Augmented Empire

Samsung Gear VR Spiele
9

VR-World Rating

9.2

VR-User

Augmented Empire im Test: Taktisch wertvoll

Direkt zum Fazit

Ein komplexes Taktikspiel in Virtual Reality? Augmented Empire liefert genau das – und mehr. 

Coatsink Software hat mit seinem aktuellen Titel eine Mischung aus storylastigem Rollenspiel und Rundentaktik erschaffen. Das Spiel ist für einen Samsung Gear VR-Titel untypisch komplex und umfangreich. Haben sich die Entwickler damit zuviel aufgehalst? Wir haben die Probe aufs Exempel gemacht.

Atmosphärisch dicht

Die Welt von Augmented Empire ist fantastisch inszeniert. Das Setting liegt mit seiner Steampunk-Ästhetik und seiner dystopischen, alternativen Realität stimmungsmäßig irgendwo zwischen Dishonored und Fallout. Die Geschichte, die wir gemeinsam mit den Hauptprotagonisten Willa und ihren Mitstreitern erleben, stammt aus der Feder von Autor Jon Davies.

Er hat eine stimmige Parallelwelt entworfen, in der die Menschheit in den 1960er Jahren begann, die Topographie der Erde mittels Atom- und Wasserstoffbomben zu verändern – „nukleare Landgewinnung“ nennt sich das in der reichen Spielmythologie. Mittlerweile schreiben wir das Jahr 2058, gesellschaftliche Ungleichheit bestimmt das Leben der Menschen. Mehr verraten wir nicht, denn bereits der Prolog des Spiels beinhaltet mehrere überraschende Wendungen.

Hier beginnt unsere spannende Reise durch die Welt von Augmented Empire.

Hier beginnt unsere spannende Reise durch die Welt von Augmented Empire.

In den liebevoll gestalteten Leveln sind zahllose Zusatzinformationen über das Spieluniversum versteckt. Diese finden wir nicht in Form von Collectibles, sondern mittels echter Interaktion mit unserer Umgebung. Wir lesen die Inschrift von Statuen, schauen uns Propagandaplakate und Vitrinen in Museen an oder sprechen mit Passanten. Wir bekommen dadurch das Gefühl, uns in einer echten, lebendigen Welt zu bewegen.

Rollenspielelemente …

Verantwortlich dafür ist auch die herausragende Vertonung von Augmented Empire. Coatsink hat einige namhafte Synchronsprecher an Land ziehen können, die die Figuren überzeugend und nuanciert mit Leben füllen.

Zum Beispiel leihen Doug Cockle (bekannt aus den Witcher-Spielen), Garrick Hagon (Star Wars: Episode IV – Eine Neue Hoffnung), Nick Frost (Hot Fuzz) und Kate Mulgrew aus „Orange Is the New Black“ Spielcharakteren ihre Stimmen. Die Sprachausgabe ist ausschließlich auf Englisch verfügbar, dafür sind die deutschen Untertitel genau wie die lokalisierten Menütexte hochwertig.

Doch was hilft die schönste Inszenierung, wenn Geschichte und Gameplay nicht mithalten können? Aber auch in dieser Hinsicht leistet Augmented Empire ganze Arbeit: Die Story wird in Gesprächen mit NPCs vorangetrieben, während wir wie in einem Rollenspiel aus der isometrischen Perspektive die Spielwelt erkunden. Die schräge Draufsicht sieht dank VR herrlich plastisch aus – und wir erfahren sogar, warum wir das Geschehen aus ebendiesem Blickwinkel betrachten.

Außerdem kommunizieren wir manchmal mittels Multiple Choice-Dialogen mit den Spielcharakteren. Je nachdem, welchen Tonfall wir wählen, reagieren sie entsprechend, was sie menschlich und nahbar macht. Haben wir mit den richtigen Leuten gesprochen, schalten wir neue Missionen frei, in denen wir Worten Taten folgen lassen.

… und XCOM-Taktik

Das tun wir ebenfalls aus der Iso-Perspektive. Wer einen der letzten XCOM-Titel gespielt hat, wird sich direkt heimisch fühlen, die Kämpfe laufen hier nämlich ähnlich ab. Auch bei Augmented Empire geht es rundenbasiert zu, wir dürfen uns also Zeit lassen und überlegen, wie wir vorgehen wollen, um unseren Gegnern das Licht auszupusten. Vor jeder Mission dürfen wir unser Team zusammenstellen, im Spielverlauf schalten wir neben Willa weitere Charaktere frei, die alle ihr Spezialgebiet haben.

Archi ist Scharfschütze, Chris kann gegnerische Elektronik hacken, Margot sich Feinden getarnt nähern, Ambrosia ist extrem schnell und Noot kann viel einstecken. Hinter jedem dieser Charaktere steckt zudem eine Hintergrundgeschichte, die ihre Fähigkeiten glaubhaft erklärt.

Oft kämpfen wir gegen zahlenmäßig überlegene Gegner.

Oft kämpfen wir gegen zahlenmäßig überlegene Gegner.

Chris ist beispielsweise von der ungeschickten Sorte und hat sich einst versehentlich selbst in den Kopf geschossen – Teile seines Hirns wurden deshalb von künstlichen, „augmentierten“ Bestandteilen ersetzt, mit denen er nun Maschinen manipulieren kann.

Diese „Augments“ sind wesentlicher Bestandteil des komplexen Upgrade-Systems von Augmented Empire, die dem Spiel seinen Namen geben. Im Spielverlauf finden wir neue Augments, die unseren Charakteren zu neuen oder verbesserten Fähigkeiten verhelfen. Auch die Stärke, Wiederstandsfähigkeit, Treffsicherheit und andere Parameter können wir verbessern: Unsere Figuren gewinnen im Kampf Erfahrungspunkte, mit denen wir dann ihr Können verbessern dürfen.

Planung und Reflexe

Trotzdem kommen wir nur mit sorgfältiger Planung ans Ziel. Welche Figur bewegen wir? Wie positionieren wir sie? Nutzen wir unsere zwei Züge pro Runde für Angriffe oder suchen wir Deckung? Welche Fähigkeit könnte uns für die nächste oder übernächste Runde einen Vorteil bringen?

Wenn wir uns für eine Aktion entschieden haben, dürfen wir uns aber nicht wie in XCOM zurücklehnen. Denn anders als dort, entscheidet nicht ein statistikbasierter Zufallsgenerator, ob ein Schuss trifft oder nicht. Augmented Empire legt die Verantwortung dafür nämlich in unsere Hand: Sobald wir einen Schuss abgeben wollen, startet ein simples Quicktime-Event. Dabei gilt es, im richtigen Moment auf unser Touchpad zu tippen.

Beim Zielen kommt es auch auf unsere Reflexe an.

Beim Zielen kommt es auch auf unsere Reflexe an.

Gelingt das, trifft unser Schuss, andernfalls verfehlen wir. Je weiter wir von unserem Ziel entfernt werden, desto kleiner ist das Zeitfenster, das wir erwischen müssen. Die Deckung des Gegners und unser Fertigkeitslevel haben ebenfalls Auswirkungen darauf, wie gut unsere Reaktion für einen Treffer sein muss. Das verleiht dem Ganzen zusätzlichen Realismus und eliminiert gleichzeitig die unlogischen und frustrierenden Momente, die ein zufallsbasiertes System unweigerlich mitbringt.

Diese interaktive Mechanik findet übrigens auch im Defensivbereich Anwendung – mit dem richtigen Timing weichen wir Schüssen komplett aus oder kassieren anstatt eines direkten Treffers nur einen Streifschuss, der uns weniger Energie abzieht. Wir sind also stets beteiligt am Kampfgeschehen, was der Immersion zugute kommt. Hektisch wird es dabei aber nie.

Die Technik stimmt

Auch sonst ist die Steuerung durchweg gelungen. Das gesamte Spiel lässt sich einwandfrei mit dem Touchpad der Gear VR steuern. Wir bewegen unsere Charaktere wie in einem Point-and-Click-Adventure. Bei Objekten, mit denen wir interagieren können, ändert sich der Cursor entsprechend. Das Spiel kommuniziert hervorragend und direkt, was wir tun können und was nicht.

Im Kampf rufen wir mit einem Klick auf eine unserer Figuren das kreisrunde und übersichtliche Fertigkeitsmenü auf und wählen die passende Aktion aus. Nach kürzester Zeit geht uns die Bedienung in Fleisch und Blut über – wir merken, wie gut Coatsink Augmented Empire für Gear VR optimiert hat.

Wir durchstreifen die Welt von Augmented Empire aus der Iso-Perspektive.

Wir durchstreifen die Welt von Augmented Empire aus der Iso-Perspektive.

In einem Interview sprachen die Entwickler über die Herausforderungen, die die Arbeit an einem solch großen Spiel für ein technisch limitiertes System wie Gear VR mit sich bringt – diese hat das Studio aber hervorragend gemeistert. Von der Vertonung schwärmten wir bereits, auch visuell ist Augmented Empire weitgehend ein Genuss. Das liegt vor allem am stimmigen Artstyle und den liebevoll und abwechslungsreich modellierten Spielabschnitten.

Die Animationen der Figuren wirken etwas hölzern, das passt aber zu deren einfachem Design und stört deswegen nicht weiter. Hin und wieder kommt es zu Clippingfehlern, aber auch das verzeihen wir dem Spiel – es gibt einfach viel zu viel zu sehen und zu entdecken, um sich an solchen Kleinigkeiten nachhaltig stören zu können. Positiv überrascht haben uns auch die extrem kurzen Ladezeiten in Augmented Empire, lediglich bei einem Neustart des Spiels müssen wir uns ein wenig gedulden.

Gern würden wir Augmented Empire auch auf den „großen“ VR-Systemen sehen – aber nicht, weil es auf Gear VR nicht gut genug ist, sondern weil so viele Spieler wie möglich in den Genuss dieses ausgezeichneten Spielerlebnisses kommen sollten.

Das Virtual Reality-Spiel Augmented Empire für Samsung Gear VR findet ihr im Oculus Store

Das ist gut

  • Beeindruckende Atmosphäre
  • Spannende Story
  • Intuitive, direkte Steuerung
  • Taktisch fordernde Kämpfe
  • Ausgezeichnete Synchronsprecher
  • Umfangreiche Kampagne

Das geht besser

  • Vereinzelte Grafikfehler

Fazit

Augmented Empire ist ein großes Taktik-RPG - und das auf der "kleinen" Gear VR-Bühne. Gameplay, Steuerung, Story und Virtual Reality machen das Spiel in Summe zu einem immersiveren Spielerlebnis, als es die verwendete Iso-Perspektive auf den ersten Blick vermuten lässt. Schnell verliere ich mich in der atmosphärisch dichten Dystopie und fiebere mit den Protagonisten mit. Die Kämpfe sind fordernd und verlangen nicht nur Köpfchen, sondern auch Reaktionsschnelligkeit. Wer Steampunk-Ästhetik mag und eine gute Story zu schätzen weiß, sollte sich Augmented Empire unbedingt ansehen – es lohnt sich.
9

VR-World Rating

Gameplay: 10
Grafik: 8
Sound: 9
Steuerung: 9
Story: 10
Immersion: 9
Umfang: 10
Zum Anfang

Verfasse eine Antwort

Deine E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.Benötigte Felder sind markiert

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

*

Zeige den nächsten MediaMarkt, um Virtual Reality hautnah zu erleben

X