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Age of Sail in der VR-Filmkritik: Doppelte Seenotrettung

Direkt zum Fazit

Mit Age of Sail hat sich das Team hinter den Google Spotlight Stories selbst übertroffen. Regisseur John Kahrs präsentiert einen erzählerisch wie technisch brillanten VR-Kurzfilm.

In regelmäßigen Abständen versorgen uns die Google Spotlight Stories mit kurzen, animierten VR-Filmen, die uns die erzählerischen Möglichkeiten von Virtual Reality wortwörtlich vor Augen führen. Das gilt so auch für den im November 2018 erschienenen VR-Film Age of Sail, allerdings hat sich dieses Mal das Produktionsteam besonders ins Zeug gelegt.

Denn mit der Geschichte um einen alten Seebären und sein ebenso altes Segelschiff erwartet uns nicht nur eine der längsten Spotlight Stories, sondern vielleicht auch die emotionalste. Wer gerne seinen Geldbeutel schont, hat übrigens auch dieses Mal wieder Grund zu Freude: Age of Sail wird von Google komplett kostenlos angeboten.

Der alte Mann, das Meer & ein unerwartetes Mädchen

Die neue Spotlight Stories-Produktion versetzt uns in das Jahr 1900, eine Zeit, in der Segelschiffe den Dampfschiffen weichen mussten. Eine Entwicklung zum Leidwesen von Skipper William Avery, dessen kleines Segelboot nun einsam und alleine auf dem weiten Meer treibt.

Doch der alte Bootsmann wird zu Filmbeginn wider Willen aus seiner von Schnaps durchdrungenen Melancholie gerissen. Denn nachdem ihn ein vorbeiziehendes Passagierschiff beinahe gerammt hätte, rettet Avery ein über Bord gegangenes Mädchen aus den Fluten.

Im Anschluss wird der jungen Dame namens Lara allerdings klar, dass ihr Retter sich auf einer Segeltour befindet, von der er ursprünglich nicht zurückzukehren wollte. Kann sie ihn dazu bringen, das Ruder noch einmal herum zu reißen…?

VR-Bootstrip: Wir können die Gischt quasi spüren

Weiter oben findet ihr den kompletten Kurzfilm als normale 2D-Version eingebettet – seine volle Wirkung entfaltet das Abenteuer aber erst in der VR-Version mit einem entsprechenden Headset. Nur dann können wir uns nämlich nicht nur frei im virtuellen Raum umsehen, sondern haben das Gefühl, selber Teil der Inszenierung zu sein.

Der Cell-Shading-Look sorgt gemeinsam mit den entsättigten Farben für eine tolle Stimmung. © Google Inc.

Der Cel-Shading-Look sorgt gemeinsam mit der stimmigen Farbgebung für eine tolle Stimmung. © Google Inc.

In der VR-Version nehmen wir die meiste Zeit auf dem Deck des kleines Segelschiffes Platz und beobachten, wie sich das Geschehen entfaltet. Die computergenerierten Bilder punkten dabei mit einer Räumlichkeit, an die (noch) keine VR-Live-Action-Produktion heran kommt. Wüssten wir es nicht besser, würden wir am liebsten mal eben eine Hand ins kühle Nass halten, um das unter uns vorbeiziehende Wasser zu spüren.

Im späteren Verlauf setzt Age of Sail zudem die Position der Kamera bzw. unseres Blickwinkels sehr geschickt ein. In einer Einstellung treiben wir beispielsweise neben einem der Protagonisten im Meer. Senken wir den Kopf, können wir unter die Wasseroberfläche tauchen und nehmen alle Geräusche nur noch gedämpft wahr.

Animationen & Storytelling: Hier passt einfach alles

Der eigenwillige Animationsstil trägt seinen Teil dazu bei, dass Age of Sail in Erinnerung bleibt. Obwohl es sich um 3D-Animationen handelt, wirken Figuren und Filmwelt nämlich wie von Hand gezeichnet. Dazu trägt unter anderem die bewusst reduzierte Anzahl an Bildern pro Sekunde bei, die einen ähnlich Zeichentrick-Effekt wie beim aktuellen Spider-Man-Animationsfilm Into the Spider-Verse erzeugt.

Die wie von Hand gezeichnet wirkenden Figuren sprühen vor Charisma. © Google Inc.

Die wie von Hand gezeichnet wirkenden Figuren sprühen vor Charisma. © Google Inc.

Der Look des Films passt zudem sehr gut, um die vergangene Ära der Seefahrt um die vorletzte Jahrhundertwende wieder aufleben zu lassen. Den beiden Hauptfiguren wird derweil stimmlich Leben von Theaterschauspielerin Cathy Ang und Hollywood-Star Ian McShane eingehaucht – letzterer sollte Serien-Fans durch Hits wie Deadwood oder American Gods ein Begriff sein.

Auch in Sachen Dramaturgie punktet der Kurzfilm auf ganzer Linie und hat uns schnell am emotionalen Haken. Die Spotlight Story rührt uns in gut 10 Minuten mehr, als es mancher Spielfilm in 100 Minuten schafft – bei Age of Sail fließt deshalb Salzwasser gegebenenfalls auf beiden Seiten des VR-BrillenDisplays.

Unsere Wertung

Fazit:

Age of Sail ist nicht nur eine weitere gelungene Google Spotlight Story, sondern ein echtes, kleines VR-Filmjuwel. Die Geschichte um den alten Seemann, der durch die Rettung eines Menschenleben selbst neuen Lebensmut findet, ist so berührend wie technisch brillant in Szene gesetzt. Dank des tollen räumlichen Effekts fühlen wir uns zudem wie ein gegenwärtiger Zeuge des Geschehens und nicht wie ein weit entfernter Zuschauer.

Ihr solltet Age of Sail unbedingt eine Chance geben, wenn ihr:

  • Zeuge einer berührenden Geschichte werden wollt
  • auf VR-Filme mit tollem räumlichen Effekt steht
  • Interesse am Thema Schifffahrt habt
  • gerne VR-Animationsfilme schaut
  • bereits Google Spotlight Stories wie Rain and Shine oder On Ice mochtet

Der kostenlose VR-Kurzfilm ist wahrscheinlich nichts für euch, wenn ihr:

Age of Sail ist für folgende VR-Brillen in diesen Stores erhältlich:

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