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1943 Berlin Blitz im VR-Test

Erlebnisse HTC Vive Oculus Rift VR-Reviews

1943 Berlin Blitz im Test: Immersive VR-Geschichtsstunde

Direkt zum Fazit

Mit der VR-Erfahrung 1943 Berlin Blitz präsentiert die BBC die Erlebnisse eines Kriegsberichterstatters an Bord eines britischen Bombers im zweiten Weltkrieg. Wir haben die historische Produktion getestet.

Die britische, öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt BBC trumpft schon seit geraumer Zeit mit interessanten Virtual Reality-Produktionen auf. Oft handelt es sich dabei um informative Projekte, die das Bildungspotential von VR unterstreichen sollen und obendrein meistens kostenlos angeboten werden. Beispiele sind die 360-Grad-Dokumentation Damming the Nile, die Naturforscher-Erfahrung Hold the World oder der virtuelle Weltraumausflug Home – A VR Spacewalk.

Auch auf die VR-Erfahrung 1943 Berlin Blitz trifft die obige Beschreibung zu. Dem virtuellen Bombenangriff auf Nazi-Berlin liegt dabei die Radioaufnahme eines britischen Journalisten zugrunde, die der VR-Erfahrung gleichzeitig als Tonspur dient. Seit Mitte Oktober ist die Erfahrung für die VR-Brillen HTC Vive und Oculus Rift erhältlich, was wir zum Anlass genommen haben, das Projekt mal genauer unter die Lupe zu nehmen.

Virtuelle Rekreation eines historischen Radiobeitrags

Im September 1943 hat BBC-Korrespondent Wynford Vaughan-Thomas gemeinsam mit Tontechniker Reg Pidsley eine britische Bomber-Crew bei ihrem nächtlichen Angriff auf Berlin begleitet. An Bord des Lancaster-Bombers „F for Freddie“ hat Pidsley sowohl die Gespräche der Besatzung als auch Vaughan-Thomas‘ mündliche Beschreibung der Ereignisse für die Nachwelt aufgezeichnet.

Es war einer der ambitioniertesten und gefährlichsten Nachrichtenberichte des Krieges, da die beiden BBC-Mitarbeiter im Flakfeuer über Berlin ihr Leben riskierten. Basierend auf den Beschreibungen von Vaughan-Thomas hat die BBC die VR-Erfahrung 1943 Berlin Blitz konzipiert, die die Ereignisse komprimiert wiedergibt.

Tonmann Pidsley können wir im hinteren Teil des Flugzeugs bei der Aufnahme des ursprünglichen Beitrags beobachten. © BBC

Tonmann Pidsley können wir im hinteren Teil des Flugzeugs bei der Aufnahme des ursprünglichen Beitrags beobachten. © BBC

Die VR-Erfahrung lässt uns verschiedene Etappen des Bomber-Flugs aus der Perspektive des BBC-Korrespondenten und unter Zunahme der ursprünglichen Tonaufzeichnung nacherleben. Bevor wir zum eigentlichen Inhalt kommen, noch ein paar Infos zu den historischen Hintergründen:

Bei den nächtlichen Bombenangriffen auf Berlin in den Jahren 1943/44 wurden bei jedem Angriff rund 5 Prozent der Lancaster-Maschinen abgeschossen. 2600 britische Soldaten verloren dabei ihr Leben. Am Boden waren die Verluste noch höher. Rund 5000 Zivilisten wurden bei den Angriffen auf industrielle und zivile Anlagen getötet. Zehntausende Wohnhäuser wurden zudem zerstört. Weitere Hintergrundinformationen zum Gezeigten bietet eine Website der BBC.

In der Enge des Bombers: Geschichte wird in VR lebendig

Mit der VR-Brille auf dem Kopf starten wir unser historisches Erlebnis am Boden. Im Hauptmenü können wir neben der gut 15 Minuten langen VR-Erfahrung wahlweise auch den kompletten Radiobeitrag aus dem Jahre 1943 anwählen. Im Hintergrund des Menüs steht derweil auf der Rollbahn bereits der erwähnte Lancaster-Bomber bereit.

Fernbedienung oder Bewegungscontroller benötigen wir übrigens nicht. An Bord der Maschine gibt es keine Interaktionsmöglichkeiten, im Hauptmenü wählen wir einen Punkt alleine mit dem längeren Blick in die entsprechende Richtung an.

Nach dem Start der Erfahrung befinden wir uns auch schon direkt im startenden Bomber und blicken durch eine Kanzel in die vorbeiziehende Landschaft. Bücken wir uns, können wir uns zudem im Inneren des Flugzeugs umsehen.

Die Enge der sperrigen Maschine kommt dabei durch die Immersion von VR sehr gut zur Geltung. Ein halbes Dutzend Menschen sitzen hier auf engstem Raum tausende Meter in der Luft auf einer großen Ladung Sprengstoff. Das Ziel: Der von Geschützfeuer erhellte Himmel über Berlin. Die einstige Anspannung der beiden BBC-Mitarbeiter lässt sich während des eigenen virtuellen Fluges durchaus erahnen!

Atmosphärische Inszenierung…

Frei bewegen können wir uns in dem engen Flugzeug übrigens nicht. Stattdessen wechseln wir mehrmals automatisch unseren Standort in der Maschine, da uns ja auch nur ausgewählte Sequenzen des kompletten Fluges gezeigt werden. Nach dem Start erleben wir beispielsweise den Anflug auf das europäische Festland, wo uns über Holland das erste Flakfeuer der deutschen Wehrmacht erwartet.

Die Scheinwerfer der deutschen Luftabwehr sorgen für eine gespenstige Atmosphäre © BBC

Die Scheinwerfer der deutschen Luftabwehr sorgen für eine gespenstige Atmosphäre © BBC

Dass die Ereignisse von den echten Zeitzeugen kommentiert werden, trägt natürlich extrem zur authentischen Atmosphäre von 1943 Berlin Blitz bei. Der Anflug auf das glutrot leuchtende Berlin ist dann auch der gespenstische Höhepunkt der Erfahrung.

Bereits von weitem erhellen dutzende Lichtkegel die Nacht, Flakfeuer blitzt am Himmel und der durch die Bombardierung orange leuchtende Horizont taucht alles in eine endzeitliche Stimmung. Das in VR Erlebte lässt uns dabei durchaus mit gemischten Gefühlen zurück.

Einerseits fesselt das Geschehen, anderseits ist man froh, dass man es nicht in Wirklichkeit erleben musste. Besonders, wenn gegen Ende die Bomber-Crew endlich wieder die englische Küste erblickt, spürt man dank der Tonaufzeichnung, wie die Anspannung von den Männern abfällt. Der Pilot der Maschine stimmt sogar spontan für den BBC-Tontechniker ein Ständchen an. Manchmal sorgt die Realität eben für die beste Dramaturgie!

…mit technischen Mängeln

Einige technische Schnitzer kratzen allerdings an der Präsentation von 1943 Berlin Blitz. So sind zwar die Figurenmodelle und das Innere des Flugzeugs ziemlich detailliert gestaltet, insbesondere die Texturen sind zum Teil aber recht unscharf. Auch die Animationen der Crew-Mitglieder wirken puppenhaft und durch die Fliegermasken sind diese alles andere als ausdrucksstark.

Beim Anflug auf das europäische Festland blicken wir den Piloten über die Schulter. © BBC

Beim Anflug auf das europäische Festland blicken wir den Piloten über die Schulter. © BBC

Darüber hinaus enttäuscht der Anblick des brennenden Berlins. Die Stadt sieht aus wie eine lodernde Tapete, richtige Strukturen oder gar Gebäude sind kaum auszumachen. Der Bombenabwurf, eigentlich ein Schlüsselmoment der VR-Erfahrung, fällt in inszenatorischer Hinsicht deshalb relativ ab.

Auch die Sound-Kulisse kommt etwas ausgemergelt daher. Von den Aufnahmen der Originalstimmen mal abgesehen, tragen Sound-Effekte wie das in Endlosschleife laufende (und viel zu leise) Röhren des Flugzeugs kaum zur Atmosphäre bei. Mit einer aufwendigeren Abmischung von Motorengeräuschen und Geschützfeuer hätte man hier die grafischen Defizite wesentlich besser ausgleichen können!

Sinnbild für das Potential von Games- & Virtual Reality-Technik

Dank in den Weltkriegen angesiedelter Shooter wie Call of Duty: WWII oder Battlefield V wird ja immer mal wieder über das Potential von Videospielen zur Darstellung von Geschichte diskutiert – und das gerne auch kontrovers.

Mit gutem Recht lässt sich natürlich die Frage stellen, ob man irgendetwas lernen kann, wenn man überwiegend damit beschäftigt ist, mit der Waffe im Anschlag Leute über den Haufen zu schießen. Aber hier kommen eben VR-Erfahrungen wie 1943 Berlin Blitz ins Spiel.

1943 Berlin Blitz im Test. © BBC

Technisch kann Berlin Blitz zwar nicht durchgängig überzeugen, aber das Gesamtpaket ist trotzdem stimmig. © BBC

Sie greifen auf die Grafik-Engines und Inszenierungstechniken von kommerziell erfolgreichen Spielen zurück und schaffen tatsächlich virtuelle Erfahrungen mit informativen Mehrwert. Wir hoffen, dass sich insbesondere auch deutsche Institutionen mehr und mehr dem Potential virtueller Inhalte bewusst werden. Genügend interessante Beispiele der britischen Kollegen gibt es ja, wie bereits eingangs erwähnt, zuhauf.

Unsere Wertung

Fazit:

Die BBC unterstreicht mit 1943 Berlin Blitz erneut das Potential von Virtual Reality für den Bildungsbereich und widmet gleichzeitig zwei ihrer mutigsten Mitarbeiter ein einprägsames virtuelles Denkmal. Zwar kann die Produktion in audiovisueller Hinsicht nicht restlos überzeugen, allein die realen Stimmaufnahmen machen dies aber wieder wett. Die einfache Handhabung und kompakte Spieldauer machen das kostenlose Erlebnis außerdem zum perfekten Einsteiger-Titel für VR-Neulinge. Hoffentlich werden wir noch mehr solcher historischer VR-Projekte sehen, die zudem zukünftig für Erinnerungskultur und Museen eine immer wichtigere Rolle spielen sollten.

Ihr solltet 1943 Berlin Blitz eine Chance geben, wenn ihr:

  • euch für den Verlauf des zweiten Weltkriegs interessiert
  • Interesse an Flug- und Militärtechnik habt
  • atmosphärischen VR-Erfahrungen etwas abgewinnen könnt
  • einfach ein Stück Geschichte am eigenen Leib erleben wollt

Ihr solltet die VR-Erfahrung der BBC lieber meiden, wenn:

  • euch nicht-interaktive VR-Erfahrungen zu passiv sind
  • euch das auf der Realität beruhende Geschehen eventuell zu Nahe geht

Die kostenlose VR-Erfahrung 1943 Berlin Blitz erhaltet ihr hier:

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