Allumette

Filme HTC Vive Oculus Rift PlayStation VR
7

VR-World Rating

8.7

VR-User

Willkommen in Wolkenkuckucksheim

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Ebenso wie viele Spieleentwickler experimentieren auch Filmemacher fleißig mit den Möglichkeiten des neuen Mediums VR. Das passive Filmerlebnis wird wohl nicht mehr lange die Norm bleiben. 

Mit Allumette legt Regisseur und Produzent Eugene Chung einen kostenlosen Animationsfilm für PlayStation VR, Oculus Rift und HTC Vive vor. Dafür scharrte er zahlreiche Veteranen von Dreamworks Interactive und Pixar Studios um sich. Mit einer Laufzeit von etwa 20 Minuten gehört Allumette zu den bisher längsten VR-Filmen. Doch was uns?

© Penrose Studios

© Penrose Studios

Der Animationsfilm basiert lose auf dem Märchen Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern von Hans Christian Andersen. Die Geschichte dreht sich um ein junges Mädchen, das in einer Stadt in den Wolken lebt. Deren Architektur erinnert an Venedig, statt Gondeln gleiten majestätische Luftschiffe vorbei. Ein azurbaluer Himmel und fluffige Wolken verleihen ein Gefühl von Heimeligkeit.

Das namentlich nicht genannte Mädchen ist allein in dieser Welt, ihr einziges Hab und Gut sind überdimensionale Streichhölzer, mit denen sie sich etwas Wärme verschafft. Jede Entzündung schaltet dabei eine andere Erinnerung aus ihrem Leben frei, und so lernen wir nach und nach ihre Vergangenheit kennen. Erzählt wird von einer traumhaften Welt in den Wolken, den Reisen mit ihrer Mutter, ihrer Liebe zueinander und den Lektionen, die sie von ihr gelernt hat. Schließlich mündet alles in der Tragödie, die die beiden entzwei gerissen hat.

Allumette ist magisches Puppentheater

In der Welt von Allumette scheint alles in Miniatur gehalten. Die Figuren sind nur wenige Zentimeter groß und auch die Szenerie ist darauf zugeschnitten. Instinktiv beugt man sich vor, um das Geschehen aus der Nähe zu betrachten. Der Blickwinkel ist dabei individuell an die Größe des Betrachters angepasst, sodass sich der Miniatureffekt unabhängig davon einstellt, wie groß oder klein ihr seid.

Eine weitere Besonderheit von Allumette ist, dass die Geschichte völlig ohne Sprache auskommt. Stattdessen murmeln, brummen oder summen die Figuren vor sich hin, was ihr kindliches Desgin weiter verstärkt. Trotzdem lässt sich anhand ihrer Tonlage gut erahnen, in welcher Stimmung sie sich gerade befinden. Einzig die Entscheidung, die Figuren lediglich mit 12 Bildern pro Sekunden zu animieren, irritiert anfänglich etwas.

Alles wirkt wie ein Puppentheater, was nicht zuletzt an der gelungenen Komposition liegt. Dennoch bleibt das Geschehen statisch und meist auf einen einzigen Ort beschränkt. Der Vorteil an dieser Erzählweise wiederum ist, dass der Zuschauer nicht durch unnötige Geschehnisse anderswo abgelenkt wird.

© Penrose Studios

© Penrose Studios

Einzigartige Präsenz

Auf diese Weise findet man sich unmittelbar im Geschehen wieder. Vor allem im Stehen kommt dieses Gefühl gut zur Geltung. Wer den Platz für Room Scale VR hat, sollte ihn unbedingt nutzen. So können wir unter eine Brücke steigen oder sich in diverse Objekte hineinbeugen, um kleine Nebenhandlungen mitzubekommen. Beispielsweise offenbart ein Blick in das Innere eines Luftschiffs dessen komplizierte Zahnrad-Apparatur.

Im Vordergrund von Allumette steht in jedem Fall die Präsenz, sodass man schnell die unglaubliche Versuchung verspürt, nach den Figuren und Objekten zu greifen. Dabei werden wir uns immer wieder gewahr, dass wir nicht Teil der Geschichte, sondern nur eine Art schwebende Kamera sind. Trotzdem schafft Alluemette, was herkömmliche 360-Grad-Videos nicht vermögen. Wir können uns tatsächlich ins Geschehen hineinlehnen und unsere Umgebung erkunden. Unser Körper wird damit in gewisser Weise zum Bestandteil der Inszenierung.

Das Wort Immersion wird im Zusammenhang mit Virtual Reality geradezu inflationär gebraucht. Schließlich versetzen selbst die einfachsten 360-Grad-Videos uns mitten hinein ins Geschehen, statt dass wir bloß aus der Entfernung auf eine zweidimensionale Projektionsfläche starren. In Verbindung mit dem positionsabhängigen Tracking von VR-Headsets wie PSVR, Oculus Rift und HTC Vive wird hier jedoch alles in den Schatten gestellt, was wir mit Smartphone-Lösungen wie Samsung Gear VR oder Google Cardboard geboten bekommen.

© Penrose Studios

© Penrose Studios

Insgesamt ist den Penrose Studios eine sehr hochwertige Produktion gelungen. Einzig die fehlende Interaktion irritiert etwas, weil man sich stellenweise dabei ertappt, handeln und helfen zu wollen. Die Geschichte birgt zwar keine großen Überraschungen, dafür aber ist das Gefühl von Präsenz wirklich einmalig.

Noch befinden wir uns in den frühen Tage des VR-Kinos, die einer Ära von unendlichem Erkundungsdrang gleicht. Allumette ist dabei ein wunderbarer erster Schritt, der sich gut mit Pionierwerken aus der Anfangszeit des Films im frühen 20. Jahrhundert vergleichen lässt. In diesem Sinne stellt der Film die VR-Version von Georges Méliès‘ Meilenstein Die Reise zum Mond (1902) dar. Wem das noch nicht genügt, den überzeugt vielleicht der sagenhafte Preis von nur null Euro.

Eugene Chung und seine Mitstreiter sind jedenfalls davon überzeigt, dass VR das nächste große erzählerische Medium der Menschheit sein wird. Ihrer Meinung wird Virtual Reality die anderen audiovisuellen Medien zwar nicht gänzlich verdrängen, aber ebenso wie der Film das vorangegangene Jahrhundert dominiert hat, wird nun die Ära von AR und VR eingeläutet.

Wir sind gespannt, wo die Reise hingeht.

Hier findest du Allumette kostenlos:

Das ist gut

  • hochwertige Präsentation
  • einzigartiges Gefühl von Präsenz
  • vergleichsweise lange Laufzeit

Das geht besser

  • gewöhnungsbedürftige Animationen
  • Geschehen ist sehr statisch

Fazit

Allumette zeigt uns, wie die Zukunft von VR-Kino aussehen könnte. Ob sich dieser Zauber aber irgendwann erschöpft oder mittels Interaktion vielleicht sogar gesteigert werden kann, müssen Filmemacher in den kommenden Monaten und Jahren herausfinden. Nichtsdestotrotz stellt Allumette ein gelungenes Experiment dar, das gekonnt die Möglichkeiten von Virtual Reality als erzählerisches Medium auslotet.
7

VR-World Rating

Story: 7
Immersion: 9
WOW-Faktor: 8
Sound: 7
Umfang: 6
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