass, die interessieren sich vor allem für Exklusivität und effektvolle Augenwischerei statt für erprobten und soliden Gameplay.

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    • Benjamin Danneberg

      Auch X-Com würde in VR perfekt funktionieren. Ich hoffe ja, dass diverse Entwickler sich Moss angeschaut haben und feststellen: Hey, sowas kann ja für fast alle Spiele funktionieren, das machen wir auch. Allerdings führt hier derzeit kein Weg an der PSVR vorbei, denn nur dort kann ein Entwickler hoffen, auch mit einem VR-Spiel Geld zu verdienen. Und was für die PSVR kommt, ist eben auch leider oft exklusiv.

      Ich bin allerdings davon überzeugt, dass mit Hilfe solcher Titel VR der Durchbruch gelingen kann.

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    • Oliver Schmiedchen

      In Richtung XCOM gibt’s mit Augmented Empire eigentlich schon eine perfekte VR-Umsetzung des Spielprinzips (+ epische Story) – aber leider nur für Gear VR. Ich hoffe immer noch auf eine Umsetzung für Rift/Vive.

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  2. Für mich funktioniert „MOSS“ perfekt. Ich weiß nicht wie das Team von POLYARC das geschafft haben, aber die Mitarbeiter dort haben ja schon bei anderen Projekten zeigen können, wie außergewöhnlich talentiert sie sind: wie z.B. bei anderen Spielen wie „Red Dead Redemption“ (inkl. Undead Nightmare) für Rockstar Games, diverse „Dragon Age -Teile“, „Destiny“ und viele mehr. Auch ich spiele lieber bequem (!) auf dem Sofa sitzend „meine PS VR Abenteuer“ durch, soweit das nur irgendwie geht – denn Entspannung beim Spielen ist für mich das Wichtigste überhaupt – als sogenannter Casual Gamer. Und was mir an „MOSS“ gefällt ist, wie komfortabel das alles von der Hand geht (bzw. mit dem DualShock 4-Controller der PS4 und den Trackingleuchten). Auch wenn man zuweilen bis zu drei Charaktere (Quill & „den Leser“ & einen schiessenden Metallkäfer) gleichzeitig steuern muss! Das wunderschöne detaillierte Level-Design voller Rätsel, der virtuelle 360°-Sound, die klassische Musik von Jason Graves, die Synchronsprecherin Morla Gorrondona (mehrere Rollen sprechend – bekannt aus anderen Games wie „Horizon: Zero Dawn“, „COD: BO3“ uvm.)…und die LEBENDIGEN Animationen – allen voran die bezaubernde Mäusedame QUILL – sind einfach umwerfend! Das Gesamtpaket ist wie aus einem Guss. Für mich ist „MOSS“ schon jetzt das „(VR)Game of The Year 2018“! ^^

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  3. EA sollte sich an ein Remake von Black and White in VR machen.
    Damals schon kompatibel mit den P5 gloves seiner Zeit um Jahre vorraus.

    Dino Frontier war ein Augenöffner. Mit den Move Controller eine Göttersimulation. Großartig. Das nun noch in einem großartigem Spiel wie B&W…

    Mir würde eine Ankündigung reichen um auf der Stelle vorzubestellen.

    Ansonsten NHL VR. Immer her damit.

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  4. The Witcher 3 in VR, darüber hab ich mir zufälligerweise heute Gedanken gemacht und drauflos gegoogelt, so bin ich hierauf gestoßen. Der Artikel apricht genau das aus, was ich dazu denke ?

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